13.09.2012 | Konfliktschlichtung

Mediatoren nach dem neuen Gesetz ausbilden

Anita von Hertel ist Mediatorin und Rechtsanwältin.
Bild: Haufe Online Redaktion

Bislang landen Streitfälle meist vor Gericht - auch Konflikte in Unternehmen. Das neue Mediationsgesetz Abhilfe schaffen. Es regelt auch die Zertifizierung der Mediatoren. Was Unternehmen beachten müssen, wenn sie nun Mitarbeiter zu Mediatoren ausbilden wollen, erklärt Anita von Hertel.

"Das Gesetz übernimmt Themenbereiche, die in der Praxis erprobt sind. Diese sind im Bereich der Verbände national und international schon seit vielen Jahren geltender Qualitätsstandard", erklärt die Mediatorin, Rechtsanwältin und Buchautorin Anita von Hertel aus Hamburg. "Wer sich nach diesen Standards zertifizieren lässt - zum Beispiel bei Mediation D A CH (Deutschland, Austria, Schweiz) erfüllt bereits jetzt höhere Standards als sie nach dem Mediationsgesetz gefordert werden."

Kriterien für eine gute Ausbildung

Es bleibe daher die Aufgabe der Unternehmen und ihrer Mitarbeiter, hinter ähnlich klingenden Worten auf drei Dinge zu achten:

"Erstens: Wer unterrichtet? Sind die Trainer vor Ausbildungsbeginn namentlich bekannt? Wie viele exzellente Trainer stehen als Rollenmodell zur Verfügung? Wie viel Praxiserfahrung haben die Trainer und welche didaktische Kompetenz? Wie sehr können sie das Knowhow der Mediation im Umgang mit den Teilnehmern selbst anwenden?

Zweitens: Wie ist die Gewichtung von Praxisanteil zu Theorieanteil wirklich? Wie werden Rollenspiele vorbereitet und nachbereitet? Trauen sich die Trainer, Rollenspiele zu demonstrieren, wenn ja, mit welcher Qualität? Wie geschult ist der Blick für multikausale Ursachen und Wirkungen bei Rollenspielen und wie sinnvoll werden die Erkenntnisse an die Teilnehmer kommuniziert?

Drittens: Die Unterschiede zwischen unterschiedlichen Mediationsausbildungen beginnen beim Gesamtkonzept. Es kommt weniger auf die Quantität der Stunden als vielmehr auf die Qualität des Gesamtkonzepts an. Werden die Teilnehmer darin gefördert, von der Konfliktanalyse zu Beginn über das Herausarbeiten der Interessen bis zur Lösung mit Evaluation am Ende einen vertrauensvollen Kontakt zu allen Mediationsbeteiligten zu finden und zu halten? Lernen sie mit allen Sinneskanälen die Konfliktbeteiligten so zu begleiten, dass diese genau herausfinden, wo der Hase wirklich im Pfeffer sitzt? Erlernen sie die Kunst der Lösungsbegleitung, bei der Innovationen entstehen, die den Zeitaufwand lohnen und gute Gesamtergebnisse liefern? Eine gute Mediationsausbildung ist konzipiert wie eine gute Mediation: Die klare Struktur wird mit dem Leben der Menschen gefüllt."

Auswahlkriterien für externe Mediatoren

Ein ähnliches Vorgehen empfiehlt die Buchautorin auch für die Auswahl geeigneter externer Mediatoren: "Das Gesetz schafft eine Basis für allgemeine Qualität. Ihre Aufgabe ist es, die konkreten Besonderheiten zu berücksichtigen: Wählen Sie deshalb vor allem einen Mediator, der gut zum Fall passt. Der Mediator kann das Vertrauen der Beteiligten aufgrund seiner Erfahrungen gewinnen und hat die Kompetenz, Lösungen für den konkreten Fall hervorzulocken.

Wenn es im Konflikt zum Beispiel um ein großes Team geht und die Zeit drängt, dann brauchen Sie ein Team mit viel Erfahrung, das komplexe Konstellationen souverän und mit geschultem Blick für das Wesentliche meistern kann. Geht es um einen kleinen Sachkonflikt, den sie sofort erkannt haben, dann können Sie einen Jungmediator wählen, der seine Ausbildung gerade abgeschlossen hat und der mit einem hocheskalierten emotionalen Konflikt vielleicht noch überfordert wäre. Für einen Konflikt auf Vorstandsebene brauchen Sie jemanden, der auf  Augenhöhe mit angemessener Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit agieren kann - und für einen Konflikt zwischen Menschen, die nicht gut deutsch sprechen, ist ein Mediator oder Mediationsteam mit den entsprechenden Sprachkenntnissen - mit Kenntnissen in den betroffenen Kulturen nützlich."

Schlagworte zum Thema:  Mediationsgesetz, Konflikt, Mediation

Aktuell

Meistgelesen