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Frauenquote: Nur die Hälfte der Führungskräfte kennt die Zielgrößen

Viele Männer verschließen die Augen vor der Frauenquote.
Bild: Project Photos GmbH & Co. KG

Die neuen gesetzlichen Regelungen zur Erhöhung der Frauenanteile in Führungspositionen sind noch nicht in allen Köpfen angekommen. Einer Umfrage zufolge kennt knapp die Hälfte der Führungskräfte die Zielgrößen ihres Unternehmens nicht. Vor allem Männer reagieren mit Desinteresse.

In der Umsetzung des Gesetzes für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft (Kurz: „Frauenquote“) gibt es Defizite bei den Unternehmen. Dies kritisiert die Führungskräftevereinigung ULA angesichts der Ergebnisse einer gemeinsam mit ihrer Mitgliedsorganisation EAF Berlin durchgeführten Umfrage über das Führungskräftepanel Manager Monitor.

Rechtliche Verpflichtungen nur unzureichend kommuniziert

„Die neuen rechtlichen Verpflichtungen sind zu wenig bekannt und werden unzureichend kommuniziert“, so ULA-Hauptgeschäftsführer Ludger Ramme. „Um die Akzeptanz des Gesetzes zu steigern, werden wir die Männer mitnehmen und verstärkt aufklären müssen.“

Darauf hatte jüngst auch die Initiative „Frauen in die Aufsichtsräte“ (FidAR) aufmerksam gemacht. Eine Analyse der FidAR ergab, dass bislang erst 59 von 102 börsennotierten und voll mitbestimmten Unternehmen Zielgrößen für den künftigen Frauenanteil in  Aufsichtsrat, Vorstand oder der ersten und zweiten Managementebene festgelegt haben, obwohl die Frist dafür bereits am 30. September 2015 auslief. Und von den 59 Unternehmen, die sich konkrete Zielgrößen gesetzt haben, hat nur ein Teil diese auch veröffentlicht.

Frauen sind besser über Maßnahmen zur Frauenförderung informiert als Männer

Kein Wunder also, dass die Ziele zur Erhöhung der Frauenanteile auch in den Unternehmen intern kaum bekannt sind. Der Manager-Monitor-Umfrage zufolge kannten nur 48 Prozent der befragten Führungskräfte die Zielgrößen ihres Unternehmens. Dabei waren Frauen grundsätzlich besser informiert, nicht nur über die Zielgrößen, sondern auch über flankierende Maßnahmen etwa im Bereich der Personalentwicklung, Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Karriere oder Arbeitszeitflexibilisierung. Insgesamt bewerteten die weiblichen Führungskräfte das Quotengesetz besser als ihre männlichen Kollegen. Viele Männer fühlten sich beim Thema Chancengleichheit nicht angesprochen und reagierten mit Desinteresse.

Führungskräftevereinigung will sich für die Umsetzung der Frauenquote stark machen

Aus Sicht von ULA und EAF Berlin erlaubt die Umfrage noch keine Rückschlüsse auf die Auswirkungen des erst im letzten Jahr verabschiedeten Gesetzes. Daher sollte ein angemessener Zeitraum abgewartet werden. „Die Ergebnisse einer jüngst veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung unterstreichen jedenfalls, dass gesetzgeberischer Handlungsbedarf bestand“, betont ULA-Hauptgeschäftsführer Ludger Ramme. Ihr zufolge sei der Frauenanteil in Chefpositionen innerhalb der letzten zehn Jahre im Wesentlichen unverändert geblieben. In Zukunft wird die ULA ihre Informations- und Aufklärungsaktivitäten weiter verstärken und für die Geschlechterquote werben. „Am Ende profitieren alle von einer ausgewogenen Besetzung der Führungs- und Aufsichtsgremien,“ ist  Ramme sicher. Und die Vorsitzende der EAF Berlin, Dr. Helga Lukoschat appeliert: „Wir brauchen deshalb eine Allianz von Unternehmen, die sich aktiv für die Umsetzung des Gesetzes stark machen und mit gutem Beispiel voran gehen."

Haufe Online Redaktion

Frauenquote, Frauenförderung, Chancengleichheit

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