| Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde

Europäische Enforcement Schwerpunkte veröffentlicht

Neben den gewählten Themen sollen die nationalen Enforcement-Stellen auch die letztjährigen Schwerpunkte berücksichtigen.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die ESMA hat die gemeinsamen Prüfungsschwerpunkte für 2015 veröffentlicht, an denen sich auch der deutsche Enforcer (DPR) orientieren muss.

Die europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) hat Ende Oktober 2015 ihre Prüfungsschwerpunkte (European common enforcement priorities for 2015 financial statements) betreffend die Überprüfung der (Konzern-)Jahresabschlüsse 2015 veröffentlicht.

Europaweit geltende Schwerpunkte

Die veröffentlichten Schwerpunkte der ESMA sind auch von den nationalen Enforcern innerhalb der EU, in Deutschland somit der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR), zu beachten. Folgende Schwerpunkte gelten europaweit:

  • Impact of the financial markets conditions on the financial statements: Überprüft werden insbesondere Auswirkungen des Niedrigzinsumfelds in Europa, wie z. B. schwankende Wechselkurse, Länderrisiken und Kapitaltransferrestriktionen auf die wesentlichen Annahmen und Schätzungen sowie deren (angemessene) Offenlegung im Anhang. Anwendungsgebiete sind z. B. der Werthaltigkeitstest nach IAS 36, die Bewertung langfristiger Rückstellungen nach IAS 37, aber insbesondere auch die Bewertung von Pensionsrückstellungen nach IAS 19.
  • Statement of cash flows and related disclosures: Hauptprüffeld ist die Konsistenz der Klassifizierung von Zuordnungen innerhalb der Kapitalflussrechnung zu der Darstellung im Anhang. So sind, z. B., cash flows im Zusammenhang mit der Kontrollerlangung bzw. dem Kontrollverlust über ein Tochterunternehmen als cash flow aus der Investitionstätigkeit zu zeigen (IAS 7.39). Weiterhin soll die Darstellung der Auswirkung von sog. Reverse-Factoring Vereinbarungen geprüft werden.
  • Fair value measurement and related disclosures: Geprüft wird die Offenlegung von Prämissen und Inputparametern bei der Bemessung des fair value bei nicht-finanziellen Posten. Betroffen sind somit u. a. Anhangangaben zur Bewertung von Vermögenswerten und Schulden nach IFRS 3, IAS 40 und IFRS 5.  Insbesondere die Angabe der Bewertungsmethoden bzgl. der Einordnung in die fair value-Hierachie nach IFRS 13, hier Level 2 und Level 3, stehen im Fokus.

Neben den gewählten Themen sollen die nationalen Enforcement-Stellen auch die letztjährigen Schwerpunkte berücksichtigen sowie die Anwendung neuer und/oder geänderter IFRS, insbesondere auch der Fortschritt der Implementierung von IFRS 15 und IFRS 9 überprüfen. Speziell für Kreditinstitute wird der Stand der Umsetzung von IFRS 9 in den kommenden Abschlüssen verfolgt werden. Für 2015 werden wohl nur qualitative Angaben erforderlich sein. Offen ist jedoch, ob dann in 2016 bereits quantitative Angaben erwartet werden.

Praxistipp: Veröffentlichte Prüfungsschwerpunkte auf eigene Relevanz überprüfen

Die veröffentlichten Prüfungsschwerpunkte sollten von Unternehmen auf ihre Relevanz hin überprüft werden. Jedoch ist auch zu erwähnen, dass eine DPR jeden Abschluss individuell überprüfen wird und somit eine Prüfung nicht auf die von der ESMA vorgegeben Schwerpunkte begrenzt ist, sondern unternehmensindividuell ausgestaltet wird.

Quelle:

ESMA: Press release - ESMA sets enforcement priorities for listed companies’ 2015 financial statements

Schlagworte zum Thema:  ESMA

Aktuell

Meistgelesen