Wie Dax-30-Unternehmen über psychische Erkrankungen berichten
Psychische Erkrankungen nehmen in deutschen Unternehmen stetig zu: Laut dem DAK-Gesundheitsreport 2013 sind etwa die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen seit 1997 um 165 Prozent gestiegen. Die Folgekosten, etwa durch Lohnfortzahlungen, sind immens. Doch der Erhalt der Gesundheit habe neben der betriebswirtschaftlichen auch eine gesellschaftliche Dimension, so Nicole Susann Roschker, Expertin für Unternehmenskommunikation und Nachhaltigkeit, in der aktuellen Ausgabe des Personalmagazins. Gesundheit sei daher ein Erfolgs- oder Risikofaktor, der in der Berichterstattung von Unternehmen nicht fehlen sollte.
Keine quantitativen Angaben zu psychischen Erkrankungen
Eine Analyse der Dax-30-Unternehmen aus dem Sommer 2012 zeigt nun, inwiefern Unternehmen das Thema "psychische Gesundheit" in ihrem externen Reporting aufgreifen. Sie stützt sich auf alle öffentlich zugängliche Informationen der Unternehmen zu dem Thema von 2009 bis 2012. Roschker fasst die Ergebnisse wie folgt zusammen: Zwar greifen 26 der 30 Dax-Unternehmen das Thema in ihrer Berichterstattung auf – allerdings erwähnt die Mehrzahl die psychische Gesundheit der Mitarbeiter nur sehr verhalten und indirekt in Form von Infos zu individuellen, verhaltensbezogenen Maßnahmen der Gesundheitsförderung. Zwölf der Unternehmen thematisieren das Thema vergleichsweise offen: Sie berichten etwa über die Planung und Umsetzung verhältnisorientierter Maßnahmen im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen, die in der Verantwortung des Arbeitgebers liegen. Diese Maßnahmen umfassen zum Beispiel Richtlinien, die den Umgang mit psychischen Erkrankungen regeln, oder Hotlines zur Burnout-Beratung. Acht Unternehmen stufen die Gesundheit ihrer Mitarbeiter in ihrem Konzernlagebericht als risikorelevant ein. Die Berichte machten jedoch keine quantitativen Angaben zu psychischen Erkrankungen, so Roschker.
Kennzahlen sind schlecht vergleichbar
Kennzahlen zum Thema Mitarbeitergesundheit seien insgesamt rar, stellt die Autorin fest: Es gebe zwar Zahlen zu den Fehlzeiten durch Arbeitsunfälle oder Krankheiten, aber zum Thema "psychische Erkrankungen" seien diese wenig aufschlussreich, da nicht differenziert. Darüber hinaus würden Kennzahlen nicht einheitlich ermittelt, was zu mangelnder Vergleichbarkeit führe: Acht Dax-Unternehmen haben bereits individuelle Indizes und Gesundheitsquoten entwickelt, die sich als interne Gradmesser, aber nicht für externe Vergleiche eignen.
Konkrete Beratungs- oder Hilfsangebote fehlen meist
Die Analyse kommt darüber hinaus zu dem Schluss, dass 26 Unternehmen über individuelle Maßnahmen informieren, die von Infomaterial über medizinische Checkups bis hin zu Seminaren zu Stressmanagement und Burnout-Prophylaxe reichen; über konkrete Beratungs- oder Hilfsangebote wie zum Beispiel Employee-Assistance-Programme berichten allerdings nur die wenigsten. Richtlinien, Vorgaben, Sensibilisierung und Schulung von Führungskräften stehen bei nur zwölf Unternehmen auf der Agenda. Die Hälfte der Unternehmen evaluieren zwar ihre Maßnahmen zur Gesundheitsförderung, jedoch tun sie dies meist nur in Form von Teilnehmerzahlen. Zwei Unternehmen informieren immerhin auch über den Erfolg der Maßnahmen: Sie berichteten über die Senkung des Krankenstands mittels betrieblichem Gesundheitsmanagement.
Den kompletten Artikel "Wenn die Seele nicht mehr kann" finden Sie in Ausgabe 09/2013 des Personalmagazins.
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