Warum SAP trotz des Trends zu Cloud-Lösungen weiterhin On-Premise-Lösungen im Portfolio hat, erklärt Produktmanager Stefan Rüter. Bild: SAP

SAP hatte vor einiger Zeit angekündigt, seine HR-Software umzustellen: Cloud statt On-Premise sei die Zukunft, hieß es damals. Nun bietet der Softwareriese aber doch eine lokale Lösung an. Warum, erläutert SAP-Produktmanager Stefan Rüter im Interview.

personalmagazin: Es gab viel Kritik, als bekannt wurde, dass SAP seine Human Capital Management Software als On-Premise-Lösung nur bis 2025 unterstützen wolle und die Kunden danach in die Cloud zu SAP Successfactors wechseln sollten. Inzwischen haben Sie eine neue On-Premise-Lösung angekündigt. Glauben Sie nicht mehr an die Cloud?
Stefan Rüter: Ganz im Gegenteil. Seit der Übernahme von Successfactors vor gut sechs Jahren hat sich die Anzahl der SAP-Successfactors-Kunden vervierfacht. Dieser Trend wird sich weiter fortsetzen. Auf globaler Ebene steigt die Nachfrage nach Cloud-Lösungen rapide an. Schon heute nutzen weltweit 100 Millionen Menschen SAP Successfactors. Unsere Investitionsstrategie richtet sich am Markt aus – und der bewegt sich, ganz klar, in Richtung Cloud. 

personalmagazin: Welche Vorteile hat SAP Successfactors gegenüber klassischen On-Premise-Lösungen?
Rüter: Vor allem sind das die altbekannten Vorteile einer Cloud-Lösung: das Wegfallen der Infrastruktur, moderne Benutzeroberflächen, und in Bezug zur HR-Welt die Standardisierung und Simplifizierung der Prozesse für HR und Mitarbeiter sowie Produktneuentwicklungen, die nicht nur schneller verfügbar sind, sondern auch leichter konsumierbar. 

personalmagazin: Wie sieht es speziell im deutschsprachigen Raum aus?
Rüter: SAP ERP HCM, was für SAP Enterprise Resource Planning Human Capital Management steht, ist gerade auf dem deutschsprachigen Markt ein sehr erfolgreiches Produkt. Allerdings hat es mittlerweile mehr als 30 Jahre auf dem Buckel, 2025 werden es mehr als 40 Jahre sein. In der Vergangenheit ging es in erster Linie darum, transaktionale Prozesse wie die Abrechnung oder Zeitwirtschaft abzubilden und fortwährend zu optimieren. Heute dagegen ist ein HR-System Teil der Unternehmenskultur und sozusagen die Visitenkarte des Unternehmens. Es bestimmt, wie beispielsweise Talente angesprochen werden oder wie Mitarbeiter im Unternehmen zusammenarbeiten. Außerdem helfen intelligente Services und digitale Assistenten, den Überblick zu bewahren, und sie gewähren eine einfache Sprachbedienung, wie Sie es von Siri oder Alexa kennen. Somit können sich Personaler auf die wertschöpfenden Aufgaben konzentrieren, die nicht von Maschinen übernommen werden können. Viele dieser Dinge ließen sich kaum oder nur mit massiven Aufwänden auf der SAP-ERP-HCM-On-Premise-Plattform realisieren. Aus diesem Grund ist SAP Successfactors unsere Lösung, um die digitale Transformation des Personalwesens im Unternehmen voranzutreiben.

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personalmagazin: Nur sieben Prozent der Anwender peilen Cloud-Only an – das zeigt eine Umfrage der SAP-Anwendergruppe. Die anderen befürchten Probleme hinsichtlich Compliance und Sicherheit oder haben Angst, die Kon­trolle über die Software zu verlieren. Wie ernst nehmen Sie diese Bedenken?
Rüter: Natürlich nehmen wir diese Bedenken sehr ernst. Als global operierender Anbieter erfüllen wir Datenschutzrichtlinien unterschiedlicher Länder und Regionen. Speziell bei uns in Deutschland gibt es immer wieder Fragen im Kontext der europäischen Datenschutzgrundverordnung. Aus diesem Grund sind wir im engen Kontakt mit unseren Kunden und verfolgen das Ziel, mehr Transparenz zu schaffen. Zusätzlich arbeiten wir an Werkzeugen, die Compliance unterstützen und komfortabler machen. 

personalmagazin: Was wird wirklich neu sein an der neuen On-Premise-Lösung?
Rüter: Lassen Sie mich noch kurz darauf eingehen, warum wir diese Lösung anbieten werden. Weltweit nutzen rund 15.000 Kunden SAP ERP HCM. Auch wenn eine zunehmende Zahl von ihnen auf SAP-Successfactors-Lösungen umsteigt, wissen wir, dass jeder Kunde individuelle Anforderungen hat und sein Tempo für einen Umstieg selbst bestimmen muss. Es ging uns in erster Linie da­rum, diesen Kunden Planungssicherheit zu geben. Die Lösung wird auf SAP ERP HCM basieren und einen vergleichbaren Funktionsumfang haben. Sie wird bis mindestens 2030 in Wartung sein. Wir planen keine größeren Änderungen im Vergleich zu SAP ERP HCM. Geplant sind eher selektive Verbesserungen, beispielsweise eine Harmonisierung der Benutzeroberflächen oder weitere Optimierungen für den Betrieb auf SAP HANA. Hier müssen wir die richtige Balance finden: Einerseits sollen unsere Kunden die Möglichkeiten von SAP HANA voll nutzen können, andererseits versuchen wir disruptive Änderungen zu vermeiden, um eine kostengünstige Migration zu gewährleisten. 
personalmagazin: Welche Lösung empfiehlt sich für welche Kunden?
Rüter: Wir empfehlen diese Lösung Kunden, die Kontinuität suchen. Kunden, die die digitale Transformation des Personalwesens vorantreiben möchten, empfehlen wir SAP Successfactors.

personalmagazin: Was können Sie bezüglich des Pricings sagen? Wird die neue On-Premise-Lösung teurer?
Rüter: Das beabsichtigte Programm zur Umstellung der Lizenzen wird die bestehenden Richtlinien für Lizenzkonvertierungen nach SAP S/4 HANA berücksichtigen. Die Preisstruktur befindet sich noch in der Definition und wird sich an den bestehenden Lizenzmodellen orientieren. Gleichzeitig möchten wir diese vereinfachen. Details sollen noch in diesem Jahr festgelegt werden.

Das Interview führte Christoph Stehr.


Hinweis: Dies ist ein Auszug aus dem Gespräch mit Stefan Rüter, Senior Director Product Management bei SAP Successfactors. Das vollständige Interview finden Sie in der März-Ausgabe des Personalmagazins.

Schlagworte zum Thema:  HR-Software

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