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| Berufsausbildung

Azubis: voll beschäftigt – und trotzdem zufrieden

Laut DBG ist die Mehrheit der deutschen Azubis mit ihrem Job zufrieden - trotz Überstunden und Mängel im Ausbildungsplan.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Laut aktuellem DGB-Ausbildungsreport leistet gut jeder Dritte Azubi regelmäßig Überstunden, fast ebenso viele haben keinen Ausbildungsplan. Doch ob die Mängel bei Work-Life-Balance und Ausbildungsplanung sich auf die Zufriedenheit der Azubis niederschlagen, ist offenbar branchenabhängig.

Neben den Überstunden und fehlenden Ausbildungsplänen kritisiert jeder zehnte Lehrling, dass er häufig oder immer ausbildungsfremde Tätigkeiten durchführen müsse. Zu diesem Ergebnis kommt der Ausbildungsreport 2015, für den der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) mehr als 18.000 Azubis schriftlich befragt hat.

Doch auch das Vorhandensein eines Ausbildungsplans ist der Befragung zufolge kein Garant für eine gut strukturierte Ausbildung: Von denjenigen Jugendlichen, die einen Ausbildungsplan haben und auch mit dessen Inhalten vertraut sind, gab nur gut die Hälfte an, dass der Plan auch immer eingehalten werde.

Zufriedenheit hängt von der Branche ab

Trotz verbesserungswürdiger Work-Life-Balance und Mängeln in den Ausbildungsplänen ist die große Mehrheit der befragten Azubis mit ihrer Ausbildung zufrieden. Wie zufrieden die jungen Leute sind, hängt aber den Umfrageergebnissen zufolge maßgeblich von ihrer Branche ab: Überdurchschnittlich schlecht bewerteten demnach Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk, Köche, Hotelfachleute, Maler, Lackierer sowie Zahnmedizinische Fachangestellte ihre Ausbildung.

So gaben etwa knapp 59 Prozent der Hotelfachleute und 57 Prozent der Köche an, regelmäßig Überstunden leisten zu müssen.

Die stellvertretende DGB-Chefin Elke Hannack sagte, die Vermutung liege nahe, dass junge Leute diese Berufe bewusst meiden. Besonders zufrieden sind der Umfrage zufolge - wie auch in den Vorgänger-Reports - hingegen Bankkaufleute, Mechatroniker, Zerspanungs- oder Industriemechaniker und Elektroniker mit ihrer Ausbildung.

Ausländische Azubis arbeiten oft nicht im Wunschberuf

Einen Schwerpunkt legt die Studie auf die Situation der Azubis mit ausländischen Wurzeln. Mehr als jeder Fünfte gab an, in der Ausbildung bereits Diskriminierungen etwa aufgrund der Hautfarbe erfahren zu haben. Bei jedem achten passiere dies regelmäßig.

Junge Leute mit Migrationshintergrund hätten zudem überdurchschnittlich oft Ausbildungsplätze jenseits ihres Wunschberufs.

"Bei Verstößen die Ausbildungsberechtigung entziehen"

Der Vize-Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Achim Dercks, stellte die positiven Aspekte heraus, die die Umfrage zu Tage gefördert hat. "Der DGB-Report zeigt, dass ein Großteil der befragten Azubis mit der Qualität ihrer Ausbildung zufrieden oder sehr zufrieden ist," so der DIHK-Vize.

Gäbe es Konflikte, solle Jugendlichen und Unternehmen verstärkt geholfen werden. Dazu werde nun ein neues, unkompliziertes Beschwerdemanagement erprobt. "Bei besonders groben Verstößen greifen die Industrie- und Handelskammern schon jetzt ein und können die Ausbildungsberechtigung entziehen", sagte Dercks.

Mehr dazu, wie Personaler die Berufsausbildung attraktiver gestalten können, lesen Sie in Ausgabe 08/2015 des Personalmagazins.

Darin erfahren Sie unter anderem

  • wie das Handwerk versucht, sein Image mit einer großangelegten Employer-Branding-Kampagne zu verbessern
  • wie der Bildungsdienstleister Provadis gemeinsam mit der Ludwig-Maximilians-Universität München ein eignungsdiagnostisches Modell entwickelt hat, das helfen soll, Azubis zu identifizieren, die unterdurchschnittliche Werte in kognitiven Tests mit der passenden Persönlichkeit wettmachen
  • wie zeitgemäße Entwicklungsformate wie Augmented-Reality-Learning das eigenständige Lernen von Azubis fördern können.

Hier können Sie diese Ausgabe als App herunterladen.

dpa/Haufe Online Redaktion

Berufsausbildung, Work-Life-Balance, Mitarbeiterzufriedenheit

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