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Vorstände profitieren von variablen Vergütungsbestandteilen

Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Die Vorstandsgehälter in Deutschland sind in den letzten beiden Jahren spürbar gestiegen. Die Bemessungsgrundlage für variable Bestandteile ist umfassender und dadurch auch komplexer geworden.  Die Orientierung an nachhaltigen Ergebnissen ist jedoch noch eher die Ausnahme.

Vorstandsvergütung kontinuierlich im Wandel
Die Vorstandsvergütungssysteme befinden sich in einem umfassenden Transformationsprozess. Angestoßen wurde dieser Wandel durch die öffentliche Diskussion in den letzten Jahren. Mittlerweile hat auch der Gesetzgeber auf die Forderungen nach mehr Transparenz reagiert und weitere Anpassungen verlangt. Dies hat viele Unternehmen zum Handeln veranlasst. 2011 haben 22 % der Befragten ihre variable Barvergütung angepasst; weitere 24 % haben die aktienkursorientierte Bezahlung bearbeitet.

Variable Bestandteile für Steigerung verantwortlich
Insgesamt kann die Entwicklung der Vorstandsbezüge positiv bewertet werden. Die Steigerungen spiegeln größtenteils die gestiegenen Gewinne der letzten Jahre wieder. So ist die durchschnittliche Pro-Kopf-Vergütung in 2011 um 6 % gestiegen. Dies ist ordentlich, allerdings deutlich weniger als im Vorjahr, als sie 25 % betrug. Ursächlich für die Gehaltssteigerungen sind nicht die hohen Fixgehälter, sondern die variable Barvergütung. Sie betrug im Durchschnitt 469.000 Euro und ist im Vergleich zu 2010 um 12 % gestiegen.

Verbesserungsbedarf bei Nachhaltigkeit und Wertorientierung
Die variable Barvergütung stellt mit durchschnittlich 36 % in 2011 einen signifikanten Teil der Gesamtvergütung deutscher Vorstände dar. Aufgrund der steigenden Bedeutung haben viele Unternehmen die Berechnung der variablen Barvergütung auf eine breitere Basis gestellt und nutzen nun mehrere Indikatoren gleichzeitig. 7% der DAX- und MDAX- Unternehmen setzen mindestens drei Erfolgsfaktoren ein. Trotz dieser umfassenderen Bestimmungsbasis haben sich weder die Nachhaltigkeit noch die Wertorientierung durchgehend verbessert. Mit 27 % nutzt weniger als ein Drittel der untersuchten Firmen eine rein mehrjährige und somit nachhaltige Bewertungsgrundlage für den variablen Gehaltsbestandteil. Lediglich 6 % der Unternehmen nutzen Übergewinngrößen (z. B. Economic Value Added) als Indikator für die Wertorientierung.

Transparenz und Kommunikation zur Vorstandsvergütung lässt zu wünschen übrig
Die Berechnung der Vorstandsvergütung ist in den letzten Jahren tendenziell komplexer geworden. Die Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Unternehmen hat darunter gelitten. Ferner ist auch die Berichterstattung über die Vorstandsvergütung nach wie vor intransparent, sodass eine objektive Einschätzung durch Externe erschwert wird. Ein wichtiger Hinweis an die Aufsichtsräte ist es daher, von Anfang an auf die Stringenz und Nachvollziehbarkeit der Vergütungssysteme zu achten und dies entsprechend nach außen und innen zu kommunizieren.

Grundlagen
Der Beitrag beruht auf der Pressemitteilung „Vergütung deutscher Vorstandsorgane – Komplexität und Intransparenz nehmen zu“ vom 17.09.2012. Fast 320 Unternehmen wurden im Rahmen der Forschungsaktivitäten von Prof. Marc-Steffen Rapp von der Universität Marburg und Prof. Michael Wolff von der Universität Göttingen untersucht. Die Ergebnisse stehen auf der Homepage der Fachzeitschrift „Der Aufsichtsrat“ zur Verfügung.

Schlagworte zum Thema:  Vorstandsvergütung, Managergehälter, Vergütungssystem

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