Fuelbox: Mit Spielkarten Kommunikation neu lernen
Ohne Smartphone, ohne Worte. Durchschnittlich 240 Minuten täglich verbringen mobile Nutzer laut Statista online. Einen Großteil davon mit digitaler Kommunikation. Also wird weniger miteinander gesprochen, folgert Kommunikationsexperte Thomas Wehrs.
In seinem Buch „Störfall Mensch“ beschreibt er, wie sich das auswirkt: Wir verlernen uns auszutauschen – nicht nur in der Partnerschaft, auch im Berufsleben. Gerade Führungskräfte verlören immer häufiger den persönlichen Bezug zu ihren Mitarbeitern, deren Sorgen, Themen oder Kummer, argumentiert Wehrs. Doch ein norwegisches Start-up bot eine Lösung. Die Gründerin Berta Lende Røed hat sogenannte „Fuel-Boxen“ entwickelt. Jede Box enthält etwa 170 Spielkarten mit Fragen zu verschiedenen Aspekten eines Themenfeldes. Zur Auswahl stehen unter anderem Führung, Familie oder Team.
Anonyme Fragen regen zum Gespräch an
Über die Fragen sollen die Spieler ins Gespräch kommen. Und weil die aus der anonymen Box stammen, muss sich keiner der Gesprächspartner angegriffen fühlen – beispielsweise bei der Karte: „In welcher Form üben Sie Macht in Ihrer Rolle als Führungskraft aus?“ Oder: „Wie zeigen Sie Verpflichtung und Fürsorge gegenüber Mitarbeitern?“ Die Fragen übernehmen damit die Rolle eines Coaches oder Moderators. Sie setzen jedoch auch ein grundsätzliches Bewusstsein für vorhandene Kommunikationsdefizite voraus, ebenso wie die Bereitschaft, diese Defizite anzugehen.
Inzwischen haben sich Wehrs und Lende Røed zusammengetan. Die „Fuel-Boxen“ gibt es mittlerweile auch auf Deutsch. Ob die Karten Menschen wirklich zum Reden bringen? Der spielerische Ansatz des Kartenspiels senkt die Hemmschwelle und bietet zumindest einen Ansatzpunkt.
Übrigens: Zum Reden gehört auch das Zuhören. Denn damit drückt der Gesprächspartner seinem Gegenüber Wertschätzung aus. Doch was, wenn nebenan bereits das Smartphone wieder um Aufmerksamkeit heischt, leuchtet, vibriert, klingelt? Dann hilft nur: Einfach mal abschalten! Oder zurückrufen statt texten. Ein paar Tage "Digital Detox" tun es auch. Denn die lösen ziemlich sicher die Zunge.
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