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Familiengeld: Der 300-Euro-Zuschuss

Das Familiengeld soll Väter zu mehr Zeit für den Nachwuchs ermuntern
Bild: Haufe Online Redaktion

Das Familiengeld soll Mütter zu mehr Zeit für den Beruf und Väter zu mehr Zeit für den Nachwuchs ermuntern. Familienministerin Schwesig plant daher einen steuerfreien 300-Euro-Zuschuss.

Für Millionen berufstätige Eltern in Deutschland ist es ein alltäglicher Kraftakt. Morgens geht es schnell zur Kita oder zur Schule. Und danach mehr oder weniger gestresst gleich weiter ins Nachmittagsprogramm. Dabei sind es meistens die Mütter, die im Job kürzer treten, um Kinder zu betreuen. Für eine gleichmäßigere Aufgabenteilung mit den Vätern legt Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) nun ein Modell für einen neuen steuerfreien 300-Euro-Zuschuss vor. Das liefert auch schon Munition für den Bundestagswahlkampf 2017.

«Familienarbeitszeit» mit einem Familiengeld

Wenn ein Kind auf die Welt kommt, teilen sich viele Eltern ihre Zeit ungleich auf. Häufig verdienen Väter besser und arbeiten voll weiter. Viele Mütter steigen dagegen ganz aus dem Beruf aus oder arbeiten nur wenige Stunden Teilzeit. So bleiben aber Aufstiegschancen auf der Strecke, und auch in die Rentenkasse zahlen sie weniger ein. Hier will Schwesig ansetzen und beide Seiten ermuntern - Mütter zu mehr Zeit für den Beruf, Väter zu mehr Zeit für den Nachwuchs. «Sie wollen mehr, als nur für den Gute-Nacht-Kuss da sein.» Das Instrument soll eine neue «Familienarbeitszeit» mit einem Familiengeld sein.

Familiengeld im Anschluss an Elterngeld

Der Ministerin geht es um einen Anschluss ans Elterngeld, das Paare maximal bis zum 14. Lebensmonat eines Kindes bekommen können. Dabei soll das Geld vom Staat aber an eine «vollzeitnahe» Beschäftigung geknüpft werden. So soll jedes Elternteil jeweils 150 Euro im Monat bekommen können, wenn beide in einem Korridor von 28 bis 36 Stunden in der Woche arbeiten. Dies entspricht laut Ministerium etwa 80 bis 90 Prozent regulärer Vollzeitjobs - und eben nicht nur 50 Prozent, wie es viele Mütter handhaben. Gezahlt werden soll dieser Festbetrag unabhängig vom Einkommen bis zu 24 Monate lang und höchstens bis zum achten Geburtstag des Kindes. Kosten: eine Milliarde Euro im Jahr.

Wirtschaft: Familiengeld als Fachkräftesicherung

In der Wirtschaft stößt der Vorschlag durchaus auf Interesse. «Wenn beide Elternteile die Aufgaben in Beruf und Familie gut aufteilen, kann das ein Beitrag zur Fachkräftesicherung in den Betrieben sein», sagt der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Eric Schweitzer. Individuelle Lösungen brächten aber einiges an Organisation mit sich. Wichtiger als Anreize vom Staat seien daher mehr flexible Betreuungsangebote. Der Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) ist ausdrücklich für ein Familiengeld: «Es würde den Wunsch vieler Eltern unterstützen, sich Kindererziehung, Haushalt und Beruf partnerschaftlich zu teilen», sagt die Vize-Vorsitzende Elke Hannack.

Schwesig möchte Familiengeld sofort umsetzen

Schwesig geht nun bei einem schon länger diskutierten Thema in die Offensive, mit dem sie und ihre SPD punkten wollen. «Natürlich stehe ich bereit, es sofort umzusetzen», beteuert sie. Doch einen konkreten Gesetzentwurf hat sie vorerst nicht in petto. Vom Koalitionspartner kommt denn auch postwendend Gegenwind. Passend zu den Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern verspreche Schwesig pauschal Geldgeschenke, schimpft Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs (CDU). Die Ministerin kontert, sie mache auch Vorschläge über diese Legislatur hinaus. Und überhaupt solle die Union doch sagen, warum sie 150 Euro Betreuungsgeld gut finde, diese 150 Euro pro Elternteil aber nicht.

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