Dieser Steuerberater hat sich auf Grenzgänger spezialisiert

Als WP/StB Tobias F. Faller im Herbst 2022 zusammen mit zwei Partnern eine Kanzlei in Freiburg übernahm, spielte für ihn ein Thema eine besonders große Rolle: Spezialisierung. Heute sind mehr als die Hälfte der Mandate Grenzgänger, die in der nahen Schweiz arbeiten. Doch das soll nicht der einzige Geschäftsschwerpunkt bleiben.

Herr Faller, warum ist Spezialisierung für Sie ein wichtiger Punkt?

WP/StB Tobias F. Faller: Als Philip Kary, Daniel Köbele und ich die Kanzlei gekauft haben, sind wir davon ausgegangen, dass mit einer Spezialisierung automatisch auch ein höherer Grad an Professionalisierung einhergeht. Wir wollten auf keinen Fall eine Kanzlei, die unterschiedlichste Mandanten betreut. Von daher waren wir happy, als wir eine Kanzlei gefunden hatten, die bereits vor mehreren Jahren erfolgreich ein spezialisiertes Geschäftsfeld aufgebaut hatte. Wir glauben nicht nur nach wie vor an diesen Markt – es gibt rund 65.000 deutsche Grenzgängerinnen und Grenzgänger in der Schweiz, überwiegend aus Baden-Württemberg – und auch von der Kompetenz konnte ich mich da wiederfinden. Schließlich hatte ich zuvor bei PwC schon International Tax gemacht und kannte mich in dem Bereich bereits aus.

Spezialisierung in der Steuerberatung: "Die Mitarbeiter wollen auch nichts anderes machen."


Wie ist der spezialisierte Teil Ihrer Kanzlei heute organisiert?

Wir haben ein kleines Team, dass sich ausschließlich um die Betreuung von etwa 600 Grenzgänger-Mandanten kümmert. Die Mitarbeiter wollen auch nichts anderes machen. Die wollen die „Schweizer“. Etwas anspruchsvolles! Dabei muss man sagen, dass auch innerhalb der Spezialisierung gilt: Es gibt zwar nicht so viele unterschiedliche Fälle, aber auf die richtige Abzweigung kommt es an. Da ist dann auch schon viel Musik drin. Und dennoch ist trotz des besonderen Fach-Know-hows ein standardisierbarer Bereich – was im Grunde ja das Ziel einer jeden Spezialisierung ist.

Welche Fragen treten in der Beratung von Grenzgängerinnen und Grenzgängern häufig auf?

Im Wesentlichen geht es um die korrekte Veranlagung in Deutschland und die Aufteilung des Arbeitslohns zwischen der Schweiz und Deutschland entsprechend dem Doppelbesteuerungsabkommen. In der Schweiz heißt das Thema dann „Nachträglich Ordentliche Veranlagung“ (NOV) oder Ausscheidung. Wir beraten aber auch beim Wegzug oder Zuzug. Der Zuzug in die Bundesrepublik ist übrigens auch für „Ur-Schweizer“ im Rentenalter ein Thema, denn dadurch, dass gewisse Teile von Pensionskassenleistungen in Deutschland nicht besteuert werden, kann es attraktiv sein, hierherzuziehen und seine Pension auszahlen zu lassen. Wir nennen das Pensionskassen-Transfer.

Die Grenze und die an ihr lebenden Privatpersonen mit internationalem Bezug sind aber nicht ihr einziges Geschäftsfeld...

Absolut. Unsere Kanzlei betreut daneben auch mittelständische Unternehmen und wollen in diesem Bereich weiterwachsen. Ideal für uns ist dabei die deutsche Tochtergesellschaft eines Schweizer Konzerns, die auch prüfungspflichtig sind. Dort können wir dann auch die steuerliche Rund-um-Betreuung oder die Erstellung von Reporting Packages mit anbieten. Zudem haben wir uns zum Ziel gesetzt, unser Team um einen Rechtsanwalt zu erweitern. Dieser soll dann insbesondere gesellschaftsrechtliche Aspekte, wie die Unternehmensneugründungen oder M&A-Projekte, abdecken und somit unser Leistungsspektrum abrunden.

Bedeutet das gleichzeitig, dass Sie stark regional ausgerichtet sind?

Nein, das würde ich so nicht sagen, wir haben durchaus auch Mandanten, die weiter entfernt sind wie einen Zulieferer für die Luftfahrtindustrie. Die Betreuung über die Entfernung ist dank der technischen Möglichkeiten kein Problem, man schaltet sich per Video zusammen und ab und zu trifft man sich persönlich. Auch der gesamte Dokumentenaustausch erfolgt ja rein digital.

Haben Sie aufgrund dessen einen IT-Fachmann in Ihrem Geschäftsführergremium?

Ja, dank Daniel reizen wir die ganzen Möglichkeiten der IT aus. Schnittstellen beim und zum Mandanten sind das A und O und lassen uns auf einem ganz anderen Level zusammenarbeiten. Aber bis es dann so weit ist, geht er immer erst ins Unternehmen. Dann heißt es erst einmal Bestandsaufnahme machen: Programme, Prozesse analysieren und anschließend dann zu strukturieren. Dabei scheut er sich auch nicht, Softwareanbieter zu motivieren, endlich die nötigen DATEV-Schnittstellen zu programmieren (lacht)! Das ist ein wahnsinniges Asset für uns.

Spezialisierung in der Steuerberatung: "Auch als Dienstleister haben wir ein „Produkt-Portfolio“".


Ein weiteres Geschäftsfeld, das Sie aktiv angehen und ausbauen wollen, ist die Nachhaltigkeitsberichterstattung und die entsprechende Beratung. Wie haben Sie das geplant?

Hintergrund ist die Nachhaltigkeitsberichterstattung oder ESG-Reporting als Teil des Lageberichts prüfungspflichtig wird. Wenn Sie so wollen, ist hier für uns auch der Zulieferer des Zulieferers des Zulieferers ein klasse Mandat, wenn es sich in der Größenordnung zwischen 10 und 20 Millionen Euro Jahresumsatz bewegt.

Wir adressieren diesen Markt in mehreren Schritten: So machen Philip Kary und ich derzeit das Zertifikatsprogramm des Instituts für Wirtschaftsprüfer (IDW) zum Sustainability Auditor. Daneben haben wir angefangen, Start-ups zu sichten, die Nachhaltigkeitsberichte mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellen lassen wollen. Envorinment, Social und Governance sind hinsichtlch deren Umfang nicht zu unterschätzen. Wir gehen davon aus, dass Unternehmen der genannten Größenordnung nicht damit beginnen werden, eigene Kompetenzen in-house aufzubauen, sondern sich auf die Suche nach einem externen Dienstleister begeben werden – dieser wollen wir mit einem schlanken, überzeugenden Produkt sein.

... das in Ihre Spezialisierungsstrategie passt?

Ja, unbedingt, denn auch als Dienstleister haben wir ein „Produkt-Portfolio“. Unsere Geschäftstätigkeit basiert künftig auf diesen vier Geschäftsfeldern: Grenzgänger, Mittelständler mit internationalem Bezug, Nachhaltigkeitsberichterstattung sowie der klassischen Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung mit einem Gesellschaftsrechtler im Hintergrund.  Zielmandanten sind in allen Fällen mittelständische Unternehmen, die an Zahlen interessiert sind und Privatpersonen im internationalen Kontext, die rechtssicher beraten werden wollen.

Glauben Sie, dass die Spezialisierung in der Steuerberatungsbranche alternativlos ist?

Davon bin ich überzeugt. Es wird zwangsweise so sein, dass wir uns weiter spezialisieren, vergleichbar den Rechtsanwälten, die seit Jahrzehnten auf Baurecht, Arbeitsrecht, Familienrecht und so weiter spezialisiert sind. Das wird in der Steuerberatung ähnlich kommen, und wenn man es von einer übergeordneten Perspektive aus betrachtet, ist damit auch jedem geholfen: Alle machen genau das, was sie am besten können.


Zur Kanzlei

Die SYMTAX Steuerberatungsgesellschaft mbH in Freiburg im Breisgau wird von Philip Kary, Geschäftsführer, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, Tobias F. Faller, Geschäftsführer, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, und Daniel Köbele, B.A., IT und Unternehmensorganisation geführt. Sie beschäftigt 23 Mitarbeitende und berät neben Grenzgängern Deutschland/Schweiz den gehobenen Mittelstand. Die Kanzlei wurde 28.02.2018 gegründet und 2022 von den drei Gesellschaftergeschäftsführern übernommen.


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