Biodiversität im Unternehmen: So gelingt der Start
Das Nachhaltigkeitsthema Biodiversität ist wichtig, wird aber oft übersehen. Obwohl Artenvielfalt die Grundlage für funktionierende Ökosysteme und damit auch für unsere Wirtschaft ist, spielt sie in vielen Unternehmen noch kaum eine Rolle. Laut dem neuesten EFRAG-Bericht stuften nur 23 Prozent der Unternehmen Biodiversität als wesentlich ein und in einer WWF-Studie gaben sogar nur 12 Prozent an, sich wirklich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen.
Woran liegt das? Meist fehlt der direkte Bezug zum Tagesgeschäft. Biodiversität klingt abstrakt, schwer greifbar und wird schnell von dringlicheren Themen wie Klimaschutz oder Energieeffizienz verdrängt. Hinzu kommen fehlende Standards und kaum regulatorischer Druck, da rutscht das Thema leicht nach hinten auf der Prioritätenliste.
Das darf jedoch kein Grund sein, die Bedeutung der biologischen Vielfalt für das Unternehmen zu unterschätzen. Wer das Thema jetzt aktiv angeht, kann frühzeitig Weichen stellen, Risiken minimieren und neue Chancen für das Unternehmen erschließen. Ein Biodiversitätscheck bietet dabei den idealen Startpunkt für Unternehmen. Dieser ist ein einfacher, kostengünstiger und systematischer Einstieg in das Thema Biodiversität für Unternehmen.
Was ist der Biodiversitätscheck für Unternehmen?
Ein Biodiversitätscheck (auch Biodiversitätsaudit, Biodiversity Assessment oder Standortanalyse Biodiversität genannt) bietet Unternehmen einen strukturierten und fundierten Einstieg in das Thema Biodiversität. Er dient als erste Orientierung und verschafft einen Überblick darüber, in welchen Bereichen das Unternehmen mit der biologischen Vielfalt in Berührung kommt.
Durch einen systematischen Ansatz werden sowohl Abhängigkeiten und Geschäftsrisiken als auch direkte und indirekte Auswirkungen der Geschäftstätigkeit auf die Biodiversität erfasst und bewertet. Häufig werden dabei auch erste konkrete Maßnahmen zur Erhaltung und Förderung der biologischen Vielfalt abgeleitet. Auf diese Weise schafft der Biodiversitätscheck die Grundlage dafür, das Thema Biodiversität nachhaltig in das betriebliche Umwelt- und Biodiversitätsmanagement zu integrieren.
Was betrachtet der Biodiversitätscheck?
Biodiversitätschecks werden in der Praxis unterschiedlich ausgestaltet, da sie auf die individuellen Bedürfnisse und Rahmenbedingungen eines Unternehmens zugeschnitten werden. Trotzdem lassen sich zentrale Kernelemente identifizieren, die je nach Kontext durch weitere Bausteine ergänzt werden können.
Ein typischer Biodiversitätscheck umfasst unter anderem:
- Die Bestandsaufnahme bestehender Biodiversitätsinformationen, Aktivitäten und Dokumentationen
- Die Berücksichtigung relevanter gesetzlicher und strategischer Vorgaben wie TNFD, EU-Biodiversitätsstrategie oder CSRD
- Die Analyse externer Anforderungen und Erwartungen relevanter Stakeholder
- Die Erfassung der direkten und indirekten Auswirkungen der Geschäftstätigkeit auf die biologische Vielfalt
- Die Bewertung des Geschäftsmodells im Hinblick auf Abhängigkeiten, Risiken und Chancen für die Biodiversität
- Die Entwicklung konkreter Handlungsempfehlungen und Maßnahmen, einschließlich Priorisierung der wichtigsten Handlungsfelder
Wie läuft ein Biodiversitätscheck ab?
Die Vorgehensweise eines Biodiversitätschecks variiert je nach Organisationskontext und Beratungsansatz. In der Praxis haben sich jedoch sechs Phasen etabliert, die sich an wissenschaftlichen Standards wie dem Stepwise-Ansatz der SBTN und dem LEAP-Framework der TNFD orientieren. Die Durchführung dauert, abhängig von Unternehmensgröße, Datenlage und Einbindung relevanter Stakeholder, in der Regel mehrere Wochen bis wenige Monate.
Unternehmen können sich bei der Umsetzung eines Biodiversitätschecks an folgenden sechs Schritten orientieren:
- Schritt 0 – Scoping und Commitment: Ziele, Scope und Ressourcen festlegen; Projektteam bilden.
- Schritt 1 – Vorbereitung: Organisationskontext erfassen, relevante Daten sammeln, Untersuchungsrahmen definieren.
- Schritt 2 – Stakeholder-Workshop: Auswirkungen, Abhängigkeiten und Risiken identifizieren, priorisieren und erste Maßnahmenvorschläge entwickeln.
- Schritt 3 – Indikative Analyse: Einfache Biodiversitäts-KPIs erfassen und Datenlücken identifizieren.
- Schritt 4 – Ergebnisdokumentation: Biodiversitäts-Hotspots darstellen, Maßnahmen ableiten, Dokumentation für die Umsetzung bereitstellen.
- Schritt 5 – Follow-up und Monitoring: Monitoringplan mit KPIs erstellen, Pilotprojekte starten und Biodiversitätsteam stärken.
Tipp: Biodiversitätshub Die Website ESRS Services bietet einen Biodiversitätshub für Nachhaltigkeitsmanager an. Dieser soll dabei unterstützen, Biodiversität als strategisches Handlungsfeld zu verankern und operativ umzusetzen. Er bietet praxisnahe Tools und fundiertes Fachwissen, die Orientierung und Handlungssicherheit geben und fördert zugleich den Austausch mit relevanten Akteuren am Markt. |
Welche Berührungspunkte hat Dein Unternehmen mit dem Thema Biodiversität?
Laut dem Weltwirtschaftsforum hängt mehr als die Hälfte des globalen BIP in mittlerem bis hohem Maße von der Natur und ihren Ökosystemdienstleistungen ab. Wie wir mittlerweile wissen, haben sich 9 von 10 Unternehmen noch nicht mit dieser Frage beschäftigt. Auch wenn Du gerade aus dem Bauch heraus mit „keine Berührungspunkte“ geantwortet hast, so sollte dies auf jeden Fall einmal systematisch geprüft werden.
Der Biodiversitätscheck ist hierfür ein sinnvoller erster Schritt, um die Berührungspunkte eines Unternehmens mit dem Thema Biodiversität systematisch zu erkennen. Er ermöglicht eine strukturierte Erfassung der Abhängigkeiten und Auswirkungen des Unternehmens auf die biologische Vielfalt und schafft damit die Grundlage für ein gezieltes Biodiversitätsmanagement.
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