Unternehmenszusammenschlüsse im Mittelstand auf dem Vormarsch
Lange Zeit galten Unternehmenszusammenschlüsse, auch bekannt als Mergers & Acquisitions, fast ausschließlich als ein Thema großer Konzerne. Allerdings zeigen zunehmend mehr mittelständische Unternehmen Interesse an strategisch wichtigen Zusammenschlüssen mit anderen Firmen, auch wenn in Folge der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 ein Rückgang zu verzeichnen war. 70 % räumen dem Thema mindestens eine hohe Bedeutung ein. Fast 60 % gehen davon aus, dass die Wichtigkeit in Zukunft weiter ansteigen wird.
Treiber für steigende Bedeutung von Unternehmenszusammenschlüssen
Die steigende Bedeutung von Unternehmenszusammenschlüssen im Mittelstand lässt sich auf eine Reihe unternehmensinterner und umweltbedingten Änderungen zurückführen. Zu den drei wichtigsten unternehmensinternen Änderungen gehören:
- Strukturelle Veränderungen mit 36 %
- Strategische Veränderungen mit 24 %
- Vorbereitung der Unternehmensnachfolge mit 15 %
Auch die Umwelt spielt eine entscheidende Rolle darin, welche Priorität Unternehmenszusammenschlüsse für Mittelständler haben. Die top drei Treiber sind:
- Marktumfeld mit 29 %
- Kapitalmarkt mit 20 %
- Wettbewerb mit 19 %
Insgesamt wird die Entscheidung für oder gegen eine Zusammenführung von vielen Faktoren gleichzeitig beeinflusst. Außerdem spielen gewachsene Strukturen und die Zukunftsaussichten eine zentrale Rolle.
Erfahrungen von Mittelständlern mit Unternehmenszusammenschlüssen
Mittelständische Unternehmen besitzen im Vergleich zu großen Konzernen oftmals weniger Erfahrung im Umgang mit Zusammenschlüssen. Insgesamt besteht noch deutlicher Nachholbedarf. Auf der Leitungsebene und bei den Aufsichtsgremien sind jedoch in der Regel Vorerfahrungen anzutreffen (siehe Abbildung).
Die durchgeführten Transaktionen sind in 62 % der Fälle „Asset Deals“. D.h. Mittelständler bevorzugen es, Vermögensgegenstände zu kaufen. Dazu zählen insbesondere Technologien und Innovationen. 38 % der Zusammenschlüsse werden als „Share Deal“ durchgeführt. D.h. ein Mittelständler erwirbt Anteile an einem anderen Unternehmen. Diese Form ist aus vertraglicher Sicht deutlich einfacher, birgt jedoch auch mehr Risiken. Denn es werden auch alle finanziellen Verbindlichkeiten anteilsmäßig übernommen.
Das Transaktionsvolumen ist im Vergleich zu großen Konzernen oftmals deutlich geringer. 73 % weisen ein Volumen von unter 15 Mio. EUR auf. 19 % liegen bei einem Wert von 15 bis 50 Mio. EUR. Lediglich 8 % liegen darüber.
Hohe Abbruchquote bei Verhandlungen
87 % der teilnehmenden Mittelständler gaben an, Transaktionen bereits abgebrochen zu haben – und dies auch mehrfach. Zu den wichtigsten Abbruchgründen zählen:
- Zu hoher Kaufpreis mit 29 %
- Unerwartete Risiken mit 20 %
- Unzureichende Erfolgslage mit 16 %
- Unpassende Größe/Komplexität mit 12 %
Grundlagen
Der Beitrag basiert auf der Studie „Mergers & Acquisitions im Mittelstand“ der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte. 85 Interviews mit Unternehmern und Geschäftsführern bilden die Datengrundlage für die Untersuchung, die im Mai 2012 veröffentlicht wurde.
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