| Fremdwährungstransaktionen

Kostenfalle Auslandsüberweisungen

Bild: Haufe Online Redaktion

Die Banken können selbst bestimmen, zu welchen Kursen sie Euros in Fremdwährungen umtauschen. Dadurch ist die Beschaffung im Ausland am Ende oft teurer als gedacht. Unternehmen haben allerdings die Möglichkeit, mit ihren Kreditinstituten die Konditionen individuell auszuhandeln.

Beim Einkauf in der Euro-Zone kann es keine Überraschungen bei der Umrechnung geben. Auch nicht bei den Gebühren. Diese dürfen im SEPA-Raum nicht höher sein als bei inländischen Überweisungen. Ganz anders ist dies bei Geschäften im Nicht-EU-Ausland. Von dort bezog die gewerbliche Wirtschaft im Jahr 2013 Rohstoffe und Halbwaren im Wert von rund 70 Milliarden Euro. Die Bezahlung der Lieferanten erfolgt in der Regel in deren Heimatwährungen oder in Dollar als Transaktionswährung. Zunächst erfolgt also ein Umtausch des Euro zum Beispiel in Yen oder türkische Lira und dann erst die Überweisung.

„Marge“ verschlechtert Umtauschkurs

Auf der Webseite des Bankenverbandes findet man einen Währungsrechner. Dieser basiert auf tagesaktuellen Durchschnittswerten von internationalen Devisenmärkten, die von einem internationalen Informationsdienstleister zusammengestellt werden. Doch handelt es sich bei diesen vermeintlichen „offiziellen“ Umtauschkursen um Interbanken-Kurse. Es sind nicht die Kurse, zu denen tatsächlich getauscht wird; sie gelten nur für den Devisenhandel der Banken untereinander.

In der Regel wird noch eine Marge - „spread“ – aufgeschlagen. Die so gegenüber den Kunden bei Auslandszahlungen berechneten Kurse können deutlich über den Interbanken-Kursen liegen (siehe „Stichprobe). Sie werden von den Kreditinstituten für jede einzelne Währung „unter Berücksichtigung der zum Abrechnungstermin im internationalen Devisenmarkt für die jeweilige Währung gehandelten Kurse“ einmal täglich „ermittelt“. Am 3. Dezember 2014 bekam man zum Beispiel bei einer großen deutschen Geschäftsbank bei einer Überweisung in Neuer Israelischer Schekel (ILS) für einen Euro nur 4,7189 ILS.

Zum Interbanken-Kurs wären es 4,917 ILS gewesen. Der Spread betrug in diesem Fall 4 %. Hinzu kommen Überweisungsgebühren. Während diese innerhalb der EU nach dem SEPA-Abkommen nicht höher sein dürfen als bei inländischen Transaktionen, gibt es bei Überweisungen in andere Staaten keine gesetzliche Höchstgrenze. Jede Bank kann ihre Konditionen frei bestimmen. Aktuell werden neben einem Fixbetrag zurzeit etwa 0,15 % bis 0,2 % von der Überweisungssumme in Rechnung gestellt. Wettbewerbsvergleiche sind schwierig. Eine tagesaktuelle Gegenüberstellung der Konditionen der einzelnen Banken wird nicht veröffentlicht. Zudem legen die Institute ihre individuellen Kurse zu unterschiedlichen Zeiten fest. Bei den Gebühren wird mit unterschiedlichen Staffelungen gearbeitet. Am Ende wird in dem Bankbeleg oft nur ein „Umrechnungskurs“ ausgewiesen, der sowohl die Währungsumrechnung als auch die Gebühren beinhaltet. Die Gebühren-Autonomie der Banken ist in § 675 des Bürgerlichen Gesetzbuches geregelt und manifestiert sich im Kleingedruckten der Allgemeinen Geschäftsbedingungen.

Geldkurs/Briefkurs

Ein Wechselkurs wird in der Regel als Geldkurs und Briefkurs angegeben. Der Geldkurs stellt dar, was man in der Kurswährung erhält, wenn man eine Einheit der Basiswährung, zum Beispiel einen Euro, verkauft. Der Briefkurs stellt dar, was man in der Kurswährung, zum Beispiel dem Dollar bezahlen muss, um eine Einheit der Basiswährung, zum Beispiel einen Euro, zu erhalten.

Prozentuale Gebühren

Aus dem Preis-/Leistungsverzeichnis einer deutschen Geschäftsbank:

Entgelte für die Ausführung von Überweisungsaufträgen

Transaktionsbezogene Entgelte

  • Beträge unter 250,00 EUR 10,00 EUR
  • Beträge ab 250,00 EUR 1,5 ‰, Minimum 12,50 EUR

Sonstige Entgelte

Währungsumrechnung bei einer Überweisung in einer anderen Währung als der Kontowährung

  • Beträge unter 12.500,00 EUR 5,00 EUR
  • Beträge ab 12.500,00 EUR 0,5 ‰

Bankkonditionen individuell gestalten

Bankkonditionen unterliegen den Gesetzen des freien Marktes und können frei ausgehandelt werden. Bei großen Unternehmen ist dies gang und gäbe. Vielen Mittelständlern dagegen ist weder die Problematik noch die Möglichkeit der individuellen Gestaltung bekannt. Das gilt für einzelne Positionen eines Preis-Leistungsverzeichnisses. Unternehmen mit professionellem Währungsmanagement vereinbaren mit der Bank in der Regel individuelle Margen beziehungsweise Spreads. Gibt es eine solche Vereinbarung nicht, sprechen sie zunächst mit der Bank und erzielen eine Einigung auf eine tagesaktuelle – „heutige“ Marge oder Kurs, bevor eine Zahlung in Fremdwährung erfolgt. Natürlich können große Firmen ihr Gewicht besonders in die Waagschale werfen. Doch in Anbetracht des immer härteren Wettbewerbs zwischen den Instituten sind auch für KMU die Karten besser geworden. Keine Bank oder Sparkasse verliert gern einen guten Kunden. Inzwischen versuchen auch alternative Überweisungsdienste wie Western Union oder Transfair Wise im Firmenkundengeschäft Fuß zu fassen. Sie versprechen fixe oder prozentuale Gebühren und einen Umtausch zum offiziellen Interbanken-Kurs. Allerdings sind diese Angebote noch relativ neu. Verlässliche Übersichten und Vergleiche der Anbieter gibt es nicht. Gleiches gilt für freie Broker. Diese erzielen laut eigenen Angaben oft noch günstigere Kurse als der Interbankenkurs im so genannten „Pips“-Bereich. Pips sind die Werte der vierten Nachkommastelle.

Fremdwährungskonten

Eine weitere Alternative sind Fremdwährungskonten. Diese können bei jeder Bank in ausländischer Währung geführt werden. Aus ihnen lassen sich laufende Zahlungen ohne Kursumrechnung leisten und vereinnahmen. Es fallen lediglich Gebühren an. Das Konto kann auch spekulativ eingesetzt werden – in der Erwartung einer ungünstigen Wechselkursentwicklung des Euro gegenüber der jeweiligen Fremdwährung. Das Verlustrisiko ist entsprechend. Im Idealfall halten sich ein- und ausgehende Zahlungen die Waage.

Die Stichprobe

Die Devisenmarktkurse: So ermittelte eine Geschäftsbank am 3.12.2014 aufgrund eigener aktueller Marktquotierungen im Devisenhandel „ihre“ Kurse und publiziert diese auf ihrer Webseite. In den Erläuterungen dazu heißt es: „Ausgehend von den ermittelten Devisenmarktkursen rechnet die Bank Devisengeschäfte ihrer Kunden zum jeweiligen die Geld- bzw. Briefkurs (An- bzw. Verkaufskurs) ab, sofern keine individuellen Währungsgeschäfte vereinbart werden. Eine fortlaufende untertägige Aktualisierung dieser Kurse findet nicht statt.“ Die nachfolgenden Kurse entsprechen dem Gegenwert von einem Euro.

Währung

Land

Geldkurs Geschäftsbank

Interbanken-Kurs

./.

USD

USA

1,2293

1,244

1,4%

GBP

Großbritannien

0,7851

0,792

0,8%

JPY

Japan

146,95

147,745

0,5%

CHF

Schweiz

1,2012

1,204

0,2%

CAD

Kanada

1,3965

1,413

1,2%

AED

Verein. Arab. Emirate

4,4560

4,569

2,5%

ILS

Israel

4,7189

4,917

4,0%

PLN

Polen

4,0913

4,172

1,9%

TRY

Türkei

2,7167

2,765

1,7%

Schlagworte zum Thema:  Fremdwährung, Kurs, Gebühren, Bank

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