| Recruiting im Team

Wenn Mitarbeiter ihre Kollegen rekrutieren

Ein "Like" für den neuen Kollegen: Beim Recruiting im Team entscheiden die künftigen Kollegen.
Bild: MEV-Verlag, Germany

Im Zuge der Debatten um New Work ändern einige Unternehmen auch ihren Rekrutierungsprozess. Sie motivieren nicht nur ihre Mitarbeiter im Sinne von Social Recruiting selbst neue Mitarbeiter anzusprechen, sondern lassen gleich das gesamte Recruiting im Team laufen.

Ein prominenter Fall von Recruiting im Team ist die Besetzung des Postens als Chefredakteur bei der britischen Zeitung "The Guardian". Die Belegschaft wählte Katherine Viner zur ihrer neuen Chefin; die Manager im Besetzungsgremium stimmten zu. In Deutschland ist das wohl bekannteste Beispiel von Recruiting Team das Orchester der Berliner Philharmoniker. Alle Orchestermitglieder werden bei der Auswahl und Entscheidung für einen neuen Chefdirigenten einbezogen. Ihr Votum ist bindend.

Doch genau an diesem Beispiel zeigt sich auch, wie schwierig es ist, mit dem gesamten Team eine Auswahlentscheidung zu treffen. Bei der siebten Wahl in Berlin ging es zunächst schief: Die Orchestermitglieder konnten sich trotz stundenlanger Diskussionen nicht auf einen Nachfolger für einigen. Erst einen Monat später wurde doch Kirill Petrenko zum Chefdirigenten gewählt. Wenn das Erstellen des Stellenprofils, die Ausschreibung, die eigentliche Personalauswahl bis hin zur Entscheidung komplett in ein Team, das einen neuen Kollegen sucht, verlagert wird, kann sich der Recruiting-Prozess natürlich länger hinziehen.

Kritik am Recruiting im Team

Und es gibt noch weitere Kritikpunkte am Recruiting im Team. So erklärt Torsten Biemann, Professor für Personalmanagement und Führung an der Universität Mannheim, im Personalmagazin, Ausgabe 06/2015, dass eine Teamentscheidung bei der Rekrutierung zu kurz greife: „Ein Unternehmen stellt Mitarbeiter nicht für ein Team ein, sondern weil es seine Fähigkeiten und Fertigkeiten fürs Ganze benötigt." Deshalb fände er "es nicht zielführend, wenn das ganze Team entscheidet“. Schließlich können dann auch Eigeninteressen einzelner Teammitgliedern den Vordergrund der Entscheidung rücken: "Ein Ingenieur mit Spezialkenntnissen wird immer auch seine Vormachtstellung retten wollen."

Personaler haben die Expertise im Recruiting

Das sieht Professor Martin Kersting, Justus-Liebig-Universität Gießen, ähnlich: "Teams suchen nach Kollegen, die so sind wie sie selbst. Der Kuschelfaktor dieses Mitmachtheaters ist groß, Heterogenität und Diversität haben es schwer." Außerdem gerieten einzelne Teammitglieder unter Druck, sich dem kleinsten gemeinsamen Nenner anzuschließen. Sein Vorschlag: Die Gruppe soll das Anforderungsprofil mit ausarbeiten, eignungsdiagnostisch geschulte Manager unter Zuhilfenahme standardisierter Verfahren über die Bewerber entscheiden. "Sie müssen nicht Psychologen, aber professionell geschult müssen sie Rekrutierer sein."

Auch Dr. Rüdiger Hossiep, Wirtschaftspsychologe an der Ruhr-Universität Bochum, rät im Personalmagazin, die Personalprofis einzubeziehen – vor allem bei der Biografiearbeit und strukturierten Bewerbungsgesprächen. „Das Team kann und soll dann entscheiden, ob es sich vorstellen kann, mit dem Neuen zu arbeiten.“

Recruiting im Team in der Praxis bei Haufe-Umantis

Bei Haufe-Umantis sind diese Kritikpunkte am Recruiting im Team bekannt. Trotzdem schreiben die Teams offene Stellen selbst aus und entscheiden auch über die neuen Kollegen. Denn darin leigen auch einige Vorteile. So sagt Talent Managerin Laila Horsten im Personalmagazin, Ausgabe 06/2015: "Es wird eine höhere Passung zwischen potenziellem Kandidat, Team und Position erreicht. Personalisierte Stellenausschreibungen senken zudem die Schwelle, sich zu bewerben und Bewerber bekommen gleich einen Eindruck von den neuen Kollegen."

Personalprofis weiterhin im Recruiting gefragt

In dem Whitepaper "Team Recruiting – Wie Mitarbeiter Mitarbeiter rekrutieren" hat Haufe-Umantis einige Argumente zusammengestellt, um auf die häufigen Kritikpunkte zu antworten. So wird darin beispielsweise das Argument entkräftet, dass Mitarbeiter gar nicht die Kompetenz haben, um selbst neue Kollegen auszuwählen: "Es ist nicht notwendig, daran zu glauben, dass das Team bessere Entscheidungen trifft. Es ist das Team, das gemeinsam mit den Vorgesetzten und der Personalabteilung die Entscheidung fällt. Typischerweise sollte ein Veto der Vorgesetzten genauso zu einer Absage führen wie eine negative Entscheidung des Teams. Vorgesetzte oder die Personalabteilung sollten aber nicht eine positive Entscheidung erzwingen können. Sie müssen das Team überzeugen können, denn sonst wird es der neu eingestellte Kollege im Team schwer haben."

Personalprofis sollten also nicht außen vor bleiben beim Recruiting im Team. Vielmehr sollten sie weiterhin als Berater und Experte einbezogen werden. Dann wäre auch die Befürchtung vieler Personaler bei diesem Thema, dass ihre Expertise nicht mehr gebraucht oder geachtet wäre, nicht mehr gegeben.

Whitepaper "Team Recruiting" zum Downlaod

Weitere Argumente können Sie im Whitepaper „Team Recruiting – Wie Mitarbeiter Mitarbeiter rekrutieren“ nachlesen. Sie können es hier kostenfrei im PDF-Format herunterladen

Schlagworte zum Thema:  Recruiting, Talent Management

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