Nachhaltigkeits­berichterstattung

Mittelstand: Mehrheit berichtet freiwillig über Nachhaltigkeitsaspekte


Studie freiwillige Nachhaltigkeits­berichterstattung

Eine aktuelle Studie zeigt, wie der deutsche Mittelstand Nachhaltigkeitsstrategien umsetzt und welche Chancen sowie Herausforderungen sich dabei ergeben. Besonders bemerkenswert: 62 Prozent der Unternehmen setzen auf freiwillige Berichterstattung – auch ohne gesetzliche Verpflichtung.

Nachhaltigkeit ist für den deutschen Mittelstand längst mehr als ein Trend: Laut der Studie „ESG und Nachhaltigkeit im Mittelstand 2025“ von Grant Thornton in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut YouGov betrachten 93 Prozent der befragten Unternehmen das Thema als essenziell oder wichtig. Effizienzgewinne (65 Prozent), die Bindung von Kund:innen (54 Prozent) und eine gestärkte Reputation (54 Prozent) gehören zu den zentralen Motivatoren für nachhaltiges Handeln.

„Der Mittelstand hat die strategische Bedeutung von ESG im Unternehmen erkannt – und treibt diese aktiv voran: 62 Prozent der Mittelständler stellen eine freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung, etwa nach VSME oder GRI, auf, auch wenn sie nach den Omnibus-Vorschlägen nicht mehr dazu verpflichtet sein sollten“, so Marc A. Sahner, Vorstandsmitglied bei Grant Thornton in Deutschland.

Vom Mindeststandard zum Vorreiter

Derzeit sehen sich rund ein Drittel der Unternehmen noch im sogenannten „Base Case“, bei dem sie regulatorische Anforderungen mit minimalem Aufwand erfüllen. Doch die Ambitionen wachsen: Fast ein Viertel plant, in den nächsten fünf Jahren zu „Front Runnern“ zu avancieren, die über gesetzliche Vorgaben hinaus eigene Maßstäbe setzen. Sahner betont die strategischen Vorteile einer freiwilligen Berichterstattung insbesondere für Transparenz und Glaubwürdigkeit am Markt.

Knapp die Hälfte der befragten mittelständischen Unternehmen hat ESG-Themen bereits auf C-Level-Ebene angesiedelt: In 48 Prozent liegt die Verantwortung direkt beim CEO, während weitere 38 Prozent einen Chief Sustainability Officer einsetzen. Trotz dieser Fortschritte fehlt es jedoch vielen Betrieben an interner Expertise; 36 Prozent beklagen einen Mangel an Fachkräften.

Komplexität bleibt größte Hürde

Zu hohe Komplexität bei ESG-Kriterien (44 Prozent) sowie unklare regulatorische Vorgaben (39 Prozent) zählen laut Studie zu den größten Hindernissen bei der Umsetzung von ESG-Projekten. Dr. Claudia Schrimpf-Dörges von Grant Thornton sieht hier externe Beratung als wichtigen Hebel, um interne Kapazitäten gezielt zu stärken und langfristig Risiken vorzubeugen.

Während steigende Kosten durch Energiepreise oder Regulierungsaufwand häufig genannte Risiken sind, bietet ESG zahlreiche Chancen: Ein Drittel der Befragten nennt Kosteneinsparungen, Reputationsgewinne oder eine stärkere Markenbekanntheit als positive Aspekte nachhaltiger Strategien.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Nachhaltigkeit nicht nur eine Herausforderung darstellt, sondern auch erhebliche Potenziale birgt – vorausgesetzt, Unternehmen investieren gezielt in Expertise und zukunftsorientiertes Management.


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