Die meisten Krankenhäuser sind viel zu breit aufgestellt. Mit welchen Folgen? Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Viele Krankenhäuser bieten möglichst viel an - und können den Patienten laut Kritikern damit Schaden, weil sie zu wenig Routine haben. Kassen warnen auch vor OPs aus Umsatzgründen. Doch nun soll ein Strukturwandel anlaufen.

Kleinere Krankenhäuser sollen in Deutschland künftig weit weniger schwierige Behandlungen durchführen als heute. Die dringend notwendige Konzentration auf dem Kliniksektor werde in den kommenden Jahren spürbar, sagte der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses, Josef Hecken. Andernfalls müsse der Gesetzgeber handeln, forderten die Krankenkassen.

G-BA legt Qualitätsindikatoren und Mindestmengen für Behandlungen fest

«Viele kleinere Krankenhäuser bieten spezielle und komplexe Behandlungen an, die dringend zentralisiert werden müssten – aus ökonomischen Gründen, aber auch um der Qualität und Sicherheit willen», sagte Hecken. Deswegen habe der Bundesausschuss - ein Spitzengremium mit Vertretern von Ärzten, Kassen und Kliniken - Vorgaben für die Krankenhäuser beschlossen: sogenannte Qualitätsindikatoren und Mindestmengen für einzelne Behandlungen.

«Diese Schritte werden dazu führen, dass wir in den nächsten vier, fünf Jahren noch mehr Qualität und die Strukturbereinigung in der Krankenhauslandschaft bekommen, die wir brauchen», so Hecken. «Da kommt Bewegung rein.»

Krankenhäuser sind viel zu breit aufgestellt

Zwar hätten die Kliniken im Schnitt gute Qualität. Heute seien die meisten Häuser aber viel zu breit aufgestellt. «Sie versuchen, möglichst alle Leistungen zu erbringen.» Oft hätten Kliniken bei schwierigen und aufwendigen Eingriffen nur kleine Fallzahlen, also wenig Routine. Der unter anderem mit der jüngsten Klinikreform auf den Weg gebrachte Strukturwandel bezeichnete Hecken als «Paradigmenwechsel» - sein Ausschuss arbeite nun an der Umsetzung.

Klinikplanung: Ansätze abhängig von den Bundesländern

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung lobte die Klinik-Vorgaben. «Die Ansätze aus der letzten Krankenhausreform, Qualität tatsächlich zu verbessern und schlechte Qualität dauerhaft zu verhindern, sehe ich nach wie vor positiv», sagte die Verbandschefin Doris Pfeiffer. Ob sie ihre Wirkung auch durchgreifend entfalten, müsse sich in den nächsten Jahren zeigen. Abhängen werde dies von der Handlungsbereitschaft der für die Klinikplanung zuständigen Bundesländer.

«Sofern das nicht funktioniert, wird man im Gesetz nachbessern müssen, denn die bestehenden Regelungen lassen weiterhin viel Spielraum bei der Erfüllung der Qualitätsvorgaben», sagte Pfeiffer.

TK fordert Länder zu höheren Ausgaben auf

Die Techniker Krankenkasse forderte die Länder zu höheren Ausgaben auf. «In vielen Kliniken gibt es seit Jahren einen Investitionsstau, weil die Länder ihren Verpflichtungen nicht nachkommen», sagte Vorstandschef Jens Baas. Seit 1991 hätten sich die staatlichen Investitionen halbiert. «Wollen Kliniken modernisieren, nehmen sie das Geld von anderswo.» So übernähmen die Kassen gezwungenermaßen Aufgaben der Länder. «Hier muss sich etwas tun.»

Patient im Mittelpunkt?

Im Schnitt stehe eins von vier Krankenhausbetten leer, jedes zehnte sei überflüssig, sagte Baas. So gebe es große wirtschaftliche Interessen, diese leeren Betten zu belegen. «Das führt dazu, dass Ärzte manchmal aus ökonomischen Gründen Entscheidungen treffen müssen, bei denen der Patient nicht unbedingt im Mittelpunkt steht.»

Stärkere Prüfungen ob Behandlungen angezeigt sind

Hecken mahnte, künftig müsse stärker geprüft werden, ob Behandlungen wirklich angezeigt seien. «Wir prüfen beispielsweise, ob ein Bein fachgerecht amputiert worden ist, aber nicht, ob diese Amputation bei dem Patienten auch wirklich angezeigt war.» Als Problem erkannt worden sei das unter anderem beim Einsetzen künstlicher Herzklappen mittels Katheter. Diese teurere, aber oft weniger geeignete Methode habe die klassische OP vielfach verdrängt. Deshalb müssten nun Ärzte mehrerer Disziplinen die Indikationsstellung zusammen vornehmen.

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