Auf dem Weg zur emissionsarmen Logistik: Eine Bestandsaufnahme aus Sicht von Amazon
Der globale E-Commerce Sektor wächst stetig – doch mit jedem neuen Paket wächst auch der Druck, Lieferketten klimafreundlicher zu gestalten. Schätzungen zufolge ist die Warenlogistik für mindestens 7 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen verantwortlich. Damit zählt sie zu den relevanten Hebeln der Klimawende. Zwischen steigender Nachfrage und ökologischer Verantwortung steht die Logistikbranche vor einer ihrer zentralen Herausforderungen: Wie lässt sich Wachstum mit Nachhaltigkeit vereinen, ohne Effizienz und Zuverlässigkeit zu vernachlässigen?
Die gute Nachricht: Der Wandel ist technisch machbar – und wurde entlang aller drei Abschnitte der Lieferkette bereits angetreten. Die Dekarbonisierung der ersten, mittleren und letzten Meile sind längst keine theoretischen Konzepte mehr, sondern konkrete Handlungsfelder mit messbaren Fortschritten. Wer sie konsequent vernetzt, schafft die Grundlage für ein emissionsarmes Logistiknetzwerk der Zukunft.
Erste Meile: Effizienz und Emissionsreduktion von Anfang an
Die erste Meile ist der Auftakt jeder logistischen Reise – hier beginnt der Weg der Ware vom Hersteller oder Lieferanten zum ersten Logistikzentrum. Produkte werden zusammengestellt, verpackt, etikettiert und dokumentiert. Viele Unternehmen – darunter auch Amazon – treiben die Dekarbonisierung in diesem Bereich voran, ohne Effizienz oder Zuverlässigkeit zu gefährden. Entscheidend sind vor allem:
- Kluge Routen- und Verkehrsträgerwahl: Wo immer möglich, werden Bahn und Seeverkehr gegenüber der Luftfracht bevorzugt, da sie im Schnitt deutlich geringere Emissionen verursachen. Auch der straßengebundene Verkehr kann durch Elektrifizierung zunehmend klimafreundlich gestaltet werden.
- Intermodale Logistiklösungen: Die Kombination verschiedener emissionsarmer Transportmittel schafft Flexibilität und senkt die CO₂-Emissionen.
- Ressourcenschonende Verpackung: Optimierte Palettierung und Verpackung spart Platz, Material und Emissionen.
Zusätzlich wächst die Zahl der branchenübergreifenden Initiativen, die gezielt an der Dekarbonisierung der ersten Meile arbeiten. So verpflichten sich Unternehmen in Allianzen wie der First Movers Coalition zur Beschaffung emissionsfreier Schiffe oder zur Zusammenarbeit mit Lieferanten, die CO₂-optimierte Produktions- und Verpackungsprozesse verfolgen.
Überall dort, wo Elektrifizierung noch nicht möglich ist – etwa in der Luft- und Seefracht – rücken alternative Kraftstoffe in den Fokus: nachhaltigeres Kerosin (SAF), erneuerbarer Diesel aus Altfetten und -ölen sowie Wasserstoff gelten als sinnvolle Ergänzungen zur Elektromobilität. Noch sind sie teuer und begrenzt verfügbar. Um ihre Skalierung voranzutreiben, investieren Unternehmen gezielt und setzen auf internationale Kooperationen.
So entsteht eine erste Meile, die nicht nur effizient, sondern zunehmend auch nachhaltiger gestaltet ist – technologisch, logistisch und durch Partnerschaften über Unternehmensgrenzen hinweg. Ein Beispiel ist die „Zero Emission Maritime Buyers Alliance“ ( ZEMBA), in der sich führende Logistiker zusammenschließen, um die Investitionen in den emissionsarmen Schiffstransport zu bündeln und zu skalieren.
Mittlere Meile: Neue Technologien für die Verbindungsstrecke
Die mittlere Meile verbindet regionale Verteilzentren mit urbanen Hubs – und ist aufgrund hoher Volumina und Distanzen besonders emissionsintensiv. Das ändert sich mit dem verstärkten Einsatz von Elektro-Lkw. Vor diesem Hintergrund war es ein logischer Schritt, die Investitionen in die Elektrifizierung des Transportnetzwerks deutlich auszuweiten. Mit mehr als 200 neuen E-Lkw auf Europas Straßen lassen sich über 100 Millionen Pakete pro Jahr transportieren.
Voraussetzung für den Betrieb solcher Fahrzeuge ist eine geeignete Ladeinfrastruktur. An zahlreichen Logistikstandorten von Amazon in Europa entstehen derzeit Schnellladestationen, die es ermöglichen, schwere E-Lkw in etwas über einer Stunde von 20 auf 80 Prozent aufzuladen. Gleichzeitig kommen KI-basierte Systeme zum Einsatz, die Routen dynamisch planen, Leerfahrten vermeiden und den Energieverbrauch senken.
Der Wandel erfordert jedoch Zusammenarbeit. Die öffentliche Ladeinfrastruktur ist vielerorts noch lückenhaft und zusätzlich erschwert der aktuell hohe Strompreis an öffentlichen Ladesäulen den wirtschaftlichen Betrieb elektrischer Flotten. Um Fortschritte zu beschleunigen, braucht es koordinierte Anstrengungen von Logistik, Energieversorgung und Politik.
Letzte Meile: Wo Dekarbonisierung bereits Realität ist
Die letzte Meile – die Zustellung an den Endkunden – ist der sichtbarste Teil der Lieferkette und zentral für die Reduktion urbaner Emissionen. Obwohl sie meist nur wenige Kilometer umfasst, verursacht sie in Städten rund 30 Prozent der logistikbezogenen CO₂-Emissionen. Und ihr Anteil wächst: Prognosen zufolge wird die Zahl der Last-Mile-Lieferungen bis 2030 weltweit um 78 Prozent steigen.
In vielen Städten wurden bereits konkrete Fortschritte erzielt: Elektrische Lieferfahrzeuge, E-Mopeds, Lastenräder und Zustellungen zu Fuß ersetzen zunehmend konventionelle Transportmittel. Eine Schlüsselrolle spielen dabei Mikromobilitätszentren – kompakte Verteilstationen in Innenstädten, die per E-Lieferwagen beliefert werden. Von dort aus erfolgt die emissionsfreie Feinverteilung auf kurzen Strecken. Im Jahr 2024 haben Amazons Lieferpartner mehr als 60 Millionen Pakete in Deutschland mithilfe von elektrischen Lieferwägen, E-Lastenrädern, E-Mopeds und Handkarren ausgeliefert.
Auch hier wird KI eingesetzt, um Touren zu optimieren, Stoßzeiten zu umgehen und Zustellungen besser mit Kundenverhalten abzugleichen. So lassen sich Emissionen weiter senken, beispielsweise durch gebündelte Lieferungen oder smarte Paketstationen.
Gerade auf der letzten Meile hat der Online-Handel einen Vorteil: Eine Studie von Oliver Wyman und Logistic Advisory Experts (LAE) im Auftrag von Amazon zeigt, dass der E-Commerce – inklusive Retouren – 1,5 bis 2,9 Mal weniger CO₂-Emissionen verursacht als der stationäre Handel. Zudem spare der Online-Handel das Vier- bis Neunfache des von ihm verursachten Verkehrs ein. Die Studie kommt zu dem Schluss: Zustellungen an Endkunden machen nur 0,5 Prozent des innerstädtischen Verkehrsaufkommens aus – weit weniger, als häufig angenommen.
Gemeinsame Verantwortung für die Transformation
Die Dekarbonisierung der gesamten Lieferkette gelingt nur als Gemeinschaftsaufgabe. Regulierung, Planungssicherheit und politische Anreize sind ebenso notwendig wie der Mut und die Bereitschaft der Industrie, neue Wege zu gehen. Als Mitgründer des Climate Pledge – einer Klimainitiative, in der sich mittlerweile über 550 Unternehmen aus mehr als 45 Ländern zusammengeschlossen haben – verfolgt Amazon das Ziel, bis 2040 in allen Geschäftsbereichen CO₂-neutral zu arbeiten.
Die Kombination aus Erste-Meile-Initiativen, E-Lkw in der mittleren Meile, Mikromobilitätszentren auf der letzten Meile, KI-gestützter Routenoptimierung und Infrastrukturausbau zeigt: Die Dekarbonisierung ist nicht nur möglich – sie hat längst begonnen. Entscheidend ist jetzt das Tempo und vor allem das Zusammenspiel aller Beteiligten.
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