Die zunehmende Digitalisierung mit "Technologien" wie IoT, Big Data (inkl. Analytik), Cloud Computing, Augmented/Virtual Reality oder Simulation ermöglicht immer neuere, innovative Geschäftsmodelle. Allerdings zeigt eine Studie bei über 900 österreichischen Mittelstandsunternehmen, dass digitale Technologien für die Geschäftsmodelle von 73 % der Großunternehmen (Umsatz > 100 Mio. EUR) sehr große bis mittelgroße Bedeutung haben, während es bei kleineren Unternehmen (Umsatz < 30 Mio. EUR) nur 51 % sind.[1] Die Kluft birgt die Gefahr in sich, das kleinere Unternehmen den Anschluss bei der Digitalisierung ihrer relevanten Wertschöpfungsnetzwerke verlieren. Gleichzeitig zeigt eine Studie mit 516 Unternehmen, dass in 78 % der KMU die Digitalisierung in den Verantwortungsbereich der Geschäftsführung fällt, gefolgt von der Assistenz der Geschäftsführung mit 31 %. Die IT-Leitung steht nur in 19 % der Unternehmen in der digitalen Verantwortung.[2]

Wenn also – speziell in Mittelstandsunternehmen mit fehlenden Innovations- bzw. Digitalisierungsressourcen – die Bedeutung der Digitalisierung von deren Verantwortlichen nicht (ausreichend) erkannt wird, kommt dem Controlling eine zusätzliche Verantwortung zu. Deyhles WEG-Symbol/-Konzept zeigt bereits seit Ende der 1960er-Jahre den ganzheitlichen Steuerungsanspruch des Controllings auf: Neben Wachstum (W) und Gewinn (G) war die Entwicklung (E) das Zeichen für Markt- bzw. Produktentwicklung, was wiederum Innovation voraussetzt.[3] Es bedarf einer kontinuierlichen Innovationsleistung, sich gegen Wettbewerber beim Kunden durchzusetzen,[4] und das Controlling übernimmt hier die Aufgabe, die Effektivität und Effizienz der Innovationsaktivitäten zu steigern – also auch sicherzustellen, dass die richtigen Dinge getan werden (Innovationsstrategie, Innovationskultur etc.).[5]

Bei größeren Unternehmen kann es dazu spezialisierte Controller geben, bei (kleineren) Mittelstandsunternehmen ist es umso wichtiger, dass Controller den Standard der International Group of Controlling (IGC) als Business Partner der Entscheider "leben", um diese bei ihren Aufgaben als Entrepreneure zu unterstützen: "Controller leisten als Partner des Managements einen wesentlichen Beitrag zum nachhaltigen Erfolg …[und] sorgen für die bewusste Beschäftigung mit der Zukunft…"[6]

Konkret bedeutet dies im besten Schumpeter'schen Sinne: (Geschäftsmodell-)Innovationen am Markt durchsetzen, ein innovatives Geschäftsmodell entwickeln, weiterentwickeln und umsetzen (lassen).[7] Neue (digitalisierte) Geschäftsmodelle bringen (zusätzliche) zukünftige Erträge und Ergebnisse. Methodisch schlagen wir für das Controlling zwei Schritte vor (s. Kap. 3 und 4), um als Business Partner den strategischen Prozess zur digitalen Transformation und neuen Geschäftsmodellen zu begleiten.

[1] Vgl. EY, 2018.
[2] Vgl. Kogleck, 2018, S. 96.
[3] Vgl. Hauser, 2004, S. 219 f.
[4] Vgl. Horváth/Gleich/Seiter, 2015, S. 421.
[5] Vgl. Munck/Chouliares/Gleich, 2014, S. 109 ff.
[6] IGC, 2013.
[7] Vgl. Faltin/Ripsas, 2011, S. 7 ff.; Fueglistaller et al., 2016, S. 72 f.; Grichnik et al., 2017, S. 34 ff.

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