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Das sollten Steuerberater zur Ehegattensplitting-Debatte wissen


Das Ehegattensplitting steht seit Jahren in der Kritik. Für Steuerberaterinnen und Steuerberater stellen sich dabei zwei Fragen: Was sind die Argumente? Und was bedeutet das für die Beratung? Schauen Sie sich die Argumente im KlarTAXt-Video an.

Rein steuerlich betrachtet ist das Splitting ein starkes Instrument – besonders für Ehepaare mit unterschiedlichen Einkommen. Es mildert die Progressionswirkung, es verdoppelt Grundfreibetrag und Sparer-Pauschbetrag und Höchstbeträge für Vorsorgeaufwendungen lassen sich doppelt ausschöpfen. 

Dazu kommt das Verfassungsargument: Artikel 6 Absatz 1 Grundgesetz stellt Ehe und Familie unter besonderen Schutz. Befürworter sehen darin eine Pflicht – der Staat darf Ehen nicht schlechter stellen als andere Lebensformen. 

Und ein Nebeneffekt, der in der Debatte kaum auftaucht: Wer sich scheiden lässt und Unterhalt zahlt, kann diesen auf Antrag – und mit Zustimmung des Unterhaltsempfängers – als Sonderausgabe abziehen. Fiele das Splitting weg, ließe sich die geschiedene Ehe steuerlich besser stellen als die intakte. Das wäre eine seltsame Konsequenz.

Doch die steuerlichen Vorteile haben einen Preis: Sie hindern vor allem Frauen daran, mehr zu arbeiten. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat im Auftrag der Bertelsmann Stiftung verheiratete Frauen in Teilzeit zwischen 45 und 66 Jahren befragt. Rund die Hälfte gab an, dass sich eine Ausweitung der Arbeitszeit für sie finanziell nicht lohnen würde. 

Steuerberaterin Franziska Bessau bringt es im Haufe-Interview auf den Punkt: "Das verheerende Signal an Frauen lautet: Es lohnt sich nicht, wenn ich arbeite." Zugleich stellt sie klar: Sachlich sei das eigentlich falsch. Was das Paar verliert, wenn sie mehr arbeitet, ist nicht ihr eigenes Geld – sondern ein Teil des Splittingvorteils, den bisher der besserverdienende Partner genießt. Das fühlt sich zwar an, als lohne sich Arbeit nicht. Aber es stimmt eben nicht ganz. Der Eindruck täuscht – und wirkt trotzdem. 

Hinzu kommt ein weiterer Kritikpunkt: Das Splitting fördert Ehen – nicht Familien. Kinderlose Paare profitieren genauso wie Familien mit Kindern, und den größten Vorteil ziehen Haushalte mit hohen und sehr unterschiedlichen Einkommen. 

Was bedeutet das für die Praxis?  

Das Splitting ist kein Selbstläufer. Bei ähnlichen Einkommen kann die Einzelveranlagung besser abschneiden. 

Vorsicht ist auch bei Lohnersatzleistungen geboten. Der geringer verdienende Partner landet in der ungünstigeren Steuerklasse – und bekommt dadurch weniger Kranken- oder Elterngeld. Beide Leistungen orientieren sich am Nettoeinkommen. 

Die Reformdebatte ist real. Wer Mandantenpaare langfristig berät, sollte die Entwicklung verfolgen – und heute schon erklären können, was sich ändern würde und für wen. 

Das ist der aktuelle Stand

In der Koalition herrscht noch Uneinigkeit über den Umgang mit dem Ehegattensplitting. Nach dem Vorstoß von SPD-Chef Lars Klingbeil für eine Reform des Ehegattensplittings zeigt sich Familienministerin Karin Prien (CDU) offen. Sie erachte es als sinnvoll, über Anreize für mehr Vollzeitarbeit von Frauen nachzudenken, sagte die CDU-Politikerin im Podcast Table.Today. "Dazu gehören steuerliche Anreize, aber natürlich auch die Fragen einer verbesserten Betreuungsstruktur." 

Es stehe außer Frage, dass das Steuerrecht "Auswirkungen hat auf die Attraktivität des zusätzlichen Arbeitsplatzes des Zweitverdieners", sagte Prien. Die richtigen Antworten darauf würden nun in der Koalition beraten. "Und da geht es um Steuerfragen natürlich mit Blick auf das Splittingverfahren", sagte die Ministerin. "Aber aus meiner Sicht wäre es schon mal ein echter Fortschritt, wenn wir uns mal über die Steuerklassen unterhalten würden."

Finanzministerium mit Modell

Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) will mit einer Reform des Ehegattensplittings für neue Ehen Anreize dafür setzen, dass beide Partner in Vollzeit arbeiten. Klingbeils Ministerium hat dazu inzwischen einen Vorschlag gemacht: "Für die Zukunft soll das bestehende Konzept durch ein sogenanntes fiktives Realsplitting abgelöst werden", heißt es in einem Papier, über das zuerst der "Spiegel" berichtete. Das Realsplitting stärke Partnerschaften, ohne bestimmte Lebensmodelle steuerlich zu privilegieren. 

Prien nannte in dem Podcast auf eine Frage nach Gründen für die hohe Teilzeitquote in Deutschland unter anderem die Betreuung der Kinder, die Verteilung von Familien- und Sorgearbeit zwischen Ehepartnern und den Umgang von Unternehmen mit Frauen in Teilzeit. "Da gibt es viele Faktoren, aber Steuerrecht spielt sicherlich eine entscheidende Rolle", sagte sie.

Kanzler "nicht überzeugt"

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sieht das Ehegattensplitting hingegen nicht als Hindernis für die Erwerbstätigkeit von Frauen. "Ich bin von dieser Behauptung nicht überzeugt, dass das Ehegattensplitting die Beschäftigung von Frauen behindert", sagte der CDU-Chef jüngst beim "FAZ"-Kongress in Frankfurt. Die CSU lehnt eine Reform des Ehegattensplittings ab.


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dpa

Schlagworte zum Thema:  Steuerberatung
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