Der öffentliche Dienst ist attraktiver als gedacht
Vater Staat rangiert vorne auf der Liste der beliebtesten Branchen für den künftigen Berufsweg, die die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young) nach einer deutschlandweit unter 4.300 Studenten erstellt hat. Die weiteren Plätze auf der Beliebtheitsskala der Branchen liegen aber dicht beieinander: In die Wissenschaft wollen 19 Prozent, zu Kultureinrichtungen 17 Prozent, die freie Wirtschaft folgt mit der Prüfungs- und Beratungsbranche bei 15 Prozent, die Automobilindustrie mit 14 Prozent und schließlich die IT-Branche mit zwölf Prozent.
Die Reihenfolge ändert sich etwas in der Auswertung der Wünsche von weiblichen und männlichen Studenten: Frauen intressieren sich stärker für den Kulturbereich (24 Prozent) und das Gesundheitswesen beziehungsweise die Pharmabranche (21 Prozent. Männer setzen mehr auf die Automobilindustrie (20 Prozent) und den Bereich Prüfung und Beratung (18 Prozent).
Insgesamt will knapp ein Drittel der Studenten auf keinen Fall in die Privatwirtschaft. Denen stehen 47 Prozent gegenüber, die auf jeden Fall in einem Privatunternehmen Fuß fassen wollen. 21 Prozent können sich für beide Berufsperspektiven erwärmen.
Jobsicherheit ist Studenten sehr wichtig
Die Bevorzugung des öffentlichen Diensts überraschte auch die Studienautoren. „Manche Studenten haben offensichtlich eine gewisse Scheu vor der freien Wirtschaft – sie stellen sich einen Job in der Privatwirtschaft wohl als extrem zeitaufwendig, unsicher und mit privaten Belangen schwer vereinbar vor“, erklärt Ana-Cristina Grohnert, Managing Partner bei EY.
Ein weiterer Grund für die Beliebtheit des öffentlichen Diensts könnte der Wunsch der Studenten nach einem sicheren Job sein. Als wichtigste Kriterien bei der Wahl ihres künftigen Arbeitgebers nennen 61 Prozent der Befragten die Jobsicherheit – besonders wichtig ist dies für Frauen (66 Prozent). Auf den Sicherheitsaspekt folgt ein gutes Gehalt (59 Prozent) und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf (57 Prozent). Andere Kriterien wie Karrierechancen (34 Prozent) oder die Möglichkeit zu selbständigem Arbeiten (31 Prozent) nennen Studenten deutlich seltener.
Finanzsektor ist unbeliebt
Während der öffentliche Dienst die Rangliste anführt, liegt der Finanzsektor ganz am Ende. Lediglich sechs beziehungsweise drei Prozent der Befragten bewerten diese Branchen als besonders interessant für ihren Berufsweg.
Dieses Ergebnis spiegelt sich auch in der europaweiten Absolventenbefragung zu den attraktivsten Arbeitgebern des Trendence Institut wieder: Vor drei Jahren wollte danach noch knapp jeder dritte Wirtschaftswissenschaftler in die Branche, heute ist es nur noch rund jeder fünfte. „Die Negativmeldungen aus dem Bankensektor halten an: Stellenabbau und staatliche Auflagen hinterlassen bei den Absolventen Fragen nach Jobsicherheit und Work Life Balance in den Unternehmen“, so Trendence-Geschäftsführer Holger Koch. Unter den zehn größten Verlierern des Jahres befinden sich sieben Banken, stellt das Unternehmen nach der Befragung von 300.000 abschlussnahen Studierenden in 24 Ländern Europas fest.
In diesem „Graduate Barometer“ dominieren ansonsten weiterhin die Automobilbauer die ersten Plätze – gleich nach Google: Allen voran Volkswagen und BMW werden europaweit immer beliebter.
Gehaltserwartungen in Finanzbranche am größten
Was die Gehaltserwartungen angeht liegen die deutschen Absolventen über den Erwartungen ihrer europäischen Kommilitonen: Deutsche Wirtschaftsabsolventen fordern 44.000 Euro, Ingenieurs- und IT-Absolventen 46.000 Euro Jahresgehalt. Europaweit liegt der Schnitt unter den Wirtschaftsabsolventen bei 27.600 Euro brutto pro Jahr und bei den Ingenieure und IT-Profis bei 28.100 Euro pro Jahr.
In der Umfrage von EY erwarten die Studenten ein durchschnittliches Einstiegsgehalt von 35.100 Euro. Über dem Durchschnitt liegen die Erwartugenen bei Studenten, die in eine Bank gehen wollen 42.700 Euro im Jahr) sowie im Maschinenbau (41.800 Euro), bei Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen (41.600 Euro) und bei den Versicherern (40.600 Euro). Das Schlusslicht bilden Kultureinrichtungen – von Arbeitgebern in diesem Bereich erwarten die Studenten lediglich ein Einstiegsgehalt von 26.300 Euro im Jahr.
-
Workation und Homeoffice im Ausland: Was Arbeitgeber wissen müssen
382
-
Acht rettende Sätze für schwierige Gesprächssituationen
232
-
Essenszuschuss als steuerfreier Benefit
222
-
BEM ist Pflicht des Arbeitgebers
172
-
Mitarbeiterfluktuation managen
1404
-
Das sind die 25 größten Anbieter für HR-Software
136
-
Pflicht zur psychischen Gefährdungsbeurteilung
129
-
Probezeitgespräche als Feedbackquelle für den Onboarding-Prozess
115
-
Der große NLP-Bluff Teil I: Wie alles begann
1078
-
Warum Offboarding an Bedeutung gewinnt
94
-
Bei sozialer Nachhaltigkeit erreicht Deutschland kein einziges Ziel
10.06.2026
-
Führung – der blinde Fleck der Transformation
10.06.2026
-
Mitarbeiterbefragungen als Steuerungsinstrument
10.06.2026
-
Warum Transformation ohne Daten scheitert
10.06.2026
-
Das "Great Flattening" greift um sich
10.06.2026
-
Erwartungen im HR-Softwaremarkt sind gedämpft
09.06.2026
-
Warum Sportler wie auch Unternehmen einen Testlauf brauchen
09.06.2026
-
Das sind die HR-Influencer 2026
09.06.2026
-
Sorgenkind duale Berufsausbildung
08.06.2026
-
Fußball-WM könnte Arbeitgeber weltweit 14,5 Milliarden Euro kosten
05.06.2026