18.08.2016 | Nanomaterialien

Besondere Gefährdung am Arbeitsplatz?

Nanomaterial - kleine Struktur, große Wirkung
Bild: MEV-Verlag, Germany

Nanomaterialien werden ständig weiterentwickelt und in immer mehr Produkten eingesetzt. Welche Gefährdungen ergeben sich dabei für Beschäftigte, welche Regelungen gibt es und wie lassen sich Gefahren minimieren?

Nanomaterialien haben spezielle Eigenschaften, die in den Vorschriften für Chemikalien bisher zu wenig berücksichtigt werden. Das Umweltbundesamt (UBA) hält es deshalb für notwendig, die Regelungen anzupassen. Nur dann könnten geeignete Maßnahmen getroffen werden, um Risiken zu minimieren. Doch auch heute schon müssen Unternehmen, die mit Nanomaterialien umgehen, ihre Mitarbeiter schützen.

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Was sind überhaupt Nanomaterialien und was macht sie gefährlich?

Nanomaterialien entalten zu mindestens 50 % Partikel im Größenbereich von 1 nm bis 100 nm (Empfehlung einer Definition der EU-Kommission, 2011) .

Relevant für eine Risikobewertung von Nanomaterialien sind neben der chemischen Zusammensetzung z. B. die Größe, Form und Oberflächeneigenschaft. Daraus und aus weiteren Eigenschaften ergeben sich ihre besonderen Gefährdungen:

  • Löslichkeit und sonstige physikalische und chemische Eigenschaften,
  • Biobeständigkeit/Abbaubarkeit,
  • toxikolgische Eigenschaften,
  • u. a.

"Aus Sicht des Arbeitsschutzes verlangen vor allem Nanostäube besondere Aufmerksamkeit". Denn diese können eingeatmet werden. "Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass mit abnehmender Teilchengröße die gesundheitliche Wirkung steigt." (DGUV 2011) Doch Nanomaterialien gelangen auch über die Haut oder durch Verschlucken in den Körper.

Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Nanomaterialien

Die DGUV empfiehlt auch beim Umgang mit Nanomaterialien nach dem STOP-Prinzip vorzugehen. "Vorrangiges Ziel ist es, die Exposition gegenüber Nanomaterialien so zu minimieren, dass der Mensch nicht mit Nanoteilchen in Kontakt kommen kann:

  • Substitution (Pulver durch Pasten, Granulate etc. ersetzen, Sprühanwendungen durch Streich- und Tauchverfahren ersetzen),
  • Technische Maßnahmen (geschlossene Anlagen, Absaugung),
  • Organisatorische Maßnahmen (Minimierung der Expositionszeiten, der Exponierten und Beschränkung des Zuganges, Betriebsanweisungen),
  • Persönliche Schutzmaßnahmen (Schutzmasken, -kleidung, Hygienemaßnahme)"

(aus DGUV 2011: Fragen und Antworten zum Umgang mit Nanomaterialien am Arbeitsplatz).

Umweltbundesamt fordert besondere Regelungen zum Umgang mit Nanomaterialen

Bisher gab es keine Anpassung der chemikalienrechtlichen Regelungen an die besonderen Gefährdungen von Nanomaterialien, nicht einmal eine einheitliche Definition für Nanomaterialien. Es kommt daher nach wie vor zu Rechtsunsicherheiten und Widersprüchen.

Das UBA fordert, dass die EU-Regelung für Chemikalien (REACH), die Verordnungen zu Biozid- und Pflanzenschutzmitteln sowie die Richtlinien für Tier- und Humanarzneimitteln u. a. für Stoffe im Größenbereich von 1-100 nm erweitert und angepasst werden. Es plädiert auch für ein europäisches Register für nanomaterialhaltige Produkte.

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Schlagworte zum Thema:  Nanomaterialien, Nanotechnologie, Nanopartikel

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