Kanzleiführung

Kanzlei gestalten statt verwalten: Gute Führung ist kein Zufall


Kollegen treffen

Die Steuerbranche durchläuft eine richtungsweisende Phase. Jetzt entscheiden klare Prioritäten über den Kanzleierfolg.

Viele Jahrzehnte lang konnten Steuerberatende gelassen an neuen Entwicklungen und Gesetzen entlang weitermachen in der Gewissheit, dass sich am Ende alles finden würde. Der globale Wandel, die Digitalisierung und insbesondere KI und der Fachkräftemangel änderten die Spielregeln. Heute ist klar: Voll ausgelastet zu sein, ist nicht gleichbedeutend mit wirtschaftlicher Stabilität.

Aussitzen lässt sich der Wandel nicht. Steuerkanzleien haben zwar selten Probleme, neue Mandate zu finden. Das heißt aber nicht, dass sie damit auch erfolgreich geführt werden, zukunftsfest und wettbewerbsfähig sind oder gar mühelos wachsen. Denn solche wichtigen Entwicklungen finden nicht zufällig statt, sondern durch kluge Entscheidungen für Strategie und Klarheit – und deren Umsetzung.

Die innere Haltung entscheidet: Führung als Aufgabe akzeptieren

Wer Führung als Entwicklungsmöglichkeit ernst nimmt, bestimmt über die Zukunft der eigenen Kanzlei. Wer dagegen solchen Entscheidungen lieber ausweicht, den Alltag unverändert weiterlaufen lässt, verliert Möglichkeiten, Spielraum und am Ende auch Mitarbeitende.

Es lohnt sich also für Kanzleiinhaber, keine halben Sachen zu machen, sondern Zufall durch Klarheit und Prioritäten zu ersetzen sowie bewusste Entscheidungen zu treffen. Deshalb sollten Verantwortungsträger in Kanzleien sich folgende Fragen stellen:

  • Welche Spezialisierung bringt die Kanzlei voran? Welche Themen, welche Branche?
  • Welche Werte und welche Kultur sollen die Ausrichtung der Kanzlei bestimmen?
  • Welche Art von Mandanten passt dazu und wie finden die Richtigen zu Ihrem Angebot?
  • Welche Kompetenzen braucht das Kanzleiteam sofort, welche in drei oder fünf Jahren?
  • Welche Entscheidungen müssen für die Digitalisierung der Kanzlei getroffen werden?

Es ist unbequem, aber alternativlos, die richtigen Fragen zu ermitteln und gemeinsam mit dem Kanzleiteam zu beantworten. Denn in diesem Klima der bewussten gemeinsamen Entscheidungen entsteht und wächst Vertrauen. Wenn Kanzleiinhaber Verantwortung übernehmen, erschaffen sie außerdem die Voraussetzungen dafür, dass auch andere es tun. Dieser wichtige Prozess des Umdenkens und Umsetzens kann davon profitieren, wenn Kanzleiverantwortliche sich externe Expertise als Sparringspartner holen.

Wie Kanzleiinhaber strategische Aufgaben angehen können

1. Raum für Strategie schaffen:
Am Unternehmen statt im Unternehmen arbeiten. Für eine erfolgreiche Kanzleiführung ist es entscheidend, dass unternehmerische Tätigkeiten als fester Bestandteil des Aufgabenprofils akzeptiert werden. Um die strategische Weiterentwicklung voranzutreiben, muss explizit sogenannte "Unternehmerzeit" im Kalender geblockt werden. Ein jährlicher Strategietag, außerhalb der Kanzlei, bietet den notwendigen Raum, um sich grundsätzlichen Fragen zu widmen, anstatt sich in operativen Details zu verlieren und erneut ins Tagesgeschäft abzudriften.

Ergänzend dazu hilft die Etablierung einer festen Routine, beispielsweise durch zweistündige Termine in einem kontinuierlichen Rhythmus. Dies ermöglicht es Kanzleiinhabern, den Kopf frei zu bekommen und die langfristige Vision des eigenen Unternehmens stets im Blick zu behalten.

Diese strukturierte Vorgehensweise gewährleistet die Nachhaltigkeit der strategischen Arbeit. Denn eine Vision allein verändert noch keine Kanzlei – der wahre Erfolgsfaktor ist die Kontinuität des Dranbleibens.


2. Sich professionelle Unterstützung von erfahrenen Unternehmensberatern holen:
Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von unternehmerischer Reife. Wer von außen auf Prozesse und Strukturen sieht, bemerkt auch Dinge, die typische "Blind Spots" einer Kanzlei sind.
Externe Sparringspartner bringen Erfahrung und Objektivität mit und eröffnen neue Handlungsspielräume durch das Erarbeiten strukturierter Prozesse. Sie können Themen in einer Kanzlei offen ansprechen, ohne dass sich jemand im Kollegenkreis angegriffen fühlt, und den Finger in Wunden legen, die vorher geflissentlich ignoriert wurden.

Mit einem Strategie-Sparringspartner stellen Kanzleiinhaber Entscheidungen auf solide Füße. Das ist wichtig, denn wie die Zukunft aussieht, ist das Ergebnis dieser Entscheidungen. Die Verantwortung dafür müssen sie nicht abgeben, aber sie können sie teilen. Denn wer nicht gestaltet, wird gestaltet. Jetzt ist der richtige Moment.
 

Über die Autorin:  

Melita Dine  ist Betriebswirtin, Systemischer Coach und Change-Managerin mit Qualifikation zur Business-Trainerin und Spezialisierung in der Personal- und Organisationsentwicklung für Steuerkanzleien. Sie entwickelt Kanzleien und die Menschen dahinter. 


Schlagworte zum Thema:  Kanzleiführung , Kanzleiorganisation
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