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Wo Selbst- und Fremdbild von Führungskräften auseinander klaffen

Gerade Topmanager halten sich selbst für sehr einfühlsam – ihre Mitarbeiter sehen das anders.
Bild: PhotoDisc Inc.

Eine Studie zeigt: Im Bereich Sozialkompetenz klaffen Selbst- und Fremdwahrnehmung von Führungskräften auseinander. Diskrepanzen gibt es auch bei der Persönlichkeitsentwicklung: Die meisten Mitarbeiter fühlen sich dabei weder von Chef noch HR gut unterstützt – obwohl sie sich das wünschen.

Einfühlungsvermögen sehen viele Führungskräfte als eine ihrer Stärken an: In der diesjährigen Comteam-Studie ordnen sie ihren Empathiewert auf einer Skala von eins (niedrig) bis fünf (sehr hoch) durchschnittlich bei vier ein. Junge Führungskräfte zeigen sich demnach besonders überzeugt von ihrer Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen. Der Beratungs- und Weiterbildungsanbieter hat für seine diesjährige – mittlerweile elfte – Studie insgesamt 556 Fach- und Führungskräfte befragt.

Jedoch malen die Führungskollegen und Mitarbeiter dieser selbstbewussten Manager ein ganz anderes Bild: Sie schätzen deren Empathiewert insgesamt viel niedriger, bei maximal 2,5 Punkten, ein. Besonders eklatant zeigt sich der Unterschied zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung bei den Topmanagern: Während diese sich selbst mit einem Wert von knapp unter vier recht gut einschätzen, billigen ihre Kollegen und Untergebenen ihnen gerade mal einen Wert von zwei zu.

Zeigen Führungskräfte nicht ihre menschliche Seite?

Auch bei anderen Social Skills wie Selbstreflexion und Achtsamkeit zeigt sich bei den Vorständen und Geschäftsführern ein deutlicher Unterschied: Sie selbst schätzen sich in diesen Disziplinen als recht gut ein – schneiden aber beim Fremdurteil wiederum eher schlecht ab. Ob die oberen Führungskräfte nun über die fraglichen Kompetenzen verfügen oder nicht, bleibt bei dieser Studie offen. Die Autoren stellen sich aber die Frage, ob die Unterschiede in der Wahrnehmung vielleicht daher rühren könnten, dass Führungskräfte ihre menschliche Seite nicht zeigen möchten.

Wie wichtig Soft Skills in Unternehmen und gerade auf der Führungsetage sind, bestätigt die Studie von Comteam ebenfalls: Die Befragten schätzen vor allem Kommunikationsfähigkeit, Offenheit und soziale Kompetenz im Allgemeinen als relevant für den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen ein. Auch die drei Kompetenzen, bei denen Selbst- und Fremdbild der Führungskräfte am meisten auseinandergehen – Selbstreflexion, Empathie und Achtsamkeit – sieht die Mehrheit der Befragten als wichtig oder sehr wichtig für den Unternehmenserfolg an.

Führungskräftekritik bei der Mitarbeiterentwicklung eher unwichtig

Doch Selbstreflexion ist auch anderweitig relevant. Denn auf die Frage, welche Faktoren sie dazu veranlassen sich weiterzuentwickeln, antworten über 80 Prozent der Teilnehmer, dass ihre "eigenen Einsichten" dabei wichtig oder sehr wichtig seien. Damit ist Selbstreflexion der stärkste Impuls für die persönliche Weiterentwicklung.

Die schlechte Nachricht für Führungskräfte lautet im Bereich der Weiterentwicklung: Ihre Kritik landet – ebenso wie Impulse von Freunden und Bekannten – am Ende der Skala von Entwicklungsfaktoren. Auch die Kritik von Mitarbeitern und Kollegen ist demnach als Anlass, sich persönlich weiterzuentwickeln, nur jedem Zweiten wichtig oder sehr wichtig.

Wenig glänzen können Führungskräfte auch bei der Frage, inwiefern sie ihre Mitarbeiter bei deren Persönlichkeitsentwicklung unterstützen. Denn nur ein Viertel der Befragten ist der Meinung, dass ihr Vorgesetzter dabei eine starke oder sehr starke Rolle spielt. Noch schlechter schneiden die Personalentwickler ab: Ihnen bestätigen nur 14 Prozent der Befragten eine starke bis sehr starke Unterstützung. Die Wunschwelt der Befragten sieht dagegen anders aus: Jeweils rund zwei Drittel wünschen sich, dass Führungskräfte und Personalentwickler ihnen dabei zur Seite stehen.

Haufe Online Redaktion

Soft Skills, Sozialkompetenz, Führung

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