Sustainability People Pulse: Stimmungswende im Nachhaltigkeitsmanagement nach „Omnibuschock“
Index dreht ins Positive
Das Stimmungsbarometer für Nachhaltigkeitsverantwortliche im deutschsprachigen Raum, der „Sustainability People Pulse“, meldet in seiner fünften Ausgabe eine spürbare Erholung. Der Pulse-Index klettert auf 54,91 von 100 möglichen Punkten – ein Zuwachs von 2,18 Punkten gegenüber der Vorerhebung. Noch bedeutsamer: Auch die Erwartungshaltung dreht erstmals seit dem regulatorischen Einschnitt durch den EU-Omnibus ins Positive. An der quantitativen Online-Erhebung vom Februar 2026 beteiligten sich 648 Fachpersonen, darunter 441 Nachhaltigkeitsmanager:innen aus Unternehmen sowie 207 Berater:innen.
Interner Rückhalt bleibt das Kernproblem
Trotz der aufgehellten Stimmung bleibt die Lage herausfordernd. Als größte Hürde nennen 32,6 Prozent der Befragten mangelnde interne Relevanz und Akzeptanz von Nachhaltigkeit im eigenen Unternehmen. Dahinter folgen Budget- und Ressourcenmangel (27,7 Prozent) sowie die anhaltende regulatorische Unsicherheit (24,5 Prozent). Das Bild ist konsistent: Die sachliche Relevanz von Nachhaltigkeit wird nicht grundsätzlich in Frage gestellt – wohl aber ihre organisatorische Verankerung und wirtschaftliche Priorisierung.
Vom Reporting-Zwang zum Business Case
Ein zentraler Befund der aktuellen Ausgabe ist die sich abzeichnende strategische Neuausrichtung. 16,7 Prozent der Befragten sehen den Shift von der reinen Reporting-Pflichterfüllung hin zu einem echten Business Case und strategischer Integration als prägendsten Trend der kommenden Monate – knapp hinter den nach wie vor dominierenden regulatorischen Entwicklungen (19,6 Prozent). Die Integration von KI ins Nachhaltigkeitsmanagement taucht bereits auf Platz vier auf (11,2 Prozent) und signalisiert, dass technologische Transformation zunehmend als Hebel wahrgenommen wird.
Dr. Andreas Gruber, Chief Sustainability Officer der DKB, die als strategischer Partner des Pulse auftritt, spricht in diesem Zusammenhang von einem „neuen Realismus" und einem „magischen Dreieck aus Resilienz, Monetarisierung und einer neuen, KI-gestützten Datenbasis“.
Strukturwandel: Marktlogik löst Regulatorik ab
Auf Basis von 305 Freitextantworten diagnostiziert der Pulse einen tiefergehenden strukturellen Wandel: Die Treiberfunktion, die bislang vor allem die Regulatorik innehatte, wird zunehmend von Markt- und Kapitallogik übernommen. Kundenanforderungen, Lieferkettenratings sowie Bewertungen durch Banken und Investoren rücken als Steuerungsimpulse in den Vordergrund.
Tabea Leukhardt, Chief Impact Officer bei Sustainability People, bringt die Konsequenz auf den Punkt: Unternehmen, die Nachhaltigkeit strategisch verankert haben, werden diese Phase gestärkt durchlaufen – jene, die primär regulatorisch getrieben waren, stehen nun vor einer Bewährungsprobe. Alexander Kraemer, Gründer von Sustainability People, sieht darin eine fundamentale Zäsur: Nicht mehr der Gesetzgeber, sondern die Organisation selbst entscheide künftig über die Ausrichtung von Nachhaltigkeitsmanagement – und damit auch über dessen Zukunft.
Über den Pulse
Der Sustainability People Pulse wird vierteljährlich von der Sustainability People Company erhoben, einem Spezialisten für Interimslösungen im ESG-Management. Ziel ist es, sowohl aktuelle Stimmungen als auch künftige Entwicklungen innerhalb von Unternehmen abzubilden. Weitere Informationen finden Interessierte unter sustainability-people.com/pulse .
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