"Eierlegende Wollmilchsau" im Pflegedienst eingestellt
"Sie können alles und erwarten nichts? Dann bewerben Sie sich bei uns." So beginnt die ironische Stellenanzeige des Dienstleisters für häusliche Krankenpflege aus Bergisch-Gladbach. Das Unternehmen lockt in der Anzeige mit "gestressten, überforderten und ausgelaugten Kollegen", "langweiliger Routinearbeit" sowie "Überstunden ohne Ende" für 850 Euro brutto.
Es ist nicht das erste Mal, dass das Unternehmen mit einer solchen Anzeige einen neuen Mitarbeiter in der Funktion als "Eierlegende Wollmilchsau" sucht. Wie der Mitinhaber des Unternehmens mit 22 Mitarbeitern, Norbert Buchholz, gegenüber Spiegel-Online erklärte, erscheine seine Stellenanzeige in dieser Form schon zum dritten Mal – aber zum ersten Mal erweckte er derart hohe Aufmerksamkeit damit. Die Stellenanzeige verbreitete sich über einen Tweet von @senadpalic mit dem Kommentar "Beste. Stellenanzeige. Ever". Medien und Blogger griffen das Thema auf.
Fachkräftemangel erfordert Recruiting-Kreativität
Über Medienanfragen hinaus hat das Unternehmen nur wenige Bewerbungen erhalten. Trotzdem ist sie ein Erfolg für Buchholz: Schon zwei Bewerber auf die Stelle seien für ihn ein guter Schnitt, wie er bei Spiegel-Online angibt. Und dass es klappen kann, zeigt das Beispiel von Michael Tausend. Er ist seit November beim Pflegedienst als examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger angestellt. Beworben hatte er sich auf eine entsprechend formulierte Stellenanzeige für den Posten als "Eierlegende Wollmilchsau (m/w)".
Bereut hat Tausend seine Bewerbung nicht, wie er sagt. "Im ersten Moment dachte ich: Endlich sagt mal jemand, was Sache ist." Gemeint sind die Belastungen in der Alten- und Krankenpflege. Buchholz nennt unattraktive Arbeitszeiten, schlechte Bezahlung sowie hohe psychische und physische Belastung. Weil Fachleute fehlen, müsse sein Pflegedienst viele Kundenaufträge sogar ablehnen.
Idee muss nicht immer ganz neu sein
Buchholz hat die Stellenanzeige nach einem Vorbild auf sein Unternehmen angepasst – und das offensichtlich sehr gut: "Ganz neu ist die Idee zwar nicht", kommentiert Jo Diercks auf seinem Blog "Recrutainment.de", "aber hier wurde es so konsequent durchgezogen, wie man es dann doch nicht alle Tage sieht…"
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