Eigenleistungen

Zusammenfassung

 

Begriff

Eigenleistungen sind Aufwendungen, die im Unternehmen anfallen, um ein Wirtschaftsgut auf eigene Kosten und Gefahr herzustellen oder in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen. Diese Kosten dürfen den laufenden Gewinn nicht mindern, sondern werden den Anschaffungs- oder Herstellungskosten des Wirtschaftsguts zugerechnet. Sie bilden zudem die Bemessungsgrundlage für die Abschreibung.

 

Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

§ 255 Abs. 1 HGB, § 255 Abs. 2-3 HGB, § 255 Abs. 3 S. 2 HGB; § 4 Abs. 1 Satz 1 EStG, § 4 Abs. 5b EStG, § 5 Abs. 1 Satz 1 Hs. 2 EStG, § 5 Abs. 1 Satz 2 EStG, § 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG,

§ 6 Abs. 1 Nr. 1b EStG, § 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 1 EStG, § 6 Abs. 2 EStG, § 6 Abs. 2a EStG, § 5 Abs. 1a-4b, Abs. 6, §§ 6, 6a, 7 EStG, § 9b Abs. 1 EStG, § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG; § 60 Abs. 2 Satz 1 EStDV, R 6.3 EStR, R 9b EStR, 6.3 EStH.

1 Im Handelsrecht gibt es Wahlrechte

Eigenleistungen können sowohl bei den Anschaffungs- als auch bei den Herstellungskosten entstehen.

1.1 Anschaffungskosten setzen einen Erwerbsvorgang voraus

Anschaffungskosten[1] sind Aufwendungen, die entstehen, um einen Vermögensgegenstand zu erwerben und ihn in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen. Hierzu können neben den Anschaffungskosten auch noch weitere Kosten im eigenen Betrieb entstehen. Die Kosten für Eigenleistungen müssen dem Vermögensgegenstand einzeln zugeordnet werden können. Gemeinkosten (z. B. Lohnkosten oder Kosten für die Aufstellung und Inbetriebnahme des Wirtschaftsguts durch eigene Arbeitnehmer) gehören nicht zu den Anschaffungskosten.

1.2 Herstellungskosten entstehen bei der Produktion des Wirtschaftsguts auf eigene Rechnung und Gefahr

Herstellungskosten[1] sind Aufwendungen, die durch

  • den Verbrauch von Gütern und
  • die Inanspruchnahme von Diensten

für die Herstellung eines Vermögensgegenstands, seine Erweiterung oder für eine über seinen ursprünglichen Zustand hinausgehende wesentliche Verbesserung entstehen. Zu den Herstellungskosten gehören Kosten, die unmittelbar der Herstellung dienen, und Aufwendungen, die zwangsläufig mit der Herstellung anfallen oder mit der Herstellung in einem engen wirtschaftlichen Zusammenhang stehen.

Dazu gehören die

  • Materialkosten,
  • Fertigungskosten und
  • Sonderkosten der Fertigung.

Daneben sind angemessene Teile der Materialgemeinkosten, der Fertigungsgemeinkosten und des Wertverzehrs des Anlagevermögens (Abschreibung) zu berücksichtigen, soweit dieser durch die Fertigung veranlasst ist.

Zusätzlich dürfen (Wahlrecht) auch

  • angemessene Kosten der allgemeinen Verwaltung sowie
  • angemessene Aufwendungen

    • für soziale Einrichtungen des Betriebs,
    • für freiwillige soziale Leistungen und
    • für die betriebliche Altersversorgung

einbezogen werden.

Aktiviert werden aber nur die Kosten, soweit sie auf den Zeitraum der Herstellung entfallen.

Für Forschungs- und Vertriebskosten bestehen Aktivierungsverbote.

Zinsen für Fremdkapital sind nicht den Herstellungskosten zuzurechnen. Können jedoch die Zinsen für das Fremdkapital einem Vermögensgegenstand einzeln zugerechnet werden, dürfen sie angesetzt werden. Aber auch hier wieder, soweit sie auf den Zeitraum der Herstellung entfallen. In diesem Fall gelten sie als Herstellungskosten des Vermögensgegenstands.

1.3 Wahrechte bei Zuordnung der laufenden Kosten zu den Herstellungskosten

 
Kostenarten Aktivierungspflicht Aktivierungswahlrecht Aktivierungsverbot
Materialkosten (Einzelkosten) X    
Fertigungskosten (Einzelkosten) X    
Sonderkosten der Fertigung (Einzelkosten) X    
Materialgemeinkosten X    
Fertigungsgemeinkosten X    
Wertverzehr des Anlagevermögens (Abschreibung), soweit dieser der Fertigung dient X    
Kosten der allgemeinen Verwaltung   X  
Aufwendungen für soziale Einrichtungen des Betriebs   X  
Aufwendungen für freiwillige soziale Leistungen   X  
Kosten der betrieblichen Altersversorgung   X  
Zinsen für Fremdkapital     X
Zinsen für Fremdkapital, soweit sie auf den Zeitraum der Herstellung entfallen   X  
Forschungs- und Vertriebskosten     X
Einkommen- u. Gewerbesteuer     X

Tab. 1: Handelsrechtliche Aktivierungspflichten, -wahlrechte und -verbote

2 Ab 2016 und auch rückwirkend stimmen Handels- und Steuerbilanz überein

Im Gesetz zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens wurde in § 6 EStG eine neue Nr. 1b eingefügt. Hierdurch wird das handelsrechtliche Aktivierungswahlrecht für

  • Kosten der allgemeinen Verwaltung
  • Aufwendungen für soziale Einrichtungen des Betriebs
  • freiwillige soziale Leistungen und
  • betriebliche Altersversorgung

in die Steuerbilanz übernommen. Voraussetzung für die Berücksichtigung als Teil der Herstellungskosten in der Steuerbilanz ist, dass in der Handelsbilanz entsprechend verfahren wurde. Der Ansatz in der Handels- und Steuerbilanz muss damit übereinstimmen.[1]

2.1 Die neue Rechtslage gilt auch rückwirkend

Der neue § 6 Abs. 1 Nr. 1b EStG kann auch für Wirtschaftsjahre berücksichtigt werden, die vor dem Tag der Verkündung des Änderungsgesetzes enden. Im Klartext: Das Gesetz gilt für alle Wirtschaftsjahre, in denen ein Wahlrecht noch ausgeübt werden kann.[1]

2.2 Die EStR 2008 leben wieder auf

Die neue Rechtslage entspricht der langjährigen Verwalt...

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