Warum KI kein Produktivitätswunder bewirkt
Bislang hoffen viele Unternehmen darauf, dass sich künstliche Intelligenz zu einem Produktivitätsbooster entwickelt. Eine Studie von McKinsey prognostizierte im Juni 2023, dass ein Produktivitätszuwachs von jährlich 2,6 bis 4,4 Billionen US-Dollar für die Weltwirtschaft möglich sei.
Nun kommt ein Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag des Gemeinschaftsausschusses der Deutschen Gewerblichen Wirtschaft zu einem weniger optimistischen Schluss. Demnach werde sich die Produktivität mithilfe von KI zwar steigern, doch sei in den nächsten Jahren nicht mit einem "Produktivitätswunder" zu rechnen. So erwartet das IW für die Jahre 2025 bis 2030 eine jährliche Produktivitätssteigerung von 0,9 Prozent und für die Jahre 2030 bis 2040 von 1,2 Prozent für Unternehmen in Deutschland.
Potenzial von KI wird kaum genutzt
Ein Grund dafür sei, dass das Potenzial von KI in Deutschland nur unzureichend genutzt werde. Laut der Studie wende sogar nur jedes vierte bis fünfte Unternehmen KI an. Das sei zwar mehr als im EU-Durchschnitt, aber weniger als etwa in Dänemark, Finnland und der Niederlande, wo KI am flächendeckendsten eingesetzt wird. Deutschland belegt in dieser Hinsicht EU-weit nur Platz elf.
KI: Unternehmen brauchen politische Unterstützung
Damit Unternehmen in Deutschland Rechtssicherheit haben und KI schneller nutzen können, empfiehlt das IW der Bundesregierung, die EU-Verordnung zur KI zeitnah auszugestalten – also beispielsweise zu bestimmen, welche nationale Behörde für die Überwachung, Durchsetzung und Einhaltung der KI-Regulierungen zuständig ist und welche rechtlichen Konsequenzen Unternehmen drohen, wenn sie gegen die Vorschriften verstoßen. Außerdem wird empfohlen, kleineren und mittleren Unternehmen praxisnahe Checklisten und Umsetzungshilfen zur Verfügung zu stellen, damit diese die KI-Verordnung einfach und gesetzeskonform umsetzen können.
IW empfiehlt den Bau neuer KI-Rechenzentren
Wichtig ist laut Gutachten zudem, die Infrastruktur zu verbessern. Das IW empfiehlt der nächsten Bundesregierung etwa, den Bau neuer Rechenzentren zu fördern und das Breitbandnetz auszuweiten, um schnelleres Internet zu ermöglichen. Dabei sei entscheidend, dass die Planung und Genehmigung zügig durchgeführt werden.
Helena Melnikov, Hauptgeschäftsführerin der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), sagt zum Gutachten: "Wir erleben gerade spannende Tage mit enormen globalen Herausforderungen und einer schweren Wirtschaftskrise im eigenen Land. Dabei zeigt sich, dass viele der Probleme struktureller Art sind – also hausgemacht." Die technologische Entwicklung und insbesondere KI sei eine Chance, die es aber stärker zu nutzen gelte.
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