16.04.2014 | Serie Finance Excellence 2014

Der CFO als Motor des Unternehmens

Serienelemente
Bild: Gerhard Binder, Vortrag auf der Fachkonferenz Finance Excellence 2014

„Kein erfolgreiches Unternehmen ohne exzellentes Finanzwesen“ und „kein erfolgreiches Unternehmen ohne exzellentes Informationsmanagement“, so die Aussage von Günther Binder, CFO der Wacker Neuson SE, zur 9. Fachkonferenz Finance Excellence in Düsseldorf.

Börsengang erhöht die Anforderungen an das Controlling
Der Börsengang in 2007 hat bei der Wacker Neuson Gruppe eine stärkere Dynamisierung mit sich gebracht. Im Controlling wurde seither eine bessere Qualität bei höherer Geschwindigkeit verlangt. Darüber hinaus bestehen unterschiedliche Steuerungsanforderungen im deutschen und dem US-Markt. In den USA ist der wichtigste Erfolgsfaktor das Marketing, darauf folgen der Produktpreis und zuletzt die Qualität.  In Deutschland orientieren sich Kundenwünsche hingegen zuallererst an der Qualität. Danach entscheiden Produktpreis und zuletzt Marketing über den Produkterfolg.

Die Verantwortungsfelder eines CFO innerhalb des Unternehmens bieten ein enormes Steuerungspotenzial hinsichtlich werttreibender Kennzahlen. Ein modernes Informations- und Prozessmanagementsystem ist weiter die Basis für eine permanente Effizienzsteigerung im Unternehmen. Wesentliche Hebel zur Erreichung von „Finance Excellence“ sind aus Sicht von Binder ein regelmäßiger offener Austausch mit Industriepartnern und der Blick Richtung Großkonzerne.

Dynamisches Umfeld wertet Stellung des CFO auf
Ein exzellentes Finanzwesen ist wesentlicher Bestandteil des Erfolges eines jeden Unternehmens. Die Hauptverantwortung für diesen Geschäftsbereich obliegt dem CFO, dem Chief Financial Officer, in dessen Verantwortungsbereich zahlreiche Geschäftsfelder gehören (u.a. Treasury, internes Kontrollsystem, Risikomanagement, Investitionen, Working Capital, Mergers & Acquisitions, Controlling, Strategische Planung). Laut Binder hat sich die Rolle des CFOs, dessen Umfeld zunehmend dynamischer wird, weiterentwickelt. Dies ist unter anderem daran erkennbar, dass CFOs immer häufiger die Position des CEOs übernehmen.

Die verschiedenen Rollen des CFOs wie „Strategist“, „Operator“, „Steward“ oder „Catalyst“ stellt Binder anhand des CFO-Frameworks vor und geht dabei auf die einzelnen Verantwortungsfelder ein (s. Abb. 1 in der Bilderserie).

Kennzahlen für die wertorientierte Konzernsteuerung
Die Übersicht zur Steuerung mit Kennzahlen (s. Abb. 2) erläutert, in welchem Rahmen Wachstum, finanzielle Sicherheit und Rentabilität innerhalb der Wacker Neuson Group geschaffen werden. Zu den wichtigsten Steuerungskennzahlen gehören der Marktanteil, Umsatz, Free Cashflow, EBIT und Return on Capital Employed (ROCE). Bei Wacker Neuson wird der Fokus auf den ROCE gelegt. Diese Kennzahlen verbinden aus Sicht von Binder adäquat die GuV mit der Bilanz. Bei Wacker Neuson konnte er die wertorientierte Steuerung einschließlich eines spezifischen Werttreiberbaums bereits vollständig implementieren.

Grundlage für die Entwicklung der heutigen Finance-Methoden und -prozesse war der Börsengang von Wacker Neuson – „Das hat den richtigen Kick gegeben“, so Binder. Es wurde deutlich an Geschwindigkeit und Qualität zugelegt. Schließlich muss man sich auf die Fragen im Kapitalmarkt sehr gut vorbereiten und den Austausch mit anderen CFOs suchen.

Revision - hoher Output mit geringem Einsatz
Die interne Revision ist eine interne Einrichtung zur unabhängigen und objektiven Prüfung von Unternehmensprozessen um eine effiziente und zielgerichtete Unternehmensorganisation zu gewährleisten. Ziel der Internen Revision ist es, den Wert der Organisation im Gesamten zu steigern.

Bei der Wacker Neuson Group gibt es einen Revisionsleiter, der auf einen 12 – 15 köpfigen Mitarbeiterpool aus dem Finanzbereich der Holding sowie der Tochtergesellschaften zugreift und auch in Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern die Prüfung der Prozesse durchführt.

Der Nutzen liegt in

  • der Reduzierung der Overheadkosten,
  • der Einbindung von Qualifikationen unterschiedlichster Bereiche und
  • der Förderung von Integration, Kommunikation, gegenseitigem Verständnis und einem Erfahrungs- und Wissensaustausch

Das Revisionsteam tritt auch bereichsübergreifend auf, so prüft z.B. ein Produktionscontroller den Vertriebsbereich und umgekehrt. Laut Binder ist dies ein gutes Mittel gegen „Betriebsblindheit“. Wacker Neuson konnte sich hiermit zudem einen Talentpool schaffen, der wiederum für andere (zum Teil internationale) Projekte genutzt werden kann (Bsp. im Bereich von Mergers & Acquisitions).

Informationsmanagement strebt ERP-Standardisierung aus SAP-Basis an
Ein erfolgreiches Unternehmen benötigt ein exzellentes Informationsmanagement. Die Organisationsstruktur des CFO wurde daher bei Wacker Neuson klar strukturiert und definiert (s. Abb. 3). Vorteile, die daraus resultieren sind global standardisierte Prozesse, Daten und Systeme, die effektive Informationssysteme und effiziente Organisationseinheiten garantieren. Dabei werden die Prozesse, Daten und Systeme kontinuierlich optimiert. Sechs Prozessmanager sichern derzeit die Standardisierung und optimieren die Abläufe. Aktuell arbeitet Wacker Neuson mit drei ERP-Systemen, die jedoch zu einem zentralen ERP zusammengefasst werden sollen. Darüber hinaus wird eine reine SAP-Strategie verfolgt, andere Produkte dürfen nur implementiert werden, wenn SAP hierzu keine Lösung hat. Das Erfolgsrezept besteht laut Binder in Summe aus dem richtigen Produkt und dem optimalen, effizienten Prozess. Liegen diese beiden Komponenten vor, kommen Umsatz und Ergebnis von selbst und die Planung rückt in den Hintergrund. Wichtig ist, dass man sich permanent selbst hinterfragt und daraus ständig neue Prozesse und Produkte entwickelt.

CFO als Wachstumstreiber am Beispiel Vertrieb
Wesentliche Schlüssel zum Verkaufserfolg sind der Service, die Gebrauchtmaschinen und die Bereitstellung von Finanzierungslösungen. Innerhalb der Vertriebswerkzeuge spielt die Absatzfinanzierung deshalb eine besondere Rolle. Hierzu bietet die Wacker Neuson Group die Händlerfinanzierung (Commercial / Wholesale) sowie die Endkundenfinanzierung an (s. Abb. 4). Die Leistungen werden über ein Internetportal angeboten, das den Kunden mit wenigen Klicks zum Ziel führt.

Bei der Wahl eines Finanzierungspartners ist es laut Binder wichtig auf ein gemeinsames Verständnis über das Geschäftsmodell zu achten, darüber hinaus sind klare Verantwortlichkeiten und Aufgabenteilungen abzustimmen. Das bereits erwähnte Internetportal sichert schnelle Entscheidungswege anhand von Frontend-Tools.

Das Unternehmen
Die Wacker Neuson Group hat ihren Konzernsitz in München, ist aber mit über 40 Tochterunternehmen auch in den USA, Österreich, auf den Philippinen und in Serbien vertreten. Der Fokus liegt dabei in Europa und den USA. Mit über 4.000 Mitarbeitern hat das Unternehmen den Umsatz in den Jahren 2011/ 2012 um 10, 1 % auf 1.091,7 Mio. € steigern können. Seit Mai 2007 ist die Wacker Neuson Group börsennotiert. Es lassen sich drei Geschäftsbereiche voneinander unterscheiden: die Baugeräte, die Kompaktmaschinen und Service / Miete.

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