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Hirndoping am Arbeitsplatz

Verschreibungspflichtige Medikamente, aber auch Crystal Meth und Amphetamine nutzen Arbeitnehmer immer öfter am Arbeitsplatz.
Bild: Haufe Online Redaktion

Das Buch "Der Totale Rausch - Drogen im Dritten Reich" sorgt gerade für große Aufmerksamkeit. Es geht der Frage nach, inwieweit Hitler und die Wehrmacht durch das Medikament Pervitin, auch bekannt als Crystal Meth, aufgeputscht waren. Heute ist die Droge in Unternehmen im Umlauf.

Kaum eine große Tageszeitung hat nicht das Buch von Norman Ohler besprochen und das Thema aufgegriffen. Nach den vom Autor zitierten Quellen nutzten Hitler und Soldaten der Wehrmacht die aufputschende Wirkung des Methamphetamin "Pervetin", um ihr Durchhaltevermögen beim Angriff auf Frankreich 1940 zu steigern.

Leistungssteigerung durch Drogen für Workaholics   

Doch der Missbrauch von Methamphetaminen war weder nur ein Problem des Dritten Reichs, noch ist er heute, unter dem Namen "Crystal Meth" auf Szenezugehörige und – mit alarmierenden Steigerungsraten - Jugendliche beschränkt.  Nach Auffassung von Heinz Kowalski, Berater für strategisches BGM, erlebt Crystal Meth derzeit einen Aufschwung als Droge der "Workaholics".

Wie Kowalski im aktuellen Titelthema des Personalmagazins (Ausgabe 10/2015) beschreibt, beschäftigen sich Krankenkassen und Gesundheitsinstitute in den vergangenen Jahren zunehmend mit der steigenden Anzahl von Arbeitnehmern, die Medikamente oder illegale Substanzen wie Crystal Meth einnehmen,  um am Arbeitsplatz leistungsfähiger zu sein oder Stress abzubauen.

Die DAK schätzt im Gesundheitsbericht 2015, die Zahl der Mitarbeiter, die regelmäßig Mittel zum sogenannten Hirndoping einnehmen, auf inzwischen eine Million. Dabei geht es vor allem um verschreibungspflichtige  leistungssteigernde Mittel wie Ritalin, Wachmacher, Stimmungsaufheller und Ähnlichem, aber auch um illegale Drogen wie Crystal Meth oder Ecstasy. 

Hirndoping wird zum Thema des betrieblichen Gesundheitsmanagements 

Auslöser für den Griff zur leistungssteigernden Pille waren, so die Ergebnisse des Gesundheitsberichts der DAK, zumeist hoher Leistungsdruck und Stress. Vier von zehn Jobdopern gaben an, bei Anlässen wie anstehenden Präsentationen oder wichtigen Verhandlungen Neuroenhancer  einzunehmen.

Kowalski bemängelt jedoch, dass die DAK-Studie sich im Wesentlichen auf verschreibungspflichtige Mittel konzentriere, weil sie nur dazu über valide Datengrundlagen verfüge. Die wirklich gefährlichen illegalen Mittel würden dagegen nur am Rande behandelt. Die Zunahme des Hirndopings in der Arbeitswelt zeige aber, dass sich das Betriebliche Gesundheitsmanagement, Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Betriebliche Gesundheitsförderung verstärkt diesem Thema widmen müssen.

Bisher seien die Angebote der Kassen bescheiden und beschränkten sich auf einige Broschüren. Es fehle, so Kowalski, an praktischen Angeboten für Personalleiter, Betriebsräte und Präventionsexperten, vor allem was die rechtzeitige Erkennung von betroffenen Mitarbeitern angehe.

Weitere Hintergründe zum Konsum von Methamphetaminen am Arbeitsplatz und zur Frage, was Unternehmen tun können, lesen Sie im aktuellen Personalmagazin-Titelthema im Beitrag unter dem Titel "Die Droge der Jobdoper".

Haufe Online Redaktion

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