Nachfolgeberatung

Wie Steuerberater zu Unternehmensnachfolgen beraten


Wie Steuerberater zu Unternehmensnachfolgen beraten

Der Beratungsbedarf bei Unternehmensnachfolgen steigt rapide. Gleichzeitig beeinflusst die Digitalisierung die Nachfolge zusehends. Unternehmen ohne digitale Substanz geraten ins Hintertreffen. Steuerberater sollten daher schon sehr frühzeitig beratend eingreifen.

Die Unternehmensnachfolge war lange Zeit eine Frage der Vermögensübertragung und familiärer Regelungen. Heute verändert sich dieses Verständnis grundlegend. Immer mehr Betriebe stehen vor der Übergabe, doch passende Nachfolger fehlen häufig. Während einerseits 215.000 Unternehmer 2025 ihre Firma übergeben wollen, entscheiden sich andererseits 31.000 Betriebe bewusst für die Stilllegung – das sind 67.500 mehr als im Vorjahr; so die Zahlen des aktuellen Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2024 der KfW.

Den Marktbeobachtern der KfW zufolge gewinnen bewusste Entscheidungen für eine Geschäftsaufgabe immer mehr an Bedeutung. Hauptgrund für die Pläne zur Stilllegung ist das Alter. Die ungünstige demografische Entwicklung bei den Inhabern im Mittelstand schreitet noch schneller voran als in der Gesamtbevölkerung Deutschlands. Aber auch von den 215.000 Unternehmen, die in diesem Jahr eine Nachfolge anstreben, werden es den Prognosen der KfW zufolge zum Ende dieses Jahres 43.000 Unternehmen nicht geschafft haben, einen Nachfolger zu finden.

Steuerkanzlei sieht Nachfolge als unternehmerische Aufgabe

Entsprechend wächst der Bedarf an einer umfassenden Nachfolgeberatung: Sie muss heute nicht nur steuerliche und rechtliche Fragen klären, sondern auch strategische, digitale und kulturelle Aspekte integrieren. Entsprechend müssen sich auch Steuerkanzleien auf diese Anforderungen einstellen. Die Steuerberatungsgesellschaft Kluge/Steinmüller im sächsischen Auerbach setzt als spezialisierte Kanzlei für Unternehmensnachfolge ihre Nachfolgeberatung bei den Mandanten zu 100 Prozent strategisch an. Die Steuerkanzlei schreibt den Unternehmern die Regelung der Unternehmensnachfolge als unternehmerische Aufgabe auf ihre Agenda. "Nachfolge hat nichts mit einem Alter zu tun, sondern kann zu jedem Zeitpunkt eintreten. Den Unterschied macht es nur, ob eine geplante oder ungeplante Unternehmensnachfolge vorliegt", begründet Carola Kluge, Steuerberaterin und Fachberaterin für Unternehmensnachfolge, diesen Ansatz. Die eigentliche Übergabe des Unternehmens sei letztlich nur ein Teil der Unternehmensnachfolge.

Die Beratung von Steuerberatern zur Unternehmensnachfolge wird komplexer und beginnt deutlich früher

Auch bei der BWLC GmbH Steuerberater Rechtsanwälte stellt man eine seit Jahren zunehmende Beratungsnachfrage fest. Als Hauptgrund sieht man auch hier die demografische Entwicklung: Eine große Zahl der Unternehmer erreicht in den nächsten Jahren das Rentenalter. Gleichzeitig sinkt die Zahl der potenziellen familieninternen Nachfolger. "Das führt dazu, dass externe Lösungen häufiger gesucht werden und die Beratung insgesamt komplexer wird", sagt Nils Ruttkamp, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Steuerrecht, der als Mitglied der Geschäftsführung auch die Abteilung rund um die Unternehmensnachfolge mitverantwortet. Hinzu komme, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen, insbesondere im Steuer- und Gesellschaftsrecht, für die meisten Mandanten kaum zu überblicken sind. "Es geht längst nicht mehr nur darum, den Betrieb ‚irgendwie‘ an die nächste Generation zu übergeben, sondern um steueroptimierte, rechtssichere und vor allem tragfähige Strukturen. Deshalb erleben wir, dass Nachfolgefragen deutlich früher gestellt werden als noch vor einigen Jahren – häufig schon zehn Jahre vor dem eigentlichen Übergabezeitpunkt", sagt Ruttkamp.

Steuerliche Gestaltung und familiäre Dimensionen sind noch immer bestimmend bei den Fragen zur Unternehmensnachfolge

Das präsenteste Thema ist in der Regel nach wie vor die steuerliche Gestaltung. "Viele Unternehmer sorgen sich, dass durch Erbschaft- oder Schenkungsteuer Werte aus dem Unternehmen abfließen, die die Nachfolger belasten oder gar die Existenz des Betriebs gefährden könnten. Entsprechend groß ist der Wunsch nach Gestaltungen, die Freibeträge optimal nutzen, Bewertungen steuern und Liquidität sichern", so Ruttkamp.

Daneben spielt die familiäre Dimension eine erhebliche Rolle. Oft stehen Fragen im Raum wie: "Wie binde ich alle Kinder gerecht ein?" oder "Wie verhindere ich Streit in der Familie?" – besonders, wenn nicht alle Nachkommen im Unternehmen tätig sind. "Hier prallen Emotionen und wirtschaftliche Interessen aufeinander, was eine ausgewogene und rechtssichere Lösung umso wichtiger macht", sagt Ruttkamp, der auch die Absicherung der übergebenden Generation als ein zentrales Thema sieht: "Viele Unternehmer möchten zwar Verantwortung abgeben, aber gleichzeitig ihren Lebensstandard und die eigene Versorgung dauerhaft sichern. Diese Balance zwischen Loslassen und Absicherung ist häufig eine große Herausforderung."

Nachfolgeberatung ist für Steuerberater dauerhafte Begleitung statt einmalige Beratung

Der demografische Wandel beeinflusst das Thema der Nachfolge ebenso wie gesellschaftliche Umbrüche und veränderte Karriereziele der nächsten Generation. Damit verschiebt sich Nachfolgeberatung von einer einmaligen Transaktionshilfe zu einem kontinuierlichen Transformationsprozess. So auch bei der neo-Kanzlei, die in einem mittelständisch geprägten Umfeld agiert. Dort wird von den Unternehmen bei Transaktionen am meisten Wert auf die familiäre und kommunikative Seite gelegt. "Steuerliche Optimierungen und Unternehmensbewertung spielen natürlich auch eine Rolle, aber eine Nachfolgelösung nur aus steuerlicher Sicht gedacht, wird der Wichtigkeit des Themas keinesfalls gerecht und führt in den seltensten Fällen zu einer – für alle Beteiligten – zufriedenstellenden Lösung", sagt Thomas Stangl, Steuerberater und Fachberater für Unternehmensnachfolge bei neo Kanzlei. Auch er betont: "Die Unternehmensnachfolge ist nicht ein einmaliger Akt, sondern ein Prozess, den es als Steuerberater aktiv zu begleiten gilt."

Ausdifferenzierung bringt zusätzliche Beratungsfelder

Was ebenfalls für eine aktive Begleitung spricht: Marktbeobachter gehen davon aus, dass sich der Nachfolgemarkt in den kommenden Jahren ausdifferenzieren wird. Weg von der einen Nachfolgelösung hin zu mehreren Modellen: klassische familieninterne Übergaben (mit sinkender Quote), Verkäufe an externe Nachfolger, Management-Buyouts, Beteiligungsmodelle mit Investoren und auch Stilllegungen, die allesamt professionell begleitet werden müssen. Diese langfristige Begleitung ist wichtig, um frühzeitig die richtigen Weichen zu stellen.

"Viele Unternehmer schmieden ihren Plan, jedoch ohne die Nachfolger", sagt Clara Kluge. Ebenso kommen auf die aktuellen Eigentümer Veränderungen zu. "Prozesse und Organisationen von Unternehmen müssen sich vor der Betriebsübergabe verändern", betont Kluge. Es gebe aber auch Unternehmen, die schlichtweg nicht zu übergeben sind, weil die Ertragslage und das Potenzial nicht sichtbar seien, so die Fachberaterin für Unternehmensnachfolge.

Digitalisierung ist ein Erfolgsfaktor für eine reibungslose Nachfolge

Hinzukommt, dass sich auch die Erwartungen der Nachfolger in den vergangenen Jahren verändert haben: Sie suchen nicht nur stabile Betriebe, sondern zukunftsfähige Modelle. Wer das Unternehmen übernimmt, will Transformation, nicht nur Fortführung. Eine immer größere Rolle kommt dabei der Digitalisierung zu – sowohl für die Unternehmensnachfolge als auch in der Beratung. Sie ist mittlerweile ein entscheidender Faktor bei Nachfolgeregelungen. "Unternehmen, die ihre Prozesse, Buchhaltung, Kommunikation oder ihr Geschäftsmodell nicht rechtzeitig digitalisiert haben, wirken für potenzielle Nachfolger häufig wie ein ‚Sanierungsfall‘", sagt Nils Ruttkamp. Der Nachfolger sehe sich dann mit erheblichen Investitionen konfrontiert, um das Unternehmen überhaupt zukunftsfähig zu machen. Das schreckt viele ab oder wirkt sich negativ auf den Kaufpreis aus.

Bei BWLC hat man die Erfahrung gemacht, dass sich gleich zwei Vorteile ergeben, wenn Unternehmen frühzeitig in Digitalisierung investieren. "Zum einen steigt die Attraktivität des Unternehmens für Nachfolger oder Investoren. Zum anderen wird der Übergabeprozess selbst deutlich einfacher, weil Strukturen transparent, Daten verfügbar und Entscheidungswege kürzer sind", sagt Ruttkamp. Digitalisierung sei damit nicht nur ein Wettbewerbsvorteil im laufenden Geschäft, sondern auch ein entscheidender Erfolgsfaktor für eine reibungslose Nachfolge.


Schlagworte zum Thema:  Steuerberatung
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