Intransparente und zu zeitaufwändige Prozesse bei der Personalauswahl gelten als "No-Go" für qualifizierte Bewerber. Bild: Haufe Online Redaktion

Die richtige Personalauswahl braucht Zeit und Fingerspitzengefühl. Doch wer sich zu viel Zeit für die Rekrutierung lässt, riskiert, die besten Bewerber zu verlieren. Denn für begehrte Fachkräfte gelten zu lange Rekrutierungsprozesse inzwischen als Ausschlusskriterium.  

Der Wettbewerb um Fach- und Führungskräfte ist so hart, dass Kandidaten zu lange Rekrutierungsprozesse zum Ausschlusskriterium für einen potenziellen Arbeitgeber machen. Späte Rückmeldung zum aktuellen Stand im Einstellungsverfahren, verzögerte Entscheidungsfindung sowie schlechte Kommunikation zu den notwendigen Schritten im Einstellungsverfahren führen zu Frustration beim Bewerber, knapp zwei Drittel der Befragten verlieren sogar ganz das Interesse an der Stelle, sobald der Bewerbungsprozess zu lange dauert. Das zeigt die aktuelle  Arbeitsmarktstudie des Personaldienstleisters Robert Half.

Zu lange Rekrutierungsprozesse vergraulen die Bewerber

„Deutsche Unternehmen benötigen immer mehr Zeit für die Personalauswahl. Doch langatmige Rekrutierungsprozesse vergraulen qualifizierte Bewerber, die keine Mühe haben, eine passende Stelle bei der Konkurrenz zu finden. Langfristig führt das dazu, dass immer mehr Stellen mit weniger geeigneten Mitarbeitern besetzt sind. Firmen riskieren damit, nicht mehr konkurrenzfähig zu sein“, so Sven Hennige, Senior Managing Director bei Robert Half.

Langsame Bewerberauswahl  frustriert auch die eigene Belegschaft

Entscheiden sich Kandidaten wegen des zu langen Bewerbungsprozesses  gegen die vakante Position, führt das wiederum zu starker Belastung bei den verbleibenden Mitarbeitern. Es folgen höhere Krankenstände, steigende Arbeitsunfähigkeitsquoten und Umsatzeinbußen. Dennoch, so die Ergebnisse der Studie, wird die Zeitspanne zwischen der Ausschreibung einer vakanten Stelle und der Einstellung neuer Mitarbeiter immer größer.

„Die Gründe für lang dauernde Besetzungsprozesse variieren von Unternehmen zu Unternehmen. Häufig sind es zu hohe Ansprüche an die Kandidaten, zu umfangreiche Prozesse, Defizite in der Personalplanung oder fehlende Budgetfreigaben. Aber auch mangelnde Entscheidungsfreude der Verantwortlichen spielt eine Rolle“, sagt Hennige. Unabhängig davon, was im Einzelfall zutrifft, sollten Unternehmen dringend prüfen, wie langwierig das eigene Recruiting gegenwärtig ist.

Zu lange Bewerbungsverfahren auf den Prüfstand stellen

„Damit langwierige Bewerbungsprozesse nicht die besten Kandidaten kosten, sollten Personaler Mut beweisen und beginnen, alle Aspekte des Rekrutierungsprozesses kritisch zu hinterfragen. Erste Schritte können sein, die Anzahl der beteiligten Personen am Bewerbungsprozess zu verringern oder Bewerbungsrunden schlanker aufzusetzen, indem beispielsweise nur zwei statt drei Gespräche stattfinden. Denn hier gilt: Weniger ist häufig mehr“, rät Hennige.

Die größten Fehler im Rekrutierungsprozess

Robert Half hat 1.000 Arbeitnehmer befragt, welches für sie der frustrierendeste Schritt im Bewerbungsprozess ist. 

Späte Rückmeldung darüber, wo ich mich im Einstellungsverfahren befinde.

50 %
Verzögerte Entscheidungsfindung43 %
Schlechte Kommunikation über die notwendigen Schritte des Einstellungsverfahrens33 %

Fehlende Transparenz in Bezug auf Vergütung und Zusatzleistungen

28 %
Mehrere Vorstellungsgespräche beim gleichen Arbeitgeber26 %
Enttäuschende Vertragsbedingungen26 %
Den Überblick über mehrere Vorstellungsgespräche/Stellenangebote zu behalten23 %
Änderungen bei den Stellenanforderungen19 %
Schwierigkeiten beim Planen von Vorstellungsgesprächen16 %

 

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Schlagworte zum Thema:  Bewerberauswahl, Rekrutierung

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