Verrechnungspreis-Management ist Teamarbeit

Beim Transfer Pricing wird oft die Steuerabteilung als „zuständig“ betrachtet, begleitet vom Controlling für eine angemessene Kalkulation. Dabei kann VP-Management nur bereichsübergreifend gelingen. Vor allem eine Funktion wird oft vergessen.

Neben Steuerabteilung und Controlling ist der Personalbereich betroffen

Die Fachkonferenz Verrechnungspreise zeigte deutlich, wie viele verschiedene Abteilungen mit dem Thema der Verrechnungspreise beschäftigt sind (s. Abb).

In erster Linie betroffen ist natürlich die Steuerabteilung, die die gesetzlichen Anforderungen erfüllen muss und dies im Rahmen einer Betriebsprüfung auch darzulegen hat. Aber das Controlling ist gleichermaßen betroffen, weil es die Verrechnungspreise kalkuliert und die Preise und Margen überwacht.

Parallel zur Kalkulation hat das Controlling die indirekte Beeinflussung der Unternehmensteuerung wieder zu neutralisieren. Das gelingt erfahrungsgemäß nur mit einer gut aufgestellten IT-Lösung bzw. mit einem entsprechenden Reporting.

Auch die Personalabteilung ist mehrfach betroffen, auch wenn an sie nur selten gedacht wird.

  1. Im Rahmen von Mitarbeiterentsendungen und Betreuung von Betriebsstätten sind steuerliche Regeln zu beachten sind.
  2. Indirekt ist sie betroffen, weil die Verrechnungspreis-Welt, trotz aller Bemühungen zur größtmöglichen Vereinfachung, immer noch einen erheblichen Schulungsbedarf erzeugt.
  3. Vom Konflikt zwischen Steuern und Steuerung wird das Führungs- und Anreizsystem berührt.

Wie das Beispiel der Personalabteilung zeigt, lässt sich das Thema Verrechnungspreise nur ganzheitlich lösen. Dies war auch in den Pausengesprächen deutlich zu merken. Sowohl die Teilnehmer aus der Steuer-Ecke als auch die Kollegen, die vor allem controllerisch geprägt sind, fanden es bereichernd, Aufgaben, Probleme und Lösungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln kennen zu lernen. „Für das gegenseitige Verständnis war der heutige Tag sehr wertvoll", sagte eine Teilnehmerin zum Abschluss.

Komplexität in Großunternehmen bewältigen

In einem Unternehmen mit über 400.000 Beschäftigten nimmt die Standardisierung eine führende Bedeutung ein, damit die Komplexität nicht Überhand gewinnt. Die 3 Hauptpunkte illustrierte Karl-Heinz Possinke (Hauptreferent Corporate Taxes and Custom Duties, International Taxes (C/TXI), Robert Bosch) in seinem Vortrag "Warenlieferungen von Produktions- an Vertriebsgesellschaften inklusive Zollauswirkungen".

  • Aus standardisierten IT-Prozessen und -Systemen lassen sich die direkten Kosten in der Wertschöpfungskette reduzieren.
  • Bereits frühzeitig im Geschäftsprozess kann sichergestellt werden, dass steuerliche und rechtliche Anforderungen erfüllt werden, um Steuer- und Zollrisiken zu reduzieren oder sogar zu vermeiden.
  • Nicht zuletzt lassen sich Entscheidungsprozesse beschleunigen.

Mehrwertsteuer und Zölle zusätzlich berücksichtigen

Die angesprochene Komplexität resultiert nicht nur aus den Verrechnungspreis-Anforderungen. Die Rolle von Mehrwertsteuer und Zöllen illustrierte Possinke anhand der Wertschöpfungskette eines beispielhaften Geschäftsbereiches. Außerdem muss unterschieden werden

  • ob es sich um Lieferungen zwischen EU-Ländern oder um Lieferungen von der EU in ein Nicht-EU Ausland handelt,
  • zwischen dem Waren-/Leistungsfluss und dem Rechnungsfluss.

Um die Komplexität zu beherrschen, ist es sinnvoll, möglichst Standardleistungen und -prozesse zu definieren. Diese sollten für alle unterstützenden Einheiten, die an derartigen bereichsübergreifenden Sachverhalten mitwirken, geeignet sein. Dieser Prozess-Input ist dann standardmäßig durch Software zu prüfen, um eine rechtlich korrekte und steuerlich angemessene Lösung zu finden, welche kostenoptimal über die betroffenen Funktionsbereiche ist.

Erst wenn diese Standardprozesse für die beteiligten Gesellschaften und Funktionen (z.B. Prinzipalgesellschaft, Produktion, Vertrieb) mit den zulässigen Varianten sauber definiert sind, haben alle Beteiligten einen Orientierungsrahmen. Dieser kann auch zur Überprüfung der Compliance herangezogen werden. Idealerweise werden die unterschiedlichen Prozessvarianten immer im gleichen Formular-Typ abgebildet.

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