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| Deutsche Gesellschaft für Personalführung

Eine Analyse des Strategiewechsels bei der DGFP

Geschäftsführerin Katharina Heuer hat die hohen Verluste der DGFP bei der Mitgliederversammlung präsentiert.
Bild: DGFP

Verluste in Millionenhöhe erzwingen einen Strategiewechsel bei der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP) – er geht mit Standortschließungen und Personalabbau einher. Unsere Analyse zeigt die Ursachen und die weiteren Zukunftspläne von Vorstand und Geschäftsführung auf.

Es war wie ein Donnerschlag, als Katharina Heuer, Geschäftsführerin der DGFP e.V., auf der Mitgliederversammlung die Zahlen für die Geschäftsjahre 2013 und 2014 präsentierte: Die renommierte und altehrwürdige Fachorganisation des Personalmanagements in Deutschland meldet Verluste in Millionenhöhe. Das ist seit Jahrzehnten nicht vorgekommen. Das Image hatte über viele Jahre gelitten, aber die Zahlen stimmten.

Katharina Heuer, die Anfang 2013 die Geschäftsführung übernommen hat, musste die roten Zahlen präsentieren, da sie in die ersten beiden Jahre ihrer Amtszeit fallen. Doch hat sie diese auch zu verantworten?

Heuer hat in die kuschelige und manchmal auch etwas langweilige DGFP-Kultur neuen Schwung gebracht, das alte Kongressformat eindrucksvoll erneuert und mit dem DGFP Lab ein neues Format für den Nachwuchs eingerichtet. Das alles hat Geld gekostet, aber das über viele Jahre heruntergewirtschaftete Image kräftig aufpoliert. "Wir haben in die Zukunft investiert, der Return kommt zeitverzögert", erläutert Heuer die Situation.

Einbrüche im offenen Seminargeschäft

Die Hauptursache für die wirtschaftliche Schieflage liegt bei der DGFP-Akademie. Das Weiterbildungsinstitut kam zwar einigermaßen durch die Wirtschaftskrise, konnte aber danach nicht auf einen Wachstumspfad zurückkehren, wie das den Wettbewerbern gelungen ist. Das Professionalisierungsprogramm und die Ausbildungen für HR-Fachleute, die im Markt anerkannt sind, liefen weiter gut, konnten aber die Einbrüche im offenen Seminargeschäft nicht kompensieren.

Ursache für wirtschaftliche Schieflage der DGFP geht weit zurück

Die Ursachen für die Krise der DGFP fallen nicht in die Amtszeit von Katharina Heuer, wie manche Kritiker behaupten, sie reichen weiter zurück. Unter der Geschäftsführung von Dr. Hans Böhm war die DGFP zwar wirtschaftlich stark, galt aber als arrogant und nicht kooperationsfähig. Dieser Kurs führte dazu, dass einige Personalmanager um Joachim Sauer vor sechs Jahren den Bundesverband der Personalmanager (BPM) gründeten, der zur Konkurrenz für die DGFP wurde. Der neue Verband präsentierte sich  frischer und moderner und leitete den Niedergang des DGFP-Kongresses ein, der mit über 1.000 Teilnehmern und einer großen Ausstellung eine bedeutende Ertragsquelle für die DGFP war.

Der BPM sorgte bei der DGFP auch für eine Orientierungskrise, dazu kamen hausgemachte Führungsprobleme. Der Übergang in der Geschäftsführung von Hans Böhm zu Gerald Frick misslang, da Frick nach kurzer Zeit wieder abtrat. Stephan Lauer, der diese Zeit als Vorstandsvorsitzender der DGFP zu verantworten hat, ließ fast ein Jahr verstreichen, bis er mit Frau Heuer eine neue Geschäftsführerin präsentieren konnte. Für die Weiterentwicklung verlor die  DGFP wertvolle Jahre, was jetzt erstmals in den Zahlen sichtbar wurde.

Fortsetzung des Erneuerungskurses

Auf der Mitgliederversammlung haben Vorstand und Geschäftsführung ein Restrukturierungsprogramm vorgestellt, mit dem sie die DGFP aus den roten Zahlen und in eine erfolgreiche Zukunft führen wollen. Der mit Katharina Heuer eingeschlagene Erneuerungskurs wird fortgesetzt, wie der Vorstandsvorsitzende Dr. Gerhard Rübling erklärte: "Wir haben in den vergangenen zwei Jahren für unsere Mitglieder erlebbare Akzente für eine neue DGFP setzen können, aber es liegt noch ein großer Teil der Wegstrecke hin zu einer offeneren, attraktiveren und insbesondere mitgliederorientierteren DGFP vor uns."

Die geplanten Veränderungen sind gravierend. Die Zentrale wird von Düsseldorf nach Frankfurt am Main verlegt. Die Hauptstadtrepräsentanz in Berlin bleibt erhalten, während die Niederlassungen in Düsseldorf, Hamburg, Leipzig, München und Stuttgart geschlossen werden. Die bisherige Strategie, mit eigenen Stützpunkten in den Regionen präsent zu sein, wird aufgegeben. Katharina Heuer spricht deshalb zu Recht von einem Strategiewechsel: "Die räumliche Präsenz wird durch eine flexible Präsenz in den Regionen abgelöst." Die DGFP wird sich nicht aus den Regionen zurückziehen, sondern noch mehr Präsenz mit Ihren Veranstaltungen und Weiterbildungsangeboten dort zeigen – nur nicht mehr in eigenen Räumlichkeiten. Von der Zentralisierung der Organisation in Frankfurt verspricht sich die DGFP vor allem Effizienzvorteile bei der Abwicklung ihrer Geschäfte. 

Der mit dem Strategiewechsel verbundene Personalabbau soll sozialverträglich stattfinden. "Wir bieten unseren Mitarbeitern einen Arbeitsplatz in Frankfurt an", sagt Frau Heuer, weiß aber auch, dass ein Umzug nicht für alle möglich ist. "Wir führen mit den Mitarbeitern intensive Gespräche und werden Sie unterstützen, einen Anschlussbeschäftigung zu finden", so Heuer.

Vor-Ort-Präsenz bis Dezember

Alle Leistungsangebote der Niederlassungen bleiben bis 31. Dezember 2015 in den eigenen Räumlichkeiten, ab 1. Januar 2016 werden diese neu organisiert. Die Präsenz in den Regionen bleibt ein wichtiges Ziel der Geschäftsführung. Da evolutionäre Veränderungen in der Vergangenheit zu behäbig umgesetzt wurden, versucht sich die DGFP jetzt mit einer Restrukturierung im Schnelldurchgang zu erneuern. Einen wesentlichen Erfolgsfaktor sieht Katharina Heuer dabei in der Zusammenarbeit mit den Mitgliedern. "Wir wollen noch enger mit den Mitgliedern zusammen arbeiten. Den Erfa-Gruppen kommt dabei eine besondere Bedeutung zu."

Die Mitgliederversammlung hat die eingeleiteten Schritte ohne Gegenstimme verabschiedet. Vorstand und Geschäftsführung wurden für die Jahre 2013 und 2014 entlastet. Der Weg  für eine weitere Erneuerung der DGFP, den die Organisation braucht, ist damit frei.

Autor: Reiner Straub, Herausgeber Personalmagazin

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