Das Jahr der Rekorde auf dem Arbeitsmarkt
Die derzeit anhaltend robuste Konjunktur sorgte 2017 für sehr gute Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gab es im Oktober 44,74 Millionen Erwerbstätige in Deutschland, das sind 650.000 mehr als vor einem Jahr. Die Zahl der regulären Stellen mit Sozialversicherungspflicht kletterte nach BA-Hochrechnung im September auf 32,74 Millionen – 727.000 mehr als vor einem Jahr. Darunter sind allerdings auch viele Arbeitnehmer mit befristeten Verträgen. Die Zahl der befristet Beschäftigten in Deutschland hat innerhalb der vergangenen 20 Jahre um mehr als eine Million auf rund 2,8 Millionen im vergangenen Jahr zugenommen.
Arbeitsvolumen auf Rekordniveau
Die stark steigende Zahl der Beschäftigten führt auch zu einem Aufwärtstrend beim Arbeitsvolumen. So ist in Deutschland schon lange nicht mehr so viel gearbeitet worden wie im dritten Quartal 2017. Wie aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervorgeht, stieg zwischen Juli und September die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden auf 15,36 Milliarden. Dies ist der höchste Stand seit 25 Jahren.
Unverändert blieb hingegen die Zahl der Überstunden. Im dritten Quartal habe jeder Arbeitnehmer im Schnitt 5,3 bezahlte und 5,7 unbezahlte Überstunden geleistet - und damit genauso viele wie im dritten Quartal des Vorjahres. Wegen der insgesamt gestiegenen Beschäftigung habe aber die Gesamtzahl der bezahlten Überstunden um 4,9 Millionen auf 213,3 Millionen zugenommen. Die Gesamtzahl der unbezahlten Mehrarbeit legte im Jahresvergleich um 2,4 Millionen auf 228,9 Millionen Stunden zu.
Arbeitslosenzahl auf Rekordtief
Einen Rekord gibt es auch bei der Arbeitslosigkeit: Sie erreichte 2017 den niedrigsten Novemberstand seit 1991. Konkret waren zu diesem Zeitpunkt 2,368 Millionen Menschen arbeitslos, das sind 164.000 weniger als vor einem Jahr. Das teilte die die Bundesagentur für Arbeit (BA) mit. Rechnet man allerdings zu der offiziellen Arbeitslosenzahl noch Jobsucher hinzu, die in Aus- und Fortbildungen, Trainingsmaßnahmen oder in Ein-Euro-Jobs für den Arbeitsmarkt fit gemacht werden sollen, lag die Zahl der Arbeitssuchenden um knapp eine Million höher - nämlich bei 3,359 Millionen.
Im Bereich der Langzeitarbeitslosigkeit gibt es zwar einen leicht positiven Trend, dennoch finden knapp 862.000 Menschen in Deutschland anhaltend keine Beschäftigung.
Erste Lichtblicke gibt es nach Einschätzung von BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker bei der Flüchtlingsarbeitslosigkeit. Zwar galten im November immer noch 420.000 Flüchtlinge als arbeitssuchend; zugleich fänden aber auch immer mehr Asylsuchende eine Arbeit. So hätten im September 195.000 Männer und Frauen aus nichteuropäischen Asylherkunftsländern einen regulären Job gehabt – 75.000 mehr als vor einem Jahr. Zumeist arbeiteten sie für Zeitarbeitsfirmen, Kurierdienste oder in der Gastronomie. Dadurch sank im November erstmals seit Ende 2014 die Flüchtlingsarbeitslosigkeit leicht - und zwar auf 175.000.
Beschäftigung Älterer: Deutschland mit höchster Steigerung
Positive Entwicklungen gibt es auch bei der Beschäftigung Älterer zu verzeichnen. Hier hat Deutschland im internationalen Vergleich in den vergangenen Jahren am meisten zugelegt. Das teilte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Anfang Dezember bei der Veröffentlichung einer neuen Studie mit. Demnach steigerte Deutschland bei den 55- bis 64-Jährigen seit 2000 die Beschäftigungsrate um mehr als 30 Prozentpunkte. Bei den 55- bis 59-Jährigen sind in Deutschland etwa 80 Prozent in Beschäftigung, bei den 60- bis 64-Jährigen noch rund 56 Prozent. Während sich diese Werte über OECD-Durchschnitt bewegen, liegt Deutschland bei den 65- bis 69-Jährigen etwa zwei Prozentpunkte unter dem OECD-Schnitt von gut 20 Prozent.
Arbeitskosten steigen weiter
Erneut angestiegen sind im vergangenen Jahr auch die Arbeitskosten. Hier liegt Deutschland allerdings nur knapp über dem europäischen Durchschnitt. Die Bruttoverdienste wuchsen gemessen am Vorjahresquartal um 2,2 Prozent, die Lohnnebenkosten um 2,4 Prozent. Im gesamten Euro-Raum wurde der Faktor Arbeit im Schnitt nur um 1,8 Prozent teurer.
Ausblick auf den deutschen Arbeitsmarkt 2018
Trotz gestiegener Arbeitskosten dürfte die Bereitschaft der deutschen Arbeitgeber für Neueinstellungen auch 2018 stabil bleiben: Dem Manpower-Arbeitsmarktbarometer zufolge, für das 1.002 Arbeitgeber in Deutschland befragt wurden, erreicht der saisonbereinigte Netto-Beschäftigungsausblick im ersten Quartal 2018 wie im vorherigen Quartal einen Wert von +5 Prozent. Zehn Prozent aller befragten Unternehmen planen in den Monaten Januar bis März 2018 mit neuen Arbeitskräften. Bei Großunternehmen erreicht der saisonbereinigte Netto-Beschäftigungsausblick +32 Prozent. Damit liegt er sechs Prozentpunkte unter dem Wert des letzten Quartals. Auch Arbeitgeber im deutschen Mittelstand sind weiter optimistisch. 91 Prozent aller mittelständischen Unternehmen wollen neue Mitarbeiter einstellen oder haben keine Entlassungen geplant. Gegenüber dem vorherigen Quartal steigt dieser Wert um 3 Prozentpunkte. Bei den kleinen Unternehmen ist der Wert des saisonbereinigten Netto-Beschäftigungsausblickes um drei Prozentpunkte auf einen vorsichtig optimistischen Wert von +7 gefallen.
Beschäftigungsausblick weltweit
Auch international zeigen Arbeitgeber in den meisten untersuchten Ländern und Regionen zum Jahresbeginn 2018 weiterhin sehr hohe Bereitschaft, neue Arbeitskräfte einzustellen. Der Untersuchung zufolge gehen Arbeitgeber in 41 von 43 Ländern und Regionen für den Zeitraum von Januar bis März von einem Personalzuwachs aus. In zahlreichen Ländern, darunter Australien, Japan, Norwegen, Polen, Rumänien und die USA, vermelden Arbeitgeber sogar die stärkste Bereitschaft zu Neueinstellungen seit fünf oder mehr Jahren.
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