US-Aufsichtsbehörde SEC verlässt ISSB-Arbeitsgruppen
Die US-Börsenaufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission (SEC) hat ihre Mitgliedschaft in der IFRS Sustainability Jurisdictional Working Group beendet. Dieser Arbeitsgruppe gehören bedeutende Akteure an, darunter das chinesische Finanzministerium, die Europäische Kommission, die japanische Financial Services Authority und die britische Financial Conduct Authority. Ziel der Gruppe ist es, Rückmeldungen zur Arbeit des International Sustainability Standards Board (ISSB) zu sammeln und den Dialog zwischen verschiedenen Regionen zu fördern, die eigene Regeln für die Nachhaltigkeitsberichterstattung entwickeln.
Ein Sprecher der IFRS Foundation bestätigte den Rückzug der SEC und fügte hinzu, dass die Behörde auch nicht mehr als Beobachter im Sustainability Standards Advisory Forum vertreten ist.
Ein Signal für reduzierte Ambitionen in den USA?
Der Rückzug der SEC steht in einer Reihe von Maßnahmen, die auf eine veränderte Haltung der USA zur Nachhaltigkeitspolitik hinweisen. Seit der Wiederwahl von Präsident Trump hat die SEC ihre Prioritäten im Bereich ESG überdacht. Jüngst erklärte sie, dass sie die unter der Regierung Biden eingeführten Vorschriften zur Offenlegung von Klimadaten nicht länger gegen rechtliche Anfechtungen verteidigen werde. Laut Kathy Fallon von der NGO Clean Air Task Force ist dies ein klares Signal für eine „Abkehr von der Transparenz der Unternehmen im Umgang mit Klimarisiken“.
Globale Rückschritte bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung
Die USA sind nicht allein mit ihrer Zurückhaltung. Auch in anderen Ländern gibt es Anzeichen für einen Rückgang der Nachhaltigkeitsambitionen:
- Kanada: Die kanadische Kapitalmarktaufsicht hat letzte Woche angekündigt, die Arbeit an verpflichtenden Vorgaben für Klima- und Diversitäts-, Gleichstellungs- und Inklusionsangaben (DEI) einzustellen.
- Indien: Die indische Aufsichtsbehörde SEBI plant, ihre Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung zu überarbeiten, nachdem starker Widerstand aus der Industrie laut wurde.
Auswirkungen auf Nachhaltigkeitsmanager
Für Nachhaltigkeitsmanager in Unternehmen stellt sich die Frage, wie diese Entwicklungen die globale Angleichung von Standards beeinflussen werden. Der Rückzug der SEC könnte die Bemühungen um einheitliche Berichtsstandards erschweren, da die USA als einer der größten Märkte eine Schlüsselrolle einnehmen. Hinzu kommt, dass auch andere Länder die Umsetzung strenger Offenlegungsanforderungen zurückfahren.
Unternehmen müssen sich darauf einstellen, in unterschiedlichen Regionen mit zunehmend divergierenden Anforderungen zu arbeiten. Dies könnte nicht nur die Komplexität der Berichterstattung erhöhen, sondern auch die Vergleichbarkeit von Nachhaltigkeitsdaten erschweren – ein Rückschritt für die Transparenz und das Vertrauen der Stakeholder.
Fazit: Eine Herausforderung für die Harmonisierung
Die globale Nachhaltigkeitsberichterstattung steht an einem Scheideweg. Während die Arbeit des ISSB auf eine Harmonisierung der Standards abzielt, könnte der Rückzug der SEC sowie die Entwicklungen in anderen Ländern diesen Prozess erheblich verlangsamen. Für Unternehmen bedeutet dies, proaktiv zu bleiben, regionale Anforderungen genau zu beobachten und flexibel auf regulatorische Veränderungen zu reagieren.
Nachhaltigkeitsmanager sollten diese Entwicklungen strategisch analysieren und frühzeitig Maßnahmen ergreifen, um möglichen Risiken entgegenzuwirken – sei es durch den Aufbau robuster interner Berichtsprozesse oder durch die Zusammenarbeit mit internationalen Netzwerken, die sich weiterhin für Transparenz und standardisierte Offenlegung einsetzen.
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