Der Erbschein ist eine öffentliche Urkunde, mit der Dritten gegenüber nachgewiesen werden kann, wer in welchem Umfang legitimer Erbe ist.

Der Erbschein wird auf Antrag des Erben vom Nachlassgericht ausgestellt. Bei mehreren Erben werden dort die jeweiligen Anteile aller Miterben ausgewiesen (gemeinschaftlicher Erbschein). Beschränkungen des Erbrechts, wie z. B. eine Vor- oder Nacherbschaft, werden ebenfalls im Erbschein festgehalten.

Bei Eintritt der gesetzlichen Erbfolge müssen der Verwandtschaftsgrad, die Ehe oder eingetragene Lebensgemeinschaft durch das Familienstammbuch oder andere öffentliche Urkunden nachgewiesen werden. Wird der Erbschein aufgrund eines Testaments oder eines Erbvertrags beantragt, sind diese Dokumente vorzulegen.

Erbschein genießt öffentlichen Glauben

Der Nachweis des Erbrechts ist wichtig für Rechtsgeschäfte mit Wirkung für oder gegen den Nachlass. Denn der Erbschein enthält die Vermutung, dass dem dort ausgewiesenen Erben das Erbrecht auch tatsächlich zusteht (§ 2365 BGB); er genießt öffentlichen Glauben (§ 2366 BGB). Beim Erwerb eines Nachlassgegenstandes oder bei Leistungen an den Erbscheinserben wird der gutgläubige Dritte geschützt, der auf die Richtigkeit des Erbscheines vertrauen darf. Stellt sich im Nachhinein die Unrichtigkeit des Erbscheins heraus, bleiben diese Geschäfte wirksam. Der Erbschein muss dann allerdings vom Nachlassgericht eingezogen oder für kraftlos erklärt werden.

Erbschein nicht immer erforderlich

Kann das Erbrecht auf andere Weise zweifelsfrei nachgewiesen werden, ist die Vorlage des kostenpflichtigen Erbscheins entbehrlich. Bei Banken und Versicherungen z. B. ist die Vorlage eines beglaubigten Testaments oder eines wirksamen Erbvertrags ausreichend. Anderes gilt nur bei besonderen Rechtsgeschäften: So kann z. B. für die Umschreibung von Rechten im Grundbuch der Nachweis der Erbfolge grundsätzlich nur durch einen Erbschein geführt werden (§ 35 Abs. 1 Satz 1 Grundbuchordnung).

News 31.03.2017 Sparkassen-AGB

AGB einer Sparkasse, die Transaktionen von Erben mit unterschiedlichen Gebühren belegt, je nachdem, ob die Erben ihre Erbenstellung durch Erbschein oder durch  Testament nachweisen, sind unzulässig.mehr

News 09.04.2015 Schwabinger Kunstfund

Das AG München hat dem Antrag des Kunstmuseums Bern auf Erteilung eines Erbscheins über den Nachlass von Cornelius Gurlitt stattgegeben. Damit ist der Weg für den Nachlass in die Schweiz aber noch nicht frei.mehr

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Ein neues Gesetz wird zukünftig gewährleisten, dass auch die früher bei den Standesämtern geführten sog. „weißen Karteikarten“, auf denen die Geburt nichteheliche oder einzeladoptierte Kinder registriert wurden, in das elektronisch geführte Zentrale Testamentsregister bei der Bundesnotarkammer übernommen werden. Die Gefahr des Ausstellens unrichtiger Erbscheine wird dadurch beseitigt.mehr

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Holt das Gericht im Erbscheinsverfahren ein Gutachten ein, so haftet der Antragsteller auch für solche Sachverständigenauslagen, die allein auf Grund der Einwände eines Dritten veranlasst wurden. Das Gericht muss aber prüfen, ob es diese Kosten billigerweise dem anderen auferlegt.mehr

News 02.07.2012 Europäische Erbrechtsverordnung

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