Schadensminderungspflicht: Unfallfahrzeug darf nicht zum Niedrigpreis verschleudert werden
Streit über Restwertanrechnung
Bei einem Verkehrsunfall erlitt der Pkw des unschuldigen Beteiligten einen Totalschaden. Ein Sachverständiger ermittelte für das Fahrzeug einen Restwert von 800 EUR. Die Versicherung des Unfallverursachers unterbreitete dem Unfallopfer mit Schreiben vom 9.4.2008 mehrere Restwertangebote aus dem Internet, an die die Bieter bis zum 29.4.2008 gebunden waren und die die kostenlose Abholung der Unfallfahrzeugs gegen Barzahlung anboten.
- Das höchste Gebot belief sich auf 1.730 EUR.
- Dieses Angebot hätte telefonisch angenommen werden können.
- Am 10.5.2008 verkaufte der Geschädigte seinen Pkw an einen von ihm ausgewählten Käufer für 800 EUR.
- Die Versicherung regulierte den Schaden und legte dabei als Restwert 1.730 EUR zugrunde.
Damit war das Unfallopfer nicht einverstanden. Er klagte den Differenzbetrag von 930 EUR ein, ging durch drei Instanzen bis zum BGH und verlor jedes Mal.
Von den zumutbaren Varianten hat die wirtschaftlichste Vorrang
Die Gerichte warfen dem Kläger vor, er habe nicht den wirtschaftlichsten Weg gewählt. Grundsätzlich sei es zwar in Ordnung, wenn jemand den Unfallwagen zu dem von einem Sachverständigen festgestellten Restwert verkauft. Es müssen auch nicht Sondermärkte z.B. im Internet darauf geprüft werden, ob ein Verkauf zu einem höheren Wert möglich ist. In diesem Fall aber, in dem der Versicherer das alternative Verkaufsangebot über 1.730 EUR so aufbereitet hatte, dass es durch einen einfachen Anruf des Klägers hätte angenommen werden können, stelle der anderweitige Verkauf zu dem wesentlich niedrigerem Preis ein Verstoß gegen die Pflicht dar, den Schaden gering zu halten.
Der Kläger konnte keine schlüssige Erklärung dafür abgeben, warum er den Verkauf für 800 EUR dem höheren Angebot vorgezogen hatte und blieb deshalb auf den knapp 1.000 EUR sitzen.
(BGH, Urteil v. 1.6.2010, VI ZR 316/09).
-
Wohnrecht auf Lebenszeit trotz Umzugs ins Pflegeheim?
1.2442
-
Wie kann die Verjährung verhindert werden?
849
-
Minderung schlägt auf Betriebskostenabrechnung durch
649
-
Klagerücknahme oder Erledigungserklärung?
573
-
Diese Compliance-Regelungen gelten für Geschenke und Einladungen
435
-
Überbau und Konsequenzen – wenn die Grenze zum Nachbargrundstück ignoriert wurde
397
-
Transparenzregister: Wirtschaftlich Berechtigter nach GWG
380
-
Brief- und Fernmelde-/ Kommunikationsgeheimnis: Was ist erlaubt, was strafbar?
373
-
Eigenbedarfskündigung bei Senioren – Ausschluss wegen unzumutbarer Härte?
355
-
Was ist bei der sofortigen Beschwerde zu beachten?
348
-
Cybersicherheit: Die NIS2-Richtlinie und ihre Folgen für Unternehmen
23.12.2025
-
Der Gesellschafterstreit – Streitbeilegung
17.12.2025
-
Der Gesellschafterstreit - Prävention
17.12.2025
-
Der Gesellschafterstreit – Vor Gericht
17.12.2025
-
Außergerichtliche Erscheinungsformen eines Gesellschafterstreits
17.12.2025
-
China führt elektronische Stempel ein: Was Unternehmen jetzt beachten müssen
09.12.2025
-
Wie Unternehmen und Manager mit Nachhaltigkeit umgehen sollten
02.12.2025
-
Internationale Zuständigkeiten deutscher Gerichte im Zusammenhang mit dem Brexit
02.12.2025
-
Revision von CSRD und CSDDD: EU-Parlament beschließt Verhandlungsposition
26.11.2025
-
Ladung zur Gesellschafterversammlung: Prüfungsumfang des Registergerichts
12.11.2025