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Selbstreflexion mit Seneca

Drei Fragen des Philosophen Seneca können helfen, Coaching-Ziele zu definieren, sagt Coach Wolfgang Looss.
Bild: Veer Inc.

Zwar war Seneca kein Coach, sondern Philosoph – doch heutige Business Coachs könnten anhand dreier Fragen, die aus der Feder des antiken Römers stammen, einiges über ihre Arbeitshaltung und Zielgruppe erfahren. Welche das sind, hat Coaching-Experte Wolfgang Looss auf einem Symposium zusammengefasst.

"Mein Eindruck: Der Markt für Business-Coaching ist gerade dabei, sich in zwei Lager zu spalten." Das ist die These von Wolfgang Looss, die er im vergangenen Oktober auf einem Symposium des Hephaistos Coaching Zentrum München geäußert hat, wie die aktuelle Ausgabe der "Wirtschaft + Weiterbildung" berichtet: Auf der einen Seite stehen für den Coach, Trainer und Berater Looss demnach das Modell der Lösungsorientierung nach Steve de Shazer, bei dem schnell Problemlösungen gesucht werden, ohne auf tiefere Zusammenhänge einzugehen.

Den anderen Teil des Coaching-Markts könnte man mit dem Begriff "Selbstreflexion" beschreiben: Hier arbeiten die Coachs intensiver an inneren Konflikten und unterstützen den Ratsuchenden dabei, Zugang zu den eigenen Gefühlen zu bekommen, um aus sich heraus passende Entscheidungen erarbeiten zu können.

Beziehungstierchen oder Sachfragenfresser?

Wer als professioneller Business Coach arbeitet, dem rät Looss zu hinterfragen, wie er sich auf dem Coaching-Markt positionieren möchte und dann eine bewusste Entscheidung zu treffen, wie er wirksam werden wolle.

Um dies herauszufinden, empfiehlt Looss eine eher ungewöhnliche Methode: Coachs sollten sich drei Fragen zur genaueren Selbsterforschung stellen, die auf den römischen Philosophen Seneca aus dem ersten Jahrhundert nach Christus zurückgehen.

Frage 1: "Wer bin ich?"

Bei der Frage nach dem "Wer bin ich?" unterscheidet Looss zwischen zwei Typen: den sogenannten "Sachfragenfressern" und den "Beziehungstierchen" – eine Typenunterscheidung, die in der Gruppendynamik der 80er-Jahre üblich war. "Sachfragenfresser lieben insbesondere Vorschriften und Verfahrensmuster, sie lieben Prozessklarheit. Die Sachfragenfresser orientieren sich an Zahlen, Daten, Fakten", so Looss. Ganz anders gepolt sind die Beziehungstierchen: Ihre zentrale Aufmerksamkeit richte sich auf den Prozess, wie ein gemeinsames "Wir" entsteht, erläutert Looss. Ihre Überzeugung: Nur im "Wir", in gemeinsamer Arbeit, könne man die Welt meistern.

Loos begreift diese Typen als Extrempunkte einer Skala. "Es geht darum, sein eigenes Verhältnis zu den Extremtypen zu finden und seinen Frieden damit zu machen, um dann kompetent an der Schnittstelle von Sachfragenfresser und Beziehungstierchen zu arbeiten", so der Coaching-Experte.

Frage 2: "Was will ich erreichen?"

Gleich an zweiter Stelle kommt für Looss die Frage nach den "impulsgebenden Motiven". "Was wollen Sie eigentlich mit Ihrer Arbeit als Coach erreichen? Warum coachen Sie?", fragt Looss – und zwar über die finanzielle Motivation hinaus. Die Antwort finde man, wenn man seine Erfolgserlebnisse als Coach analysiert. Da mögliche Antworten viel mit der eigenen Biografie zu  tun haben, solle man über diese Fragen sehr individuell nachdenken. Dabei warnt Looss vorsorglich vor Allmachtsfantasien: "Es gibt Coachs, die sagen, wenn ich mächtige Unternehmer und Manager dazu kriege, dass sie über sich und ihre Rolle zu reflektieren beginnen, dann wird die Welt besser. Es ist aber so, dass man auf dem Weg der Einzelaufklärung nicht gegen verfestigte Machtstrukturen ankommen kann."

Frage 3: "Wen will ich erreichen?"

Professionelle Coachs wissen laut Looss, dass sie nicht mit allen Menschen gleichermaßen gut arbeiten können. Deshalb sollten sie sich darüber klar werden, mit welchen Menschen sie besonders gerne zusammenarbeiten würden, weil sie sich dabei besonders wirkungsvoll fühlten.

Hierbei können Fragen helfen wie: Haben die Wunsch-Klienten auffällige Gemeinsamkeiten? Gibt es bei der Wahl der Klienten bestimmte Muster? Es lohne sich, darüber nachzudenken, auf welche Klienten man sich besonders freue und welche Klienten Unlustgefühle erzeugten.

Looss zeigt sich überzeugt davon, dass es zwischen Coach und Coachee zumindest ein Stück weit eine gemeinsame Basis geben muss, um gewinnbringend miteinander zu arbeiten. Ein Grundkonsens sollte vorhanden sein. Zudem seien ähnliche Berufs- oder Führungserfahrungen oder gemeinsame kulturelle Überzeugungen hilfreich.

Den kompletten Beitrag "Drei 'philosophische' Fragen an professionelle Coachs" lesen Sie in Ausgabe 01/2015 der "Wirtschaft + Weiterbildung".

Schlagworte zum Thema:  Coaching, Training

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