Nach Unfall: Reparatur erst nach Regulierungszusage
Der Mercedes eines Detmolders war bei einem Verkehrsunfall beschädigt worden. Den Halter traf an dem Unfallereignis unstreitig keinerlei Verschulden. Am 1. September 2010 setzte dieser die gegnerische Haftpflichtversicherung von dem Sachverhalt in Kenntnis. Einige Tage später brachte er sein Fahrzeug zur Reparatur. Die beauftragte Fachwerkstatt gab das Fahrzeug aber nach Durchführung der Reparatur nicht an ihn heraus, da die Versicherung noch nicht reguliert hatte. Die Werkstatt pochte auf ihr Werkunternehmerpfandrecht. Die Versicherung lies sich mit der Regulierungszusage Zeit bis zum 30.09.2010. Erst dann gab die Werkstatt das Fahrzeug heraus. Der verärgerte Detmolder verlangte daraufhin Ersatz des Nutzungsausfallschadens nicht nur für die eigentliche Reparaturdauer sondern auch für Zeit ohne Fahrzeug infolge des Werkunternehmerpfandrechts.
Schadensminderungspflicht
Das AG und das LG wiesen die Klage des Detmolders ab. Der Kläger habe keine Veranlassung gehabt, das Fahrzeug vor Erhalt der Regulierungszusage in Reparatur zu geben. Der Mercedes sei unstreitig auch nach dem Unfall fahrbereit und verkehrssicher gewesen. Für den Kläger sei es daher ohne weiteres möglich gewesen, sein Fahrzeug weiter zu benutzen und die Regulierungszusage der Versicherung abzuwarten. Im Rahmen seiner Schadensminderungspflicht sei er hierzu gemäß § 254 BGB auch
Vierwöchige Schadensprüfung durch die Versicherung ist angemessen
Die Richter verwiesen in ihren Entscheidungen auf das grundsätzliche Recht der Versicherungen, Schadensmeldungen zu prüfen. Ein Zeitraum von ca. 4 Wochen sei jedenfalls nicht überlange. Mit einer solchen Prüfungsdauer hätte der Kläger auch rechnen müssen.
Geldmangel ist Anlass zu zurückhaltender Auftragsvergabe
Nach Auffassung der Richter hätte der Detmolder aufgrund seiner finanziell beengten Lage auch Anlass gehabt, sich bis zur Reparaturvergabe besonders umsichtig zu verhalten. Er habe gewusst, dass er die Reparaturkosten nicht würde vorfinanzieren können. Allgemein sei auch bekannt, dass Werkstätten reparierte Fahrzeuge häufig nur gegen Rechnungsbegleichung herausgäben. In dieser Situation hätte der Kläger sich nach Auffassung der Richter vorsichtiger verhalten müssen.
Wichtig: Die Entscheidungen gelten nur für die Fälle, in denen ein beschädigtes Fahrzeug noch fahrbereit und verkehrssicher ist.
(LG Detmold, Urteil v 11.1.2012, 10 S 114/11).
-
Wohnrecht auf Lebenszeit trotz Umzugs ins Pflegeheim?
6002
-
Vollstreckung rückständiger Rundfunkgebühren häufig angreifbar
297
-
Eigenbedarfskündigung bei Senioren – Ausschluss wegen unzumutbarer Härte?
294
-
Wann ist ein digitaler Türspion erlaubt?
2881
-
Minderung schlägt auf Betriebskostenabrechnung durch
223
-
Die Befreiung von den Beschränkungen des § 181 BGB
202
-
Probleme des Zugangsnachweises von rechtlichen Erklärungen
198
-
Klagerücknahme oder Erledigungserklärung?
183
-
Wann ist ein Anspruch verwirkt? Worauf beruht die Verwirkung?
176
-
Überbau und Konsequenzen – wenn die Grenze zum Nachbargrundstück ignoriert wurde
170
-
Augenblicksversagen
20.08.2026
-
Schuldunfähigkeit
20.08.2026
-
Verschulden des Versicherungsnehmers
20.08.2026
-
Grobe Fahrlässigkeit
20.08.2026
-
Leichte Fahrlässigkeit
20.08.2026
-
Kein Provisionsanspruch des Wohnungsverwalters gegen den Vermieter bei erfolgreicher Neuvermietung
19.08.2026
-
Erleichterungen für die Gesellschaft bei Einladung zur GmbH-Gesellschafterversammlung
17.08.2026
-
D&O im Dieselskandal: SdK klagt erneut – was der VW-Fall für die Praxis bedeutet
12.08.2026
-
Muss der Hersteller nach Vertragsende das Warenlager vom Distributor zurücknehmen?
07.08.2026
-
Bundesnetzagentur wird nationale Marktüberwachungsbehörde bei der KI-Aufsicht
16.07.2026