| Arbeitskultur und Innovationsmanagement

Design Thinking ist im Arbeitsalltag angekommen

Inwieweit Design Thinking, das Denken mit Prototypen, schon verbreitet ist, hat das Hasso-Platter-Institut untersucht.
Bild: Corbis

Wie wirkt Design Thinking? Dieser Frage ist eine Studie des Hasso-Platter-Instituts nachgegangen. Demnach ist die Technik nicht mehr auf die Ideenentwicklung beschränkt, meist soll sie vielmehr Arbeitskultur und Innovationsprozesse verbessern. Damit dies gelingt, müssen aber die Manager mitmachen.

Das Arbeiten mit Prototypen ist ihr Markenzeichen: die Kreativitätstechnik Design Thinking erfreut sich großer Beliebtheit. Das Überraschende daran: Sie wird in Unternehmen längst nicht mehr vorrangig zum Brainstorming und zur Entwicklung von Ideen bis hin zu Produkten verwendet, sondern für die Verbesserung interner Prozesse und Services.

In der gerade erschienenen Studie, die am Hasso-Platter-Institut (HPI) der Universität Potsdam durchgeführt wurde, gibt die Mehrheit der Befragten (71 Prozent) an, dass Design Thinking bei ihnen die Arbeitskultur vor allem im Team verbessert hat.

Fast ebenso viele sagen, dank der Methode seien Innovationsprozesse in ihrem Unternehmen deutlich effizienter geworden. Zudem ist knapp jeder zweite Befragte (48 Prozent) der Meinung, dadurch würden die Nutzer dieser Prozesse häufiger eingebunden.

Probleme in allen Bereichen lösen

"Das Konzept erfreut sich deshalb einer so großen Beliebtheit, weil es nicht auf bestimmte Branchen begrenzt ist, sondern vielmehr eine Denkweise zur Lösung komplexer Probleme in allen Bereichen darstellt", sagt HPI-Direktor Professor Christoph Meinel, der die Studie gemeinsam mit drei Kollegen durchgeführt hat. Vordergründig veränderten die Unternehmen mit Design Thinking ihr Angebot, in Wirklichkeit aber sich selbst, glaubt Meinel.

Zu Nutzern des Design Thinking gehören nach Auskunft des HPI schon namhafte Organisationen wie Airbnb, BMW, Deka Bank, DHL, Freeletics oder SAP.

Der HPI-Forscher haben für die Studie "Parts Without a Whole?" Antworten von 235 Anwendern auf halb-strukturierte Fragebögen ausgewertet und mit acht Experten qualitative Interviews geführt.

Risiken: Fehlende Chef-Unterstützung, kaum KPIs

Nicht alle Befragten können jedoch über einen Erfolg bei der Anwendung von Design Thinking berichten: Knapp ein Zehntel von ihnen gab an, die Technik in der eigenen Organisation wieder aufgegeben zu haben. Zu den wichtigsten Gründen für das Scheitern gehört demnach, dass eine strukturelle Einbettung nicht erfolgt sei und die Unterstützung des Managements gefehlt habe. "Ein Mangel an Zeit, angemessenen Räumlichkeiten und finanziellen Ressourcen machen eine produktive Umsetzung des Konzepts dann schwierig", erläutert Koautorin Eva Köppen.

Daneben offenbart die Studie eine weitere Schwierigkeit beim Einsatz von Design Thinking: Der Erfolg der Methode lässt sich schlecht in Kennzahlen ausdrücken. "Es ist selbstverständlich schwierig, den finanziellen Mehrwert von Design Thinking exakt und unmittelbar zu messen", räumt Studien-Koautor Jan Schmiedgen ein.

Offenbar überwiegt bei den Nutzern der Methode aber ein positiver subjektiver Eindruck: Die Antworten der Befragten zeigten, dass die Unternehmensprozesse und die Erfahrungen der Kunden nachhaltig verbessert würden, was auf lange Sicht die Wirtschaftlichkeit steigere, so Schmiedgen.

Design Thinking: Methode für Personaler?

Auch in HR gibt es Betätigungsfelder für Design Thinker. Wie die Methode in der Personalarbeit helfen kann, erklären Greta Konrad und Manuel Ott, Berater bei "Dark Horse", sowie der Zukunftsdesigner Ralf Albers in Ausgabe 04/2014 des Personalmagazins anhand des Beispiels, wie HR die Entstehung von Innovationen im Unternehmen fördern kann.

Bei der Desing-Thinking-orientierten HR-Arbeit müssten Personaler nutzerorientierter werden, lautet ein Tipp der Autoren. Dazu gehöre, standardisierte, verbindliche, festgelegte Personalinstrumente abzuschaffen – denn sie seien viel zu oft Selbstzweck, kosteten Zeit und blockierten Innovationen, so ihre These. Nur was im Alltag und Erleben von Führungskräften und Mitarbeitern unverzichtbar ist, sollte auch Anwendung finden.

Stattdessen sollten Prototypen, bewusstes Testen von Modellen und agile Vorgehensmodelle die Personalarbeit prägen.

Mehr zum Thema "Design Thinking"

Den kompletten Beitrag von Konrad, Ott und Albers "Der Personaler als Designer" lesen Sie in Heft 04/2014 des Personalmagazins.

Wer mehr über Design Thinking und die Anwendungsmöglichkeiten der Methode im organisationalen Kontext machen möchte, kann sich auch auf der Website www.thisisdesignthinking.net schlau machen: Dort haben die Wissenschaftler vom hasso Platter Institut ergänzend zu ihrer Studie ein Design-Thinking-Portal gestartet. Anhand von Fallbeispielen werden dort Strategien aufgezeigt, mit denen sich Unternehmen und öffentliche Institutionen Design Thinking aneignen.

Schlagworte zum Thema:  Kultur, Innovationsmanagement

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