Psychische Belastung resultiert aus vielen Aspekten einer beruflichen Tätigkeit. Wesentliche Merkmale arbeitsbedingter psychischer Belastung sowie mögliche kritische Ausprägungen haben BMAS[1] und Sozialpartner in ihrer gemeinsamen Erklärung zur psychischen Gesundheit in der Arbeitswelt 2013 veröffentlicht.

Abbildung kann aus Gründen des Urheberrechts nicht dargestellt werden.

Abb. 22

Psychische Belastung

Die tätigkeitsbezogene, objektive Erfassung relevanter psychischer Belastungsfaktoren ist Teil der Gefährdungsbeurteilung. Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung müssen psychisch relevante Einwirkungen aus Arbeitsinhalt/Arbeitsaufgabe, Arbeitsorganisation, Arbeitsumgebung und sozialen Beziehungen systematisch ermittelt und analysiert werden.

Rechtliche Grundlagen

 

Weitere Informationen
  • Informationen der DGUV zur Psychischen Belastung unter www.dguv.de (Webcode: d5373)
  • Informationen der BGHM "Psychische Belastung und Beanspruchung" unter www.bghm.de (Webcode 234)

 

Gefährdungen

Arbeitsbedingte psychische Belastung[2]resultiert aus unterschiedlichen Aspekten, die im Rahmen der Arbeitstätigkeit auf die Beschäftigten einwirken. Sie wirkt sich individuell auf die Person aus und kann ihn oder sie positiv (zum Beispiel aktivieren, herausfordern) oder negativ beanspruchen (zum Beispiel Stress verursachen). Eine tätigkeitsbezogene, objektive, nicht personenbezogene, Analyse, Bewertung und wirksame Gestaltung relevanter psychischer Belastungsfaktoren ist ein verbindlicher Teil der Gefährdungsbeurteilung.

Merkmalsbereiche und Belastungsfaktoren

Wesentliche Merkmale arbeitsbedingter psychischer Belastung sowie deren mögliche kritische Ausprägungen, die systematisch analysiert und bewertet werden müssen, können u. a. sein:

Tabelle 2 Merkmalsbereiche und Inhalte der Gefährdungsbeurteilung für psychische Belastung

1. Merkmalsbereich:

Arbeitsinhalt/Arbeitsaufgabe
Mögliche kritische Ausprägung
1.1 Vollständigkeit der Aufgabe

Tätigkeit enthält:

  • nur vorbereitende oder
  • nur ausführende oder
  • nur kontrollierende Handlungen
1.2 Handlungsspielraum

Der/die Beschäftigte(n) hat/haben keinen Einfluss auf:

  • Arbeitsinhalt
  • Arbeitspensum
  • Arbeitsmethoden/-verfahren
  • Reihenfolge der Tätigkeiten
1.3

Variabilität

(Abwechslungsreichtum)

Einseitige Anforderungen:

  • wenige, ähnliche Arbeitsgegenstände und
  • Arbeitsmittel
  • häufige Wiederholung gleichartiger
  • Handlungen in kurzen Takten
1.4 Information/Informationsangebot
  • zu umfangreich (Reizüberflutung)
  • zu gering (lange Zeiten ohne neue Information)
  • ungünstig dargeboten
  • lückenhaft (wichtige Informationen fehlen)
1.5 Verantwortung
  • unklare Kompetenzen und Verantwortlichkeiten
1.6 Qualifikation
  • Tätigkeiten entsprechen nicht der Qualifikation der Beschäftigten (Über-/Unterforderung)
  • unzureichende Einweisung/Einarbeitung in die Tätigkeit
1.7 Emotionale Inanspruchnahme
  • durch das Erleben emotional stark berührender Ereignisse (z. B. Umgang mit schwerer Krankheit, Unfällen, Tod)
  • durch das ständige Eingehen auf die Bedürfnisse anderer Menschen (z. B. auf Kunden, Patienten, Schüler)
  • durch permanentes Zeigen geforderter Emotionen unabhängig von eigenen Empfindungen
  • Bedrohung durch Gewalt durch andere Personen (z. B. Kunden, Patienten)

2. Merkmalsbereich:

Arbeitsorganisation
Mögliche kritische Ausprägung
2.1 Arbeitszeit
  • wechselnde oder lange Arbeitszeit
  • ungünstig gestaltete Schichtarbeit, häufige Nachtarbeit
  • umfangreiche Überstunden
  • unzureichendes Pausenregime
  • Arbeit auf Abruf
2.2 Arbeitsablauf
  • Zeitdruck/hohe Arbeitsintensität
  • häufige Störungen/Unterbrechungen
  • hohe Taktbindung
2.3 Kommunikation/Kooperation
  • isolierter Einzelarbeitsplatz
  • Vorgesetzte, Kolleginnen und Kollegen sehen keine Möglichkeit zu unterstützen
  • keine klar definierten Verantwortungsbereiche

3. Merkmalsbereich:

Soziale Beziehungen
Mögliche kritische Ausprägung
3.1 Kollegen/Kolleginnen
  • zu geringe/zu hohe Zahl sozialer Kontakte
  • häufige Streitigkeiten und Konflikte
  • Art der Konflikte: Soziale Drucksituationen
  • fehlende soziale Unterstützung
3.2 Vorgesetzte
  • keine Qualifizierung der Führungskräfte
  • fehlendes Feedback, fehlende Anerkennung für erbrachte Leistungen
  • fehlende Führung, fehlende Unterstützung im Bedarfsfall

4. Merkmalsbereich:

Arbeitsumgebung
Beispiele für negative Wirkungen
4.1 Physikalische und chemische Faktoren
  • Lärm
  • unzureichende Beleuchtung
  • Gefahrstoffe
4.2 Physische Faktoren
  • ungünstige ergonomische Gestaltung
  • schwere körperliche Arbeit
4.3 Arbeitsplatz- und Informationsgestaltung
  • ungünstige Arbeitsräume, räumliche Enge
  • unzureichende Gestaltung von Signalen und Hinweisen
4.4 Arbeitsmittel
  • fehlendes oder ungeeignetes Werkzeug bzw. Arbeitsmittel
  • ungünstige Bedienung oder Einrichtung vo...

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