Die Folgen der COVID-19-Pandemie

Weltweit wachsen die wirtschaftlichen Herausforderungen durch den Corona-Lockdown und es werden Maßnahmen zur Krisenbekämpfung getroffen. Im Folgenden werden Vergleiche der aktuellen Problemstellungen mit den Ausmaßen der Eurokrise gezogen und Handlungsmöglichkeiten abgeleitet.

Vorhersage der Zukunft aufgrund historischer Analysen

Die Folgen der COVID-19-Krise werden den weiteren Abläufen der Eurokrise ähneln. Aus derartigen, historischen Abläufen sollten Politiker, Investoren sowie alle weiteren Wirtschaftsteilnehmer ihre Lehren für ihr zukünftiges Handeln ziehen. Die politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen in den europäischen Peripherieländern sind aktuell schlechter als zu Zeiten des Ausbruchs der globalen Finanzmarkt- bzw. der anschließenden Eurokrise. Der Lockdown in Folge der COVID-19-Krise trifft die betroffenen Länder und die gesamte Europäische Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) noch härter als sämtliche vorherige Krisen.

Eine Krise folgt der anderen, die zukünftigen Entwicklungen sind daher absehbar

Die Auslöser und die jeweiligen Abläufe sind für sämtliche Krisen individuell und so ist es aktuell auch. Es folgt ein vereinfachter historischer Abgleich zur Einordnung der Krisenzustände:

  • Einer medizinischen Problemstellung der aktuellen Pandemie und dem Herunterfahren der Wirtschaft standen in den Jahren ab 2008 der Zusammenbruch der Verbriefungsmärkte und sinkende Immobilienpreise in den USA entgegen.
  • Folglich kommt es in beiden Zeitverläufen zu einer wirtschaftlichen Krise, welcher neben einer Banken- unter anderem auch eine Automobilkrise folgt. Jedoch ist der aktuell problematische Zustand europäischer Automobilbauer nicht ausschließlich der COVID-19-Pandemie und entstehenden Lieferausfällen in den Just-in-Time-Prozessen zuzuschreiben. Vielmehr waren die Branchenprobleme bereits zuvor akut und resultierten aus unzureichenden Konzernvorgaben hinsichtlich zukunftsweisender Antriebstechnologien und gesetzlichen Verfehlungen.
  • Im weiteren historischen Verlauf folgte eine Eurokrise, die sich auch der aktuellen Pandemie anschließen wird.

Diese Aussagen sind teilweise noch mit Unsicherheit behaftete Prognosen. Jedoch ist deren Eintritt anzunehmen, denn die bisherigen Rahmenbedingungen lassen eindeutig darauf schließen und bieten wenig Spielraum für positivere Interpretationsmöglichkeiten.  

Krisenszenarien als Chance für langfristig orientierte Anleger

Mit einem langfristigen Anlagehorizont und der nötigen Courage stellten sich historische Krisenzeiten in der Regel als attraktive Investitionszeitpunkte heraus. Auch diese Entwicklung wird auf die aktuelle Situation zu übertragen sein.

Der Fokus für Investitionen liegt

  • diesbezüglich nicht im Versuch des perfekten Timings und der Zielsetzung, den günstigsten Investitionszeitpunkt zu treffen,
  • sondern perspektivisch und sukzessive zu investieren.

Staatsfonds erfüllt die Eigenschaften der langfristigen Kapitalanlage und schrittweisen Investitionsabläufe

Genau diese Attribute sind einem Staatsfonds immanent und selbst die avisierte Bundesbeteiligung des Wirtschaftsstabilisierungsfonds an krisengebeutelten Unternehmen können darüber abgewickelt werden. Diese erfolgen nicht zu einem Zeitpunkt, sondern im Verlauf von Wochen oder Monaten. Entscheidend für jeden Investor, also auch für den Bund oder einen Staatsfonds ist es, diversifiziert vorzugehen und zwischenzeitliche Rücksetzer und Buchverluste auszuhalten.

Corona-Bonds sind die neuen Euro-Bonds

Das damalige Verlangen der Peripherieländer nach der Auflage von Euro-Bonds während der Eurokrise erfolgt mittlerweile in neuem Gewand sog. Corona-Bonds. Der Druck (süd-)europäischer Länder auf die damals definierte Kernunion wird in den kommenden Monaten sukzessive weiter wachsen. Die wirtschaftliche und politische Not der Peripherie wird zunehmen und die historischen Verschuldungsausmaße deutlich überschreiten.

Ob Euro- oder Corona-Bonds, die Vergemeinschaftung von Schulden unter den Mitgliedsländern der EWWU ist zu vermeiden. Diese Einschätzung steht in Einklang mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von Anfang Mai 2020, welches der EZB die Staatsfinanzierung und somit ihre Mandatsüberschreitung anlastet. Eine gegenseitige Unterstützung unter den Ländern ist sinnvoll, angebracht und gegenseitig einzufordern. Deutschland erbringt diese bereits, da Patienten aus anderen europäischen Ländern aufgenommen und intensivmedizinisch versorgt werden.

Euro-Bonds hingegen führen zu einer Schulden- bzw. Haftungsgemeinschaft, wodurch deutschen Steuerzahlern und ggf. Sparern indirekt eine Verbindlichkeit für Schulden anderer Länder zugemutet würde. Eine solche Entwicklung erschiene aus deutscher Perspektive weder moralisch noch unter Aspekten einer sinnvollen Kapitalallokation und Verwendung von Steuergeldern empfehlenswert. Zudem wurde diese Vorgehensweise weder in den Grundgedanken der EU noch der EWWU niedergelegt und sie wiederspräche insbesondere der sog. No-Bailout-Klausel gem. Art. 125 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union.

ESM, EIB und international auch der IWF werden unterstützen müssen

Hingegen sollten bestehende Strukturen genutzt und ausgeweitet werden. Dabei kommt insbesondere dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) sowie der Europäischen Investitionsbank (EIB) eine besondere Bedeutung bei der Finanzierung ausgewählter Mitgliedsstaaten zu. Zudem wird auch der Internationale Währungsfonds (IWF) dazu beitragen müssen, finanzielle sowie strukturelle Hilfeleistungen für Länder – weit über die europäischen Grenzen hinaus – bereitzustellen. Die strukturellen Reformen nach Zuteilung finanzieller Mittel des ESM dürfen dabei jedoch nicht an Sparmaßnahmen zur Haushaltskonsolidierung ausgerichtet werden. Sie sollten zielgerichtet in das medizinische System und die Krisenbewältigung fließen. Anfang April 2020 einigten sich die Euro-Finanzminister zumindest auf gemeinsame Maßnahmen hinsichtlich des Kurzarbeitergeldes „Sure“, eines Garantiefonds der EIB, neuer Kreditlinien des ESM und der Gründung eines „Wiederaufbaufonds“ der europäischen Wirtschaft.

Geopolitische Rolle eines deutschen Staatsfonds

In Abhängigkeit der Ausprägung eines deutschen Staatsfonds könnte dieser sich auch anteilig und unter Abwägung von Investitionschancen und -risiken an der internationalen Unternehmensfinanzierung beteiligen. Auch hier wäre jedoch nicht nach dem Gießkannenprinzip zu verfahren, sondern zielgerichtet, mit Augenmaß und unter Abwägung der entsprechenden Investitionsrisiken.

Währungsreform oder Nord- und Süd-Euro

Im Rahmen der Eurokrise folgten erste Überlegungen zur Umstrukturierung bzw. Aufteilung der Währungsunion in einen Nord- und einen Süd-Euro bis hin zu weiteren Anpassungen der Währungsunion. Es ist zu befürchten, dass auch diese Tendenzen erneut an Dynamik gewinnen werden. Aufgrund der deutlich schlechteren wirtschaftlichen und politischen Ausgangszustände einiger (süd-)europäischer Länder, ist es nicht auszuschließen, dass Griechenland nicht das letzte Land bleibt, welches einen Schuldenschnitt hat über sich ergehen lassen. Allerdings ist die wirtschaftliche Relevanz von Ländern wie bspw. Italien, Spanien und insbesondere Frankreich, bemessen anhand des Bruttoninlandsproduktes (BIP) deutlich größer als die von Griechenland: Anhand der veröffentlichten BIP-Daten des Jahres 2019

  • lag Frankreich an Position 3 der EU,
  • gefolgt von Italien und Spanien,
  • wohingegen Griechenland lediglich Rang 17 belegte.

Somit wären die Verwerfungen für sämtliche Kapitalgeber der erstgenannten drei Länder sowie für alle weiteren Mitgliedsstaaten der EU und den internationalen Kapitalmarkt noch deutlich stärker zu spüren.

Diese Herausforderungen werden derzeit bereits gedanklich an den internationalen Kapitalmärkten durchgespielt, jedoch tatsächlich erst mit einer sehr geringen Wahrscheinlichkeit berücksichtigt. Ein Schuldenschnitt eines der o.g. Länder wird unausweichlich zu einem erneuten, sprunghaften Anstieg der Volatilität risikobehafteter Assets und weiteren unabsehbaren Folgen führen. Das statistische Amt der EU, Eurostat, stellt die Verschuldungsdaten der Mitgliedsstaaten aggregiert bereit, woraus ersichtlich ist, dass auch die europäische Peripherie mit deutlich höheren Schuldenständen in die aktuelle Krise geraten ist als es zu Zeiten des Ausbruchs der Eurokrise der Fall war. Weitere laufende Indikationen der steigenden Haushaltsverschuldungen sind online anhand sog. Schuldenuhren verfügbar, welche die Problematik sehr anschaulich verdeutlichen. Es ist ersichtlich, dass die meisten Mitgliedsländer der EWWU von der Einhaltung der Konvergenzkriterien bereits seit Jahren weit entfernt sind und die aktuelle Situation wird weiter an Dramatik gewinnen, je länger der Weg zu einer wirtschaftlichen Normalisierung dauert.

Quellen:

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