| DGFP-Kongress 2016

Antworten auf die Arbeitswelt von morgen

Einen Blick in die Zukunft, auf die Arbeitswelt von morgen, warfen die Teilnehmer des DGFP-Kongresses am ersten Kongresstag.
Bild: DGFP

Der diesjährige DGFP-Kongress will „HR-Antworten auf die Arbeitswelt von morgen“, so das Motto, liefern. Die Digitalisierung der Arbeitswelt und die Rolle von Politik und Sozialpartnern standen am ersten Kongresstag im Mittelpunkt.

"Für die Arbeitswelt 4.0 ist vieles vorgedacht, doch noch nicht alles ausdiskutiert", sagte Dr. Gerhard Rübling, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP), zur Kongresseröffnung, um dann gleich die Richtung vorzugeben. Die Wirtschaft stehe mitten in der vierten industriellen Revolution, die es zu gestalten gebe. Die Unternehmen hätten zwar Routine im Changemanagement entwickelt, aber doch „eher auf die gemütliche Art“. Es gehe jetzt um schnelle und radikale Antworten auf die Veränderungen, die die Betriebe, Sozialpartner und Politik geben müssten. Positiv hob Rübling hervor, dass es eine gemeinsame Diskussion gebe, aber jetzt schnelle Antworten nötig seien. Er rief dazu auf, nicht alles bis zum Ende auszudiskutieren, sondern mehr „soziale Experimente zu wagen“.

Dr. Gerhard Rübling, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP) bei des Kongresses.
Bild: DGFP

Kompromissbereitschaft der Sozialpartner beim Thema Arbeitszeitgestaltung

Für den Dialog mit den Sozialpartnern hatte die DGFP Michael Vassiliadis, den Vorsitzenden der Industriegewerkschaft Bergabu, Chemie und Energie, geladen. Vassiliadis, der bekannt ist für seinen Kooperationskurs mit den Arbeitgebern, stimmte der Diagnose zu und signalisierte Bereitschaft für neue Kompromisse, etwa beim Thema Arbeitszeitgestaltung. Voraussetzung sei allerdings, dass die Arbeitgeber davon Abstand nähmen, unter dem Thema Arbeiten 4.0 alte Forderungen durchsetzen zu wollten - etwa die kapazitätsorientierte variable Arbeitszeit (Kapovaz). Vertrauen zwischen den Sozialpartnern sei die zentrale Voraussetzung, um neue Regelungen auszuhandeln. Dem stimmten in der anschließenden Podiumsrunde auch Wilfried Porth, Arbeitsdirektor bei Daimler, wie auch Norbert Jansen, Arbeitsdirektor IBM ausdrücklich zu.

Tarifverträge: Gestaltungsspielräume  besser ausnutzen

Vassiliadis hielt dem Arbeitgeberlager aber auch einen Spiegel vor: Gerade in der Chemieindustrie gebe es Tarifverträge, die sehr großen Gestaltungsspielraum ermöglichen, der aber von den Unternehmen meist nicht genutzt werden. Auch die Anpassungsleistungen und Einschnitte würden die Gewerkschaften und Mitarbeiter häufig mittragen, während sich Vorstände damit sehr schwer tun, berichtete er aus seinen Erfahrungen als Multi-Aufsichtsrat.

Digitalisierung: Politik macht "guten Job"

Die Diskussion sah er auf dem richtigen Weg, auch die Politik mache in Sachen Digitalisierung einen guten Job. Im Bereich der Rohstoffindustrie würden die größten Veränderungen auf die Verwaltungsbereiche der Unternehmen zukommen, wo viele Jobs wegfallen. Die Beschäftigten seien darauf nicht vorbereitet. Häufig seien die Leute, die bislang Restrukturierungen vorbereitet und  gesteuert haben, diesmal selbst Betroffene. Vassiliadis betonte, dass er die Digitalisierung aber nicht als prekäre Entwicklung, sondern vor allem als Chance sehen möchte.

Plattformbetreiber als Gewinner der Digitalökonomie?

Es war die Rolle von Christoph Keese, Executive Vice President bei Axel Springer, das Loblied auf das Silicon Valley zu singen. Die Medienindustrie sei schon viele Jahre mit der Digitalisierung konfrontiert, deren Geschäftsmodelle seien der Disruption ausgeliefert. Das größte Medienhaus der Welt, das ist für ihn Facebook,  kommt aus dem Silicon Valley, produziert aber selbst keine Inhalte. Die Digitalökonomie beruhe auf Plattformen und Disruption, habe keine eigenen Assets. Die Hersteller von Assets mit ihren geringen Margen sieht er im Abseits, während die Plattformbetreiber mit ihren hohen Margen die großen Gewinner seien.

Wilfried Porth, Arbeitsdirektor bei Daimler, im Gespräch.
Bild: Haufe Online Redaktion

Gute Chancen für deutsche Industrie – wenn die Rahmenbedingungen stimmen

Wilfried Porth war es, der die Ausführungen von Keese ins rechte Licht rücken konnte. Auch er sei von den Entwicklungen im Silicon Valley fasziniert, doch man dürfe sich nicht blenden lassen. Auch Plattformen seien auf Assets angewiesen. Das größte Problem von Uber sei derzeit der Mangel an Fahrern, der möglicherweise von selbstfahrenden Autos gelöst werden könnte. Uber werde dann sein Geschäftsmodell weiterentwickeln und selbst Autos anschaffen müssen, meinte Porth, der die Chancen der deutschen Industrie sehr positiv bewertete. Allerdings müssten dafür die Rahmenbedingungen angepasst werden. Konkret forderte er keine Verschlechterung bei Werkverträgen und Zeitarbeit und eine Anpassung des Arbeitszeitgesetzes an die Erfordernisse des mobilen Arbeitens.

Warten auf das Weißbuch "Arbeiten 4.0" der Regierung

Im letzten Punkt  machte Benjamin Mikfeld aus dem Bundesarbeitsministerium Hoffnung, der für den 29. November die Veröffentlichung des Weißbuches zu Arbeiten 4.0 ankündigte, das auch einen Vorschlag zur Weiterentwicklung des Arbeitszeitgesetzes enthalten werde.

Schweizer Raiffeisen AG gewinnt St. Galler Leadership-Award

Abgeschlossen wurde der Tag mit de Verleihung des St. Galler Leadership-Awards, der erstmals durch ein Publikumsvoting vergeben wurde. Sieger mit großem Abstand wurde die Raiffeisen AG aus der Schweiz, die ihre Strategieentwicklung mit allen Mitarbeiter zusammen gemacht hat und auf einer Großveranstaltung verabschiedete, an der alle 10.000 Mitarbeiter teilnahmen.

Schlagworte zum Thema:  Kongress, Digitalisierung, Arbeitswelt

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