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09.10.2015 | Top-Thema Gruppendynamik

Der Köhler-Effekt

Kapitel
Köhler-Effekt: Ein schwächeres Gruppenmitglied strengt sich mehr an als in einer individuellen Arbeit.
Bild: Haufe Online Redaktion

Bei Gruppen, in denen die Mitglieder unterschiedlich leistungsstark sind, kann es zum Köhler-Effekt und zur sozialen Kompensation kommen. Beim Köhler-Effekt strengen sich schwächere Gruppenmitglieder mehr an, als sie es individuell täten.

Die Gruppenmitglieder vermeiden damit, dass sie für eine schwächere Gruppenleistung zur Verantwortung gezogen werden. Dies lässt sich meist mit der Bewertungsangst der Teammitglieder begründen.

Die soziale Kompensation ist ein Motivationsgewinn in Gruppen, der auftritt, wenn stärkere Gruppenmitglieder ihre Anstrengungen erhöhen, um dadurch eine nicht optimale Leistung schwächerer Mitglieder auszugleichen. Durch diese Effekte verstärkt sich die Gruppenkohäsion, also der Zusammenhalt der Gruppe, da gemeinsam versucht wird, das volle Gruppenpotenzial auszuschöpfen.

"Hidden Profiles": Nur zusammen sind alle Informationen zugänglich

Wie wichtig das Ausschöpfen des vollen Gruppenpotenzials ist, zeigt sich bei der Lösung sogenannter "Hidden Profiles" Bei einem "Hidden Profile" sind aufgabenrelevante Informationen unter den Gruppenmitgliedern so verteilt, dass kein einzelnes Gruppenmitglied mithilfe der eigenen Informationen die beste Lösung finden kann. Nur durch Zusammenführen des Spezialwissens, also ungeteilter Informationen, aller Gruppenmitglieder kann die optimale Lösung für die Aufgabe gefunden werden.

Zahlreiche Studien zeigen, dass Gruppenmitglieder dazu neigen, über geteilte Informationen zu reden, anstatt die ungeteilten Informationen zu fokussieren. Informationen, die jedes Gruppenmitglied hat, sind präsenter. Dabei ist es entscheidend für erfolgreiche Gruppen zu wissen, welches Gruppenmitglied welches Spezialwissen besitzt, und dafür zu sorgen, dass dieses auch eingebracht wird.

Mehr Effektivität durch geteilte mentale Modelle

Diesen Ansatz verfolgt auch das Konstrukt der sogenannten "Shared Mental Models". Die grundlegende Idee hierbei ist, dass Teammitglieder effektiver zusammenarbeiten, wenn sie jeweils über geteiltes Wissen in Form geteilter mentaler Modelle verfügen. Diese Modelle erleichtern sowohl Kommunikations- als auch Kooperationsprozesse in Teams. Neue Informationen können schneller integriert werden und das Team ist besser in der Lage, sich an neue Situationen anzupassen.

Autoren: Prof. Dr. Simone Kauffeld, Annika Meinecke (TU Braunschweig)

Psychologie, Gruppenarbeit

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