Berufsausbildung weiterentwickeln: Was Bildungsforscher raten
Beim Thema "Berufsausbildung" stehen Azubis, Ausbilder, Gewerkschafter und Politiker zurzeit vor großen Herausforderungen: Digitalisierung, Internationalisierung, Integration von Flüchtlingen, der Trend zur Akademisierung und Besetzungsprobleme.
Und immer wieder gibt es Hiobsbotschaften zu diesen Herausforderungen in der Berufsbildung zu hören – so musste Bundesbildungsministerin Johanna Wanka etwa im April bei der Vorstellung des "Berufsbildungsberichts 2017" einen neuen Höchststand von 43.500 unbesetzten Ausbildungsstellen vermelden. Auf der Bewerberseite sieht es nicht besser aus: Dem Höchsstand an unbesetzten Lehrstellen stand im April eine Zahl von 20.600 unversorgten Bewerbern gegenüber.
Berufsausbildung: Infos und Impulse aus dem "BIBB-Jahresbericht 2016"
Wie der Ausbildungsmarkt zurzeit angesichts dieser Herausforderungen dasteht, wo es besonderen Handlungsbedarf gibt und wie konkrete Maßnahmen für die Weiterentwicklung der Berufsausbildung aussehen könnten, zeigt nun der neue "BIBB-Jahresbericht 2016" des Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Die BIBB-Forscher versammeln darin ausgewählte Daten, Analysen und Programme zu den aktuellen Handlungsfeldern.
Ein kurzer Überblick über die Infos und Impulse, die die Bildungsforscher in ihrem Jahresbericht zu aktuellen Herausforderungen geben:
- Status quo des Ausbildungsmarkts: Die Datenanalyse zeigt: Die Zahl der Auszubildenden und der ausbildenden Betriebe geht weiter zurück, vor allem im kleinbetrieblichen Bereich – und das trotz hoher Beschäftigung und einer hohen Zahl offener Stellen. Und den aktuellen Berufsprojektionen zufolge wird es bis 2035 Engpässe bei fachlichen Tätigkeiten trotz wachsender Bevölkerung sowie erhebliche Verschiebungen in der Qualifikationsstruktur der Erwerbspersonen geben.
- Weiterentwicklung des Ausbildungssystems: Für ein modernes und leistungsfähiges Ausbildungssystem und zur Weiterentwicklung der Qualität in der beruflichen Bildung ist die Initiative " Fachkräftequalifikationen und Kompetenzen für die digitalisierte Arbeit von morgen" mit mehreren Projekten gestartet, die das BIBB und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam verantworten. Dabei legt beispielsweise eine Untersuchung zur Zukunft der IT-Berufe nahe, bei diesen Berufen eine inhaltliche und strukturelle Revision vorzunehmen. Weitere Untersuchungen zeigen, dass neben dem Lesen, Rechnen und Schreiben die Medienkompetenz zur vierten Schlüsselkompetenz wird. Daher gilt es insbesondere, diese Kompetenz des Lehrpersonals an Schulen und Berufsschulen sowie des Ausbildungspersonals in Betrieben weiterzuentwickeln. (Mehr zur Weiterentwicklung der Medienkompetenz von Azubis lesen Sie hier.)
- Integration von Flüchtlingen: Ein BIBB-Positionspapier zur Integration von Flüchtlingen benennt in zehn Kernpunkten, wie es gelingen kann, jungen Geflüchteten ausgehend von ihren Potenzialen den Zugang in eine berufliche Ausbildung zu ermöglichen und sie im weiteren Verlauf zu unterstützen. Dabei gilt es, bestehende Regelungen der Flexibilisierung der dualen Ausbildung auszuschöpfen, Förderinstrumente und -konzepte von der Berufsorientierung bis zur Nachqualifizierung weiterzuentwickeln und diese mit einer durchgängigen, systematischen und berufsorientierenden Sprachförderung zu kombinieren. (Mehr zum BIBB-Positionspapier zur Integration von Flüchtlingen lesen Sie hier.)
- Internationalisierung: Das vom BIBB betriebene Portal der Bundesregierung zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen ist inzwischen in neun Sprachen verfügbar, die Fünf-Millionen-Besuchergrenze wurde überschritten. Seit dem vergangenen Jahr ist es außerdem deutsches Beratungszentrum für Fragen zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen auf EU-Ebene . Und die Apprenticeship Toolbox, ein europäisches Online-Instrument, beschreibt die Kernmerkmale der dualen Ausbildungssysteme in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Luxemburg und Dänemark und stellt Originalmaterial wie Gesetzgebungstexte und Muster für Ausbildungsverträge zur Verfügung.
Zum Weiterlesen:
Der komplette "BIBB-Jahresbericht" steht hier kostenlos zum Download bereit.
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