05.04.2017 | Krankheitskosten

Wann sind Krankheitskosten als Werbungskosten abzugsfähig?

Wann sind Krankheitskosten als Werbungskosten abzugsfähig?
Bild: Haufe Online Redaktion

Es ist wohl allgemein bekannt, dass Krankheitskosten im Rahmen der privaten Einkommen­steuererklärung grundsätzlich als außergewöhnliche Belastung steuerlich geltend gemacht werden können. Allerdings ist dabei die sich am Einkommen orientierende zumutbare Belastung "gegenzurechnen", so dass die Abzugsmöglichkeit dann oft ins Leere geht. In bestimmten Fällen ist aber auch der Abzug der Krankheitskosten als Werbungskosten möglich, was generell vorteilhafter ist.

Wann sind Krankheitskosten als Werbungskosten abzugsfähig?

Es stellt sich die Frage: Wann sind Krankheitskosten als Werbungskosten abzugsfähig? Bei selbst getragenen Behandlungskosten aufgrund eines anerkannten Arbeitsunfalls im Betrieb oder eines Unfalls auf dem Weg zur Arbeit ist die Antwort grundsätzlich einfach - es handelt sich dabei grundsätzlich um Werbungskosten. Schwieriger kann es sein, wenn es sich um die Frage einer „Berufskrankheit“ handelt. Wesentliche Voraussetzung ist zunächst, dass es sich entweder um eine typische Berufskrankheit handelt oder ein Zusammenhang zwischen Erkrankung und dem Beruf eindeutig feststeht.

"Typische Berufskrankheiten" - Nachweis

In der Praxis ist das nicht immer einfach nachzuweisen, so dass die Zuordnung von Krankheiten, für die man selbst durchaus die berufliche Tätigkeit verantwortlich sieht, leider oft am Nachweis oder an der Eindeutigkeit der Ursache scheitert.

Tipp: Es ist immens wichtig, frühzeitig und vollständig ärztliche Bescheinigungen zu sammeln, um den Zusammenhang zur Krankheit belegen zu können. Denn im Nachhinein lässt sich dies mitunter schwer feststellen. 

Auf Grund des § 9 Abs. 1 und 6 und des § 193 Abs. 8 SGB VII hat die Bundesregierung die Berufskrankheiten-Verordnung (BKV) vom 31.10.1997 (BGBl I 1997, 2623) erlassen. Danach werden die Berufskrankheiten in der Anlage 1 zur BKV aufgeführt. Die Anlage ist in folgende sechs Bereiche gegliedert:

Nr.Krankheiten
1Durch chemische Einwirkungen verursachte Krankheiten
11 Metalle und Metalloide
12 Erstickungsgase
13 Lösemittel, Schädlingsbekämpfungsmittel (Pestizide) und sonstige chemische Stoffe
2

Durch physikalische Einwirkungen verursachte Krankheiten

21 Mechanische Einwirkungen
22 Druckluft
23 Lärm
24 Strahlen
3Durch Infektionserreger oder Parasiten verursachte Krankheiten sowie Tropenkrankheiten
4Erkrankungen der Atemwege und der Lungen, des Rippenfells und Bauchfells
41 Erkrankungen durch anorganische Stäube
42 Erkrankungen durch organische Stäube
43 Obstruktive Atemwegserkrankungen
5Hautkrankheiten
6Krankheiten sonstiger Ursache

Fallbeispiele zur Frage des unmittelbaren Zusammenhangs:

Beispiel: Berufsgeigerin

In 2013 hat der BFH den Fall einer Berufsgeigerin behandelt, die Aufwendungen für die Krankengymnastik als Werbungskosten geltend machen wollte. Obwohl man durchaus einen Zusammenhang zwischen Beruf und körperlicher Beeinträchtigung sehen kann, hat der BFH den Fall an das Finanzgericht zurückverwiesen, um notfalls durch einen Sachverständigen prüfen zu lassen, ob die Krankheit beruflich veranlasst ist (Urteil vom 11.07.2013, VI R 37/12).

Beispiel: Burn-Out

In 2015 hat der BFH Kosten in Folge psychische bzw. psychosomatische Erkrankung („Burn out“) eines Arbeitnehmers, der bei Beförderungen übergangen wurde, nicht als beruflich veranlasst angesehen (Urteil vom 09.11.2015, VI R 36/13).

Beispiel: Außergewöhnliche Belastung vs. Werbungskosten

Das folgende Beispiel soll in einfacher Form zeigen, wie sich die unterschiedliche Wirkung des Abzuges als außergewöhnliche Belastung einerseits und als Werbungskosten andererseits darstellt. Die Jahresvergütung für einen kinderlosen Steuerpflichtigen soll 60.000 €, die außergewöhnliche Belastung 5.000 € betragen. Der Einfachheit halber sind die Sonderausgaben in Höhe der Pauschale berücksichtigt.

Im Fall des Ansatzes als außergewöhnlichen Belastung beträgt die zumutbare Eigen­belastung nach § 33 EStG 7% von 59.000 € = 4.130 €, sodass von den Aufwendungen in Höhe von 5.000 € nur 870 € steuerlich wirksam werden.

Abzug als außergewöhnliche BelastungAbzug als Werbungskosten
Arbeitslohn60.000 EUR60.000 EUR
abzgl. Werbungskosten- 1.000 EUR- 5.000 EUR
= Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit59.000 EUR55.000 EUR
= Summe der Einkünfte59.000 EUR55.000 EUR
abzüglich Sonderausgaben- 36,00 EUR- 36,00 EUR
abzüglich außergewöhnliche Belastung- 870,00 EUR0,00 EUR
= zu versteuerndes Einkommen58.094 EUR54.964 EUR
Einkommensteuer 201616.005 EUR14.690 EUR
SolZ880,27 EUR807,95 EUR
16.885,27 EUR15.497,95 EUR
Vorteil des Werbungskostenabzugs1.387,32 EUR

Damit ist die Vorteilhaftigkeit des Werbungskostenabzuges gegenüber einem Ansatz als außergewöhnliche Belastung zweifelsfrei aufgezeigt.

Schlagworte zum Thema:  Krankheitskosten, Werbungskosten, Außergewöhnliche Belastung

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