Wer viele Teilnehmer zu Workshops oder Tagungen erwartet, sollte sich die Moderationsmethode gut überlegen. Bild: Corbis

Moderieren ist schon schwer – das Moderieren einer Großgruppe umso mehr: Wer in Tagungen oder Workshops mit 20, 30 oder mehr Personen arbeitet, muss einiges beachten. Wo bei Großgruppenmoderationen die größten Stolpersteine liegen und wie sich diese umgehen lassen, zeigt eine aktuelle Studie.

Fast jeder, der Menschen weiterbildet, steht früher oder später vor der anspruchsvollen Aufgabe, einen Workshop oder eine Tagung zu moderieren. Besonders anspruchsvoll wird die Aufgabe, wenn es darum geht, mit 15, 30 oder sogar mehr Teilnehmern zu arbeiten: Dann steht der Trainer, Personal- oder Organisationsentwickler vor der schwierigen Frage, wie eine Moderation mit so vielen Teilnehmern ablaufen soll, wie sie spannend bleibt, welche Methode sich für welche Gruppe empfiehlt, wie sich die Teilnehmer am besten einbinden lassen und wie er es schaffen kann, bei so vielen Meinungen einen Konsens herzustellen.

Erschwerend kommt hinzu, dass lange nicht jeder Gelegenheitsmoderator für die Arbeit mit Großgruppen ausgebildet oder geschult ist, wie nun eine aktuelle Studie der Hochschule Münster zeigt: Demnach hat noch nicht einmal jedes zweite Unternehmen in Deutschland Mitarbeiter parat, die eine Aus- oder Weiterbildung fürs Moderieren von Arbeitstagungen oder größeren Workshops mit mehr als 15 Mitarbeitern genossen haben – und das, obwohl 86 Prozent der Unternehmen beim Moderieren von Großgruppen auch (oder sogar ausschließlich) auf die eigenen Mitarbeiter setzen.

Die Ergebnisse stammen aus der Studie "Großgruppen-Tagungen und -Workshops in Unternehmen: Status quo, Moderation, Erfolg", für die der Studienautor Professor Holger Buxel 255 Unternehmensvertreter in Deutschland befragt hat.

Großgruppenmoderation: Experimentiermuffel nutzen nur eine Methode

Ein klarer Trend zeigt sich bei der Frage nach den meistgenutzten Moderationsmethoden: Die internen und externen Moderatoren setzen am liebsten (43 Prozent) auf die World-Café-Methode, bei der die Teilnehmer in kleinen Gruppen an Tischen stehen oder sitzen und anhand der Fragen des Moderators ins Gespräch kommen. Andere Großgruppenmethoden scheinen sich in den Unternehmen noch nicht durchgesetzt zu haben: So haben bislang etwa nur 18 Prozent der Befragten in ihrem Unternehmen schon die Open- Space-Methode ausprobiert, bei der die Teilnehmer selbst Themen einbringen und dazu anschließend in Projektgruppen Ergebnisse erarbeiten.

Dabei könnte es sich für die Experimentiermuffel unter den Unternehmen durchaus lohnen, auch mal eine andere Methode auszuprobieren: Denn wer sich an weniger verbreitete Moderationsmöglichkeiten wie etwa RTSC-Konferenzen, die Methoden nach Beer oder die Appreciative-Inquiry-Methode herangewagt hat, berichtet meist von guten Erfahrungen. Nur Online-Tools für die virtuelle Kommunikation haben bei den Befragten etwas weniger Fans als die anderen abgefragten Moderationsmethoden.

Großgruppenformate verfehlen oft ihr Ziel

Offenbar gibt es in deutschen Unternehmen also in Großgruppen wenig Abwechslung. Vermutlich fehlt vielen Gelegenheitsmoderatoren die Methodenkenntnis und die nötige -sicherheit, um beim Moderieren großer Gruppen auch mal eine andere Methode anzuwenden als das World Café. Da überrascht es nicht, dass nur gut jeder Zweite der Befragten behauptet, dass es in seinem Unternehmen immer gelingt, bei großen Workshops oder Tagungen die vorher gesteckten Ziele zu erreichen.

Prof. Dr. Holger Buxel, Hochschule Münster, hat den Status quo von Großgruppenmoderationen in deutschen Unternehmen untersucht. Bild: Hochschule Münster

28 Prozent der befragten Führungskräfte können sich nicht zu einem Urteil darüber durchringen, ob ihre Großgruppenveranstaltungen zum gewünschten Erfolg führen oder nicht – besonders erfolgreich scheinen die Moderationen bei diesen Unternehmen aber demnach nicht zu verlaufen. Und 16 Prozent geben sogar offen zu, dass ihre Großgruppenworkshops und -tagungen regelmäßig schiefgehen.

Probleme in Großgruppen: Dominante Teilnehmer reißen die Diskussion an sich

Um herauszufinden, woran es bei Großgruppenmoderationen häufig hapert, fragten die Wissenschaftler auch nach typischen Problemen bei deren Durchführung. Hauptproblem ist demnach, dass sich zurückhaltende, stille Teilnehmer nicht einbringen (72 Prozent). Aber auch temperamentvollere Gemüter unter den Teilnehmern bereiten vielen Kopfzerbrechen: 66 Prozent kennen aus ihrer Praxis das Phänomen, dass dominante Persönlichkeiten die Diskussion an sich reißen.

Als schwierig erachten auch viele (70 Prozent) das Timing und die Ergebnisfindung bei Großgruppenmoderationen. Zudem weist der Autor noch auf einen weiteren erschwerenden Aspekt hin, der quasi im System der Großgruppenmoderation liegt: dass sich nämlich mit steigender Personenzahl in größeren Tagungen und Workshops die Schwierigkeit erhöht, gute Lösungen zu erarbeiten. "Dabei zeigt sich, dass diejenigen Unternehmen, die nicht so erfolgreich bei der Umsetzung derartiger Arbeitstagungen und Workshops sind, regelmäßig in ihren Tagungen und Workshops stark an denselben immer wiederkehrenden Problemen 'leiden', die auf die Komplexität der Arbeit in großen Gruppen zurückzuführen sind", resümiert Studienautor Buxel.

 

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Schlagworte zum Thema:  Moderation, Personalentwicklung, Weiterbildung

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