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Zehn Jahre Charta der Vielfalt: "Viel ist erreicht – aber noch mehr ist zu tun"

Ana Cristina Grohnert ist Vorsitzende der "Charta der Vielfalt". Der Wirtschaftsverband, an dem auch die Bundesregierung beteiligt ist, wirbt für Diversity.
Bild: EY

Die "Charta der Vielfalt" feiert zehnjähriges Bestehen und veröffentlicht zu diesem Anlass eine Studie zum Thema "Diversity". Die Ergebnisse beunruhigen: Zwei von drei deutschen Unternehmen stehen beim Diversity Management noch am Anfang. "Charta"-Vorsitzende Ana Cristina Grohnert nimmt Stellung.

Haufe Online-Redaktion: Die "Charta der Vielfalt" feiert zehnjähriges Bestehen. Wie lautet Ihr Resümee zum runden Geburtstag?

Ana-Cristina Grohnert: Es ist ein Zwischenstand und er lautet: Viel ist erreicht, aber noch mehr ist zu tun. Die Selbstverpflichtung Charta der Vielfalt haben mittlerweile fast 2.500 Unternehmen unterzeichnet. Wir haben das Thema Vielfalt auf die Agenda gesetzt.

Haufe Online-Redaktion: Zum Jubiläum haben Sie eine Studie durchgeführt zum Status quo von Diversity in deutschen Unternehmen. Welches sind für Sie die wichtigsten Ergebnisse?

Grohnert: Zum einen haben wir die alarmierende Zahl, dass zwei Drittel der Unternehmen noch überhaupt nichts gemacht haben. Das können wir uns eigentlich nicht leisten. Andererseits weiß ich aus den vielen Gesprächen mit den Vorständen im Rahmen der Studie: Diversity ist oben angekommen. Das hilft sehr.

Haufe Online-Redaktion: Wo sehen Sie noch die größten Probleme beim Diversity Management in deutschen Unternehmen?

Grohnert: Wir müssen wegkommen von vermeintlichen Minderheitenprogramm und hin zu einem ganzheitlichen Denkansatz. Diversity Management bedeutet einen Kulturwandel und einen Paradigmenwechsel, das Individuum rückt in den Mittelpunkt, Wertschätzung zählt.

Haufe Online-Redaktion: Die Studie zeigt, dass jene Unternehmen, die die Charta unterschrieben haben, in allen Diversity-relevanten Bereichen besser dastehen als der nationale Durchschnitt. Das ist ja an sich nicht überraschend, da die Unterzeichner-Unternehmen sich ja von Hause aus mehr mit dem Thema "Diversity" beschäftigen – oder?

Grohnert: Klar, wer unterzeichnet hat, hat sich sicherlich schon mehr Gedanken gemacht. Aber ich empfinde die Bewertung "besser" als schwierig. Passender wären wohl Begriffe wie weiter, aufgeschlossener oder engagierter. Und wir dürfen nicht übersehen: Diversity Management ist kein Projekt, sondern ein Prozess, der immer weitergeht. Da kann man sich nicht auf einem Status ausruhen.

Haufe Online-Redaktion: Wie ließe sich die Vielfalt in deutschen Unternehmen erhöhen? Wie bewerten Sie dabei die Möglichkeit, mehr über Gesetze zu regeln, wie bei der Frauenquote?

Grohnert: Ich selbst finde es ärgerlich, dass wir offensichtlich erst mit der Quote so weit kommen, das Thema anzugehen. Ich finde Quoten und Regulierung nämlich nicht erstrebenswert. In der Studie sehen wir übrigens, dass generell die Charta-Unterzeichner weniger von Quoten und Regulierung erwarten, als das durchschnittliche Unternehmen. Wer sich mit dem Thema beschäftigt, der weiß: Es muss sich die Erkenntnis durchsetzen, dass man mit Vielfalt besser wirtschaftet und erfolgreicher ist. Und das geht nur über immer neue Beispiele, eine intensive Kommunikation und die Unterstützung der Vorstände.

Ana Cristina Grohnert verantwortet als Managing Partner Talent die Personalpolitik für EY (Ernst & Young) in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Außerdem hat sie seit 2013 den Vorsitz der "Charta der Vielfalt" inne.

Das Interview führte Andrea Sattler, Redaktion Personal.

Mehr über die "Charta der Vielfalt" erfahren Sie hier: www.charta-der-vielfalt.de.

Schlagworte zum Thema:  Diversity, Diversity Management, Frauenförderung, Frauenquote

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