Zusammenfassung

 
Begriff

Die demografische Entwicklung bewirkt, dass zunehmend Ältere in Beschäftigung sind und junge Fachkräfte fehlen. Arbeitgeber müssen sich darauf einstellen und daher auch ältere Beschäftigte fordern und fördern. Ältere Beschäftigte sind im Unternehmen zunehmend selbst gefordert, sich geistig fit zu halten, um länger in Arbeit bleiben zu können. Die Bedeutung von Wissen und Information nimmt weiter zu, sodass sich auch ältere Beschäftigte kontinuierlich an Anforderungen einer sich veränderten Arbeitswelt anpassen. Die Führungskräfte und Beschäftigten müssen daran gemeinsam arbeiten. Verschiedene Ansätze können dabei gewählt werden.

1 Wissenszuwachs in der Gesellschaft

Die kontinuierliche Verarbeitung von neuen Wissen und Informationen gewinnt zunehmend an Bedeutung. Alle 5 Jahre verdoppelt sich mittlerweile das weltweit verfügbare Wissen. Täglich erscheinen weltweit rund 20.000 neue wissenschaftliche Publikationen. Deren Aktualität hält 3 bis 4 Jahre an, dann ist dieses Wissen nicht mehr relevant.[1]

Im Berufsleben stellen neue Technologien und Verfahren die Beschäftigten regelmäßig vor neue Herausforderungen. Das Arbeitsleben besteht heutzutage i. W. darin, sich mit Neuerungen vertraut zu machen und diese anzuwenden. Das Wissen aus Schule und Ausbildung reicht dafür nicht mehr aus. Neues Wissen muss kontinuierlich erlernt werden.

[1] Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Initiative neue Qualität der Arbeit (INQA) (2013): Geistig fit im Beruf! Wege für ältere Arbeitnehmer zur Stärkung der grauen Zellen (www.pfiffprojekt.de).

2 Kompetenzmodell und Defizitmodell

Das Defizitmodell geht davon aus, dass altersbedingte Defizite weder vermieden noch behoben werden können. "So ist die Auffassung gängig, dass Ältere nicht nur weniger leistungsfähig, belastbar und motiviert sind, sondern auch kaum lernfähig, langsamer in der Informationsaufnahme und geistig einfach nicht mehr mithalten können".[1] Wenn Vorgesetzte Kosten einsparen müssen, kürzen sie meist zuerst bei Weiterbildungen.[2]

Klar ist jedoch, dass sich auch ältere Beschäftigte geistig fit halten können. Das sog. Kompetenzmodell geht davon aus, dass Altern nicht nur in eine Richtung verläuft. Entsprechend der Belastungs- und Förderungssituation im Arbeitsleben entwickeln sich die einzelnen Kompetenzen der älteren Beschäftigten unterschiedlich weiter.

Ältere Beschäftigte bringen gegenüber jüngeren Beschäftigten Stärken mit. Bei älteren Beschäftigten sind häufig kognitive Leistungen im Bereich der fluiden Intelligenz beeinträchtigt. Die fluide Intelligenz ist insbesondere durch eine schnelle Informationsaufnahme und Verarbeitung sowie ein hohes Merkpotenzial gekennzeichnet. Die kristalline Intelligenz nimmt jedoch bei älteren Beschäftigten zu. Diese drückt sich insbesondere in Erfahrungs- und Berufswissen, die Beibehaltung erlernter Fähigkeiten sowie erworbener Denk- und Lernstrategien aus. Tab. 1 stellt die Stärken von älteren und jüngeren Beschäftigten gegenüber.

 
Stärken älterer Beschäftigter Stärken jüngerer Beschäftigter
Erfahrungswissen Lernfähigkeit
Berufliches Wissen Lernbereitschaft
Soziale Kompetenz Kreativität
Lebenserfahrung Flexibilität
Urteilsvermögen Beruflicher Ehrgeiz

Tab. 1: Stärken von älteren und jüngeren Beschäftigten[3]

Da ältere Beschäftigte über besondere Stärken verfügen, sind sie auch bei besonderen Aufgaben leistungsfähiger. Bei der Lösung komplexer Probleme können sie auf ein reiches Erfahrungswissen zurückgreifen. Im Gespräch mit schwierigen Kunden oder Lieferanten lassen sie sich weniger schnell aus der Ruhe bringen und wissen, wie solche Gespräche beeinflusst werden können. Ihre langjährigen Erfahrungen können sie in gemeinsamer Arbeit an jüngere Kollegen weitergeben.

[1] Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Initiative neue Qualität der Arbeit (INQA) (2013): Geistig fit im Beruf! Wege für ältere Arbeitnehmer zur Stärkung der grauen Zellen (www.pfiffprojekt.de), S. 9.
[2] Langhoff: Den demographischen Wandel im Unternehmen erfolgreich gestalten. Eine Zwischenbilanz aus arbeitswissenschaftlicher Sicht. Springer-Verlag Berlin/Heidelberg 2009.
[3] Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Initiative neue Qualität der Arbeit (INQA) (2013): Geistig fit im Beruf! Wege für ältere Arbeitnehmer zur Stärkung der grauen Zellen (www.pfiffprojekt.de); Langhoff: Den demographischen Wandel im Unternehmen erfolgreich gestalten. Eine Zwischenbilanz aus arbeitswissenschaftlicher Sicht. Springer-Verlag Berlin/Heidelberg 2009.

3 Maßnahmen

3.1 Lebenslanges Lernen

Im Alter geistig fit und leistungsfähig zu bleiben heißt, sich frühzeitig im Berufsleben darauf einzustellen und daran zu arbeiten. Lebenslanges Lernen bedeutet, sich kontinuierlich neues Wissen anzueignen und dieses umzusetzen. Damit muss schon zu Beginn des Berufslebens begonnen werden, um eine Lernentwöhnung und die Entstehung von Versagensängsten zu vermeiden. Grundlage hierfür sind lernförderliche und fordernde Arbeitsbedingungen. Die Art zu lernen sollte den kognitiven Stärken der älteren Beschäftigten entsprechen. Zudem sollten ältere Besc...

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