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| Praxis-Tipp

Vorauszahlung von privaten Krankenversicherungsbeiträgen als Steuersparmodell

Steuerspareffekte bei Vorauszahlung möglich
Bild: Michael Bamberger

Bereits seit dem 1.1.2010 sind die Beiträge für die Basiskranken- und Pflegeversicherung (nachfolgend nur Beiträge zur Basisabsicherung) in unbegrenzter Höhe als Vorsorgeaufwendungen abziehbar. Außerdem wurde in § 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 4 EStG geregelt, dass Beiträge für künftige Jahre im Zahlungsjahr abziehbar sind, soweit sie das 2,5-fache der für das Zahlungsjahr gezahlten Beiträge nicht übersteigen.

Die sich daraus ergebenden Gestaltungsmöglichkeiten sind vielfältig und wurden auch in der Vergangenheit entsprechend kommentiert und genutzt. Da auch 5 Jahre nach Einführung dieser Regelung das Thema nichts an Aktualität verloren hat, wird nachfolgend nochmals auf die wesentlichen Fakten hingewiesen:

Beihilfeberechtigte und Arbeitnehmer, die einen steuerfreien Zuschuss zur Krankenversicherung erhalten, können seit 2010 maximal 1.900 EUR als Sonderausgaben abziehen. Bei Steuerzahlern, die ihre Krankenversicherung allein bezahlen, erhöht sich der Höchstbetrag auf 2.800 EUR. Werden für die Basisabsicherung mehr als diese Höchstbeträge gezahlt, können die tatsächlichen Ausgaben angesetzt und die Höchstbeträge überschritten werden. Für sonstige Vorsorgeaufwendungen (z. B. Arbeitslosen-, Unfall-, Haftpflicht und bestimmte Lebensversicherungen) gilt dies jedoch nicht.

Das hat zur Folge, dass in den Fällen, in denen bereits die Zahlungen für die Basiskrankenversicherung über den Höchstbeträgen liegen, die sonstigen Vorsorgeaufwendungen steuerlich unberücksichtigt bleiben. Diese nachteilige Folge lässt sich dadurch vermeiden, dass  die Beiträge für die Basiskrankenversicherung für zwei Jahre im Voraus bezahlt werden, mit dem Ergebnis, dass in den Jahren, in denen keine Beiträge zu diesen Versicherungen gezahlt werden, sich die sonstigen Vorsorgeaufwendungen - allerdings nur bis den o.a. Höchstbeträgen - wieder steuerlich auswirken.

An dem folgenden Beispiel wird der Steuerspareffekt deutlich:

Beispiel: Die Eheleute A sind beide als Beamte privat krankenversichert. Die Beträge zur Basisabsicherung betragen für die Jahre 2015, 2016 und 2017 jeweils 5.500 EUR und liegen somit über dem für sie geltenden Höchstbetrag von 3.800 EUR (2 x 1.900 EUR). Für weitere sonstige Vorsorgeaufwendungen zahlen sie jährlich 4.000 EUR.

Variante a) ohne Vorauszahlung: Da die  jährlichen Beiträge zur Basisabsicherung  in Höhe von 5.500 EUR den Höchstbetrag von 3.800 EUR übersteigen, sind als Vorsorgeaufwendungen jeweils nur 5.500 EUR und damit für die Jahre 2015-2017 insgesamt 16.500 EUR abzugsfähig. Die übrigen Vorsorgeaufwendungen in Höhe von jährlich 4.000 EUR = 12.000 EUR wirken sich steuerlich nicht aus.

Variante b) mit Vorauszahlung: Die Eheleute A zahlen am 15.12.2015 die Beiträge zur Basisabsicherung für die Jahre 2016 und 2017 in Höhe von 16.500 EUR im Voraus.  Dadurch erreichen sie, dass im Jahr der Zahlung 2015 der gezahlte Betrag von 16.500 EUR als sonstige Vorsorgeaufwendungen abgezogen werden kann. Da in den Jahren 2016 und 2017 keine Beiträge zur Basisabsicherung gezahlt werden, können die weiteren sonstigen Vorsorgeaufwendungen in Höhe von jährlich 4.000 EUR in den Jahren 2016 und 2017 in Höhe der Höchstbeträge von jeweils 3.800 EUR steuermindernd berücksichtigt werden. Bei einem Grenzsteuersatz von 35 % ergibt sich eine Steuerersparnis von 2.660 EUR.

Hinweise 

Vorauszahlungen der laufenden Beiträge bieten sich insbesondere an, wenn

  • im Jahr der Vorauszahlung der Grenzsteuersatz (z.B. wegen einer Abfindung) voraussichtlich sehr hoch sein wird, oder
  • sich die sonstigen Vorsorgeaufwendungen (Arbeitslosen-, Unfall-, Haftpflicht- bzw. Lebensversicherungen) nicht oder nur in geringem Umfang als Sonderausgaben auswirken.

 Nicht sinnvoll sind die Vorauszahlungen, wenn

  • ein Ehepartner privat und der andere gesetzlich krankenversichert ist,
  • bei Rentnern und Pensionären die alte Berechnungsmethode der Höchstbeträge günstiger ist.

Da die Höhe des Sonderausgabenabzugs von zahlreichen Komponenten abhängt (Höchstbeträge für Ehegatten, Günstigerprüfung des Finanzamts, Höhe des Grenzsteuersatzes) und die Berechnung der abzugsfähigen Beträge sehr kompliziert ist, sollte zur Entscheidungsfindung ein Steuerberater hinzugezogen werden. 

Georg Schmitt, Dipl.-Finanzwirt (FH)

Krankenversicherung, Einkommensteuer

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